Afghanistan
 

Es war eines der schönsten Länder der Welt

Von Kabul in den zentralen Hindukusch

 

 

 

Der Hadjigakpass

Es gibt zwei Wege, um nach Bamiyan zu kommen. Der einfachere führt über den Schibarpass, kurz vor dem

Salang biegt man auf unbefestigter Straße nach Westen ab. Durch eine grandiose Schlucht geht es über den

3080 m hohen Schibarpass, der Wasserscheide zwischen dem Amur-Dari- und dem Indus-Becken. Die 260 km

zwischen Kabul (1791m) und Bamiyan (3000m) waren unspektakulär zu fahren.

Die Karawane war die ganze

Nacht unterwegs, um der

Tageshitze zu entkommen. Jetzt,

um 5:00Uhr in der Frühe, werden

sie am Fuß der Berge ihre Zelte

aufbauen. Es war der Morgen auf

der Fahrt über den Hadjigakpass

und Baniyam zu den Blauen

Seen.

 

Der zweite, abenteuerliche und

etwas kürzere Weg nach

Bamiyan und zu den Blauen

Seen von Band-e-Amir führte

über den Hadjigak- (3715m) und

den Unaipass (3300m) - da hören

in Europa die Berge beinahe

schon auf.

 

Der Weg hatte nur einen Nachteil:

Die meiste Zeit des Jahres war er

nicht passierbar und man bekam

keine Information zu welcher Zeit

ein Jeep da durch kam. Am

besten war es noch im

August/September. Da waren alle

von der Schneeschmelze

weggerissenen Wegabschnitte

von Hand wieder aufgeschichtet.

 

Sprit musste man an Bord haben,

fraß der Landrover im

Reduziergetriebe glatt 30l/100km.

Eine Tankstelle gab es nur in

Bamiyan.

 

Immer auf der Suche nach

solchen Herausforderungen gäbe

es so ein Abenteuer wie diese

Passfahrt weder in Asien noch im

amerikanischen Doppelkontinent

nie wieder zu erleben! Ergo sind

wir die Strecke sechsmal

gefahren.

 

Auf der Straße von Kabul nach

Kandahar kam nach rund 80 km

der kaum erkennbare und

natürlich nicht ausgeschilderte

Abzweig nach rechts, nach

Norden.

 

Der Weg windet sich durch ein

endloses, ziemlich dicht

besiedeltes Tal. Noch ist es flach

(flach ist gut: es ist mindestens

2000m hoch hier) zwischen

kleinen grünen Felder auf denen

Gemüse angebaut wurde.

Der Weg machte schwer zu

schaffen. Alle paar Meter kreuzen

"jubs" (Wassergräben) die

Straße. Sie sind mit Steinen

abgedeckt und wirken wie

Speedbraker.

 

Beim Überqueren werden die

Blattfedern des vollbeladenen

Landrovers (ungefähr Baujahr

1966) nach unten gedrückt und

hinterher schnellen sie nach

oben. 4 x wird man

durchgeschüttelt: erst die

Vorderachse und dann die

Hinterachse nach unten und

gleich wieder nach oben!

 

Passagiere, Ladung und der

große Hund werden

durchgeschüttelt wie nie.

 

Hinzu kommt das ewige

Schalten: Der 1. und der 2. Gang

sind unsyncronisiert.

 

Die Hänge werden in nie

gesehener Weise steiler.

 

Hier waschen die Frauen die

Wolle der Schafe im kalten

Bachbett ohne jede Seife. Sie

kochen die Farben aus

Naturprodukten, (Ranke-e-chob -

"Holzfarben"). So gibt es keine

schwarze Farbe aus der Natur,

z.B. für Wolle zum

Teppichknüpfen. Es ist immer ein

dunkles Braun, gewonnen aus

Walnussschalen. So gibt es durch

das Kaltwaschen auch kein

reines Weiß in Teppichen, es ist

immer "rauchfarben". Rot wird

aus Granatäpfel gewonnen, um

nur einige Beispiele zu nennen.

 

Da die Wolle nicht mit Seifen in

Berührung kommt, bleibt das

natürliche Fett der Schafe im

Faden erhalten, was die echten

Teppiche in Afghanistan und Iran

so widerstandsfähig macht im

Gegensatz zu denen aus

Pakistan und Indien. Da wird

meist chemisch gereinigte Wolle

aus Australien verwendet.

 

Die Hänge werden noch steiler,

das Grün bleibt im Tal zurück,

Hund, Fahrer und schie.wütiger

Passagier sind durchgerüttelt wie

nie. Der Hund wollte seine 15 cm

Platz nicht wieder einnehmen.

 

Die 16-schüssige Winchester

schoss sowieso um die Ecke, das

andere Gewehr aus der

Tschechoslowakai (Modell Brün,

Kaliber 22) mit dem gezogenen

Lauf war da besser.

 

Keine Angst: Tiere gab es hier

nicht mehr, nicht mal Vögel. Bei

dem Grad der Bewaffnung der

Afghanen war eh alles abgeknallt.

Vorbei geht es an Nomaden, die

wie auf dem Bild hier ihre

Schafwolle färben - ohne jede

Chemie für die besten Teppiche.

Da sie die Wolle nur kalt

waschen, bleibt das Fett in den

Haaren und die Teppiche, die aus

dieser Wolle geknüpft werden,

sind unverwüstlich.

 

Da es in ganz Afghanistan fast

keine Bäume gibt, kann man hier

auch nicht von einer Baumgrenze

sprechen. Any way, es gab auch

kein Grün mehr.

 

Die Brücke über den jetzt so kleinen Bach war eine Stelle, die den Weg, das ganze Tal, zur Schneeschmelze unpassierbar machte. Es gab immer wenige Menschen je höher es ging.

Weil der Siemensmann unbedingt eine rasante Fahrt über diese kleinen Steg filmen wollte, wäre der Wagen fast in den Bach geschleudert - Action pur.

 

Jeder, der an dieser Quelle hier

vorbei kam, badete hier.

Afghanen haben mangels Wasser

ja kaum Gelegenheit dazu. Und

in einem alten Reiseführer (Max

Klimburg, 1966) steht: "...Seife

als Körperreinigungsmittel ist

vollkommen unbekannt..."

 

Ein entscheidender Satz für die

langen Jahre in dem schönen

Land für den Autor!?

 

Jedenfalls rührt die Farbe der ca.

30°C warmen Quelle doch eher

vom Eisengehalt des Wassers

her.

 

Immer öfter kamen hier jetzt

Kutschis entgegen - natürlich an

den schmalsten und steil

abfallenden Stellen des Weges.

 

Die Lady hieb doch tatsächlich

mit dem Knüppel auf den

Kotflügel! Aber der war aus

Eisen. Sie war in Sorge um ihre

wertvollen Tiere, von denen viele

bestimmt noch nie ein stinkendes

Auto gesehen haben.

 

Jetzt, im Herbst, waren die

Nomaden auf dem Weg in den

Süden, heraus aus den im Winter

so extrem kalten Hochgebirgen.

Sie hielten sich immer da auf wo

Frühling war, um in der kargen

Landschaft Futter für ihre Herden

zu finden. Sie würden bis an den

Persischen Golf wandern, noch

2000km weiter. Wenn es da dann

kein Grün mehr gab, kamen sie

zurück.

 

Azzis, der Cheftechniker, sagte

immer nach dem Winter: "Wenn

die Rutschis (Schwalben)

kommen, kommen die Kutschis."

Es reimte sich in Farsi Dari.

 

Wo gibt es auf der Welt noch

solche Landschaften? Und solche

gemeinen Wege?

 

Die steilsten Steigungen waren in

den Kehren, oft 10 m hoch und

man sank bis zur Achse in

puderfeinem Sand ein. Nach so

einer Fahrt musste jeden Abend

der Staubfilter ausgeklopft

werden. Haare waschen wäre ja

auch nicht schlecht gewesen....

 

Na klar: Kamele hatten da keine

Probleme. Für Autos war die Piste

ja auch nicht angelegt.

 

Auf vier Passüberquerungen kam

auch nur einmal ein alter VW-Bus

entgegen - mit 2

Theologiestudenten aus Berlin.

 

Auf solchen Pisten hält man

natürlich an, tauscht

Informationen aus. Wie ist der

Zustand der Straße, wie lange

unterwegs, wo kann man essen,

trinken, tanken.

 

Passhöhe Hadjigak: 3715 Meter!

 

Der junge Esel suchte vor dem

ratternden Ungetüm verstört das

Weite.

 

Der Naffer sprach Farzi und

meinte, es wäre sein erstes Auto

gewesen.

 

 

Achtung: Blinken beim Überholen nicht vergessen!

 

Typisch Afghanen: Wo kommen

sie her, wo gehen sie in dieser

Wildnis hin und nie haben sie was

dabei!

 

Auf dem Weg hierher sah man

keine Ansiedlung. Es gab auch

keine bei der Weiterfahrt den

"Highway" hinunter...

 

 

 

Immer wieder begegnete man

Nomaden auf ihren traditionellen

Wanderungen in Richtung des

angenehmsten Klimas.

 

Die Nomaden sind jetzt im

August/September langsam auf

dem Weg nach Süden, raus aus

den hohen Bergen.

 

Sie werden noch Monate bis zum

Golf zu laufen haben, wo sie

überwintern und Grünes für ihr

Vieh finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oh! Die Dame ist schon

verheiratet. Wäre sie es nicht,

würde sie Rot tragen, damit sie

schon von Weitem zu sehen

wäre.

Am Tage wird gerastet und die Schafe, Ziegen, Kamele und Mulis weiden. Es ist zu heiß zum Laufen. Nachts wird gewandert, je nach Gelände zwischen 15 und 25 km.

Die Tote Stadt

Die Tote Stadt

 

Der rote Berg da hinten muss aus

purem Erz bestehen. Einst haben

hier in einer kleinen Ansiedlung

Leute gelebt und Erz abgebaut.

 

Das muss nicht sehr gesund

gewesen sein und die, die nicht hier

schon gestorben sind, haben die

Stadt dann aufgegeben.

 

Die Afghanen nannten sie nur "Die

Tote Stadt". Hier gabelt sich der

Weg. Links hinter dem Berg, nach

Westen, erreicht man nach wenigen

Kilometern Bamiyan. Nach Osten

geht es zum Salang.

 

Rechts auf dem Bild ist der Weg

nach der letzten Schneeschmelze

per Hand mühsam wieder

aufgeschichtet worden. Sonst wäre

hier kein Weiterkommen gewesen.

Bamiyan (2550 m Höhe) und die Buddhas

Die Höhlen in leicht zu

bearbeitendem Sandstein

waren schon in grauer

Vorzeit bewohnt.

Die Blauen Seen von Band - e - Amir

 

(3000 m Höhe, 30°12' N, 66°30' O)

See Nr. 1

Die vergessenen Naturwunder: Die Blauen Seen von Band-e-

Amir. Sie sind eine der Höhepunkte im Leben eines

Reisenden. Zwischen 80 oder 90 km nordwestlich von

Bamiyan liegen diese sich über Äonen von Jahren

selbstaufstauenden Seen.

 

Drei Besuche an diesen in der westlichen Welt weitgehend

unbekannten Naturwundern ließen einen zum Experten

werden, denn nichts durfte man vergessen. Beim Zelten über

mehrere Tage musste vom Essen bis zum Benzin alles

reichen.

 

Auf dem Weg von Bamiyan zu den Seen musste das Rinnsal

überquert werden - eine Sensation in Afghanistan, mal

fließendes Wasser zu sehen.

 

Der Weg, besser damals die Reifenspuren, gingen noch mal

auf 3500 m hoch, eher plötzlich in einer weiten Senke die

Blauen Seen wie ein Juwel in der Steinwüste auftauchten.

Der unterste See dürfte so auf 2900 m und die anderen Seen

nicht über 3000 m liegen.

 

Die Seen sind kalt. Nur 11°C haben wir im August gemessen.

An die Angel gingen kaum essbare, 20-30 cm lange

Weißfische, die viel zu viele Gräten hatten und obendrein

nicht schmeckten.

 

Es sind 5 Seen, die 5.985 Quadratkilometer bedecken - fragt

sich zu welcher Jahreszeit diese Zahl gilt. Einen der

Quellflüsse des Balkab speisen sie neben der

Schneeschmelze. Wenn viel Wasser von den Bergen kommt,

sind 8 Becken unterschiedlicher Tiefe gefüllt.

 

Die Seen liegen in Lehm- und Kalkbecken aus der Kreidezeit.

Das Wasser staut sich an Dämmen aus Travertin, einem

porösen Sü.wasserkalkstein, der aus kalten, warmen oder

heißen Sü.wasserquellen als Quellkalk chemisch ausgefällt

werden kann. Thermische Einflüsse werden hier aber

ausgeschlossen.

 

Vielmehr scheinen hier auch pflanzliche Organismen zu

wirken. Cyanophyten, Chlorophyten, Moose, Algen, etc.

spielen eine wesentliche Rolle bei der Fällung von gelösten

Calcium-Verbindungen, wie um 1970 von der

Köln/Bonner/Kabuler Uni vor Ort festgestellt wurde.

Es ist also ein äußerst fragiles System, was wohl durch die

Bildung des ersten afghanischen Nationalparks 2009 eher

gefährdet denn geschütz wird, soll doch der Park mal

Touristen anlocken.

 

Die Seen werden von Ost nach West durchnummeriert. Die

Seen Nr. 4, 6 und 8 sind tief. Nr. 4 ist mit 4,874 km2 der größte See Nr. 1 und mit 28 m auch der tiefste See. Nr. 7 ist meist ausgetrocknet bzw. mit Sedimenten verfüllt.

 

Die Seen 1,2,3, und 5 sind eher als flach zu bezeichnen.

Der untere See, die Nr. 1, hier im Bild, hat eine Tiefe von ca.

10 m, ausgelotet und geschätzt mit der Angelschnur.

Das orange Zelt links unten im Bild

war die Rettung, trotz der kalten

Nächte hier oben.

 

Drüben, das "Hotel", hatte einen

Fehler. Es gab nur einen einzigen

Raum und da lag wohl seit Jahren

das gleiche Stroh auf dem Boden.

Auch Stroh musste ja teuer

herangefahren werden.

 

Und nachts wurden die Ziegen in

den Raum hineingetrieben!

Afghanen machte das ja nichts aus.

Sie rollten sich in ihr Universalreise-

Mantel-Gebetstuch und freuten sich

über die Wärme, die die Tiere

ausstrahlten.

 

Der Gestank am nächsten Morgen

war gewaltig, schon, wenn man da

nur vorbei kam.

 

Um die Seen herum gab es

keinen Weg. Geübt mit dem

Geländewagen, hätte man es

aber ein ziemliches Stück weit

geschafft.

 

Das Problem war einmal der

Benzinvorrat - im Gelände fraß

der Landrover schon mal 30 l -

und zum anderen konnte man

das Zelt nicht so lange alleine

lassen.

 

Schade aus heutiger Sicht. Da

kommt man so schnell nicht

wieder hin.

 

Lagerfeuer

 

Was könnte in solch schöner,

archaischer Landschaft besser

sein, als des Nachts am

Lagerfeuer zu sitzen?

 

Auf einer Tour wurden also die

Hohlräume nach der Ladung der

Campingausrüstung und

Schlafsäcke, der Essensvorräte,

Benzin- und Wasserkanister,

Gewehre, Schlangenserum,

Ersatzteile (wie Schläuche,

Steckachsen, Vorschlaghammer,

Reifenmontierhebel,

Wasserpumpe, Zündkerzen,

Seile, Keilriemen, Luftpumpe

usw.) nicht nur mit Bierbüchsen,

sondern auch mit Holz ausgefüllt.

 

Ist auch für Afghanen in ihrem

baumlosen Land ein Lagerfeuer

mit wertvollem Holz nur für

Romantik nicht nachvollziehbar,

ja der pure Luxus. Aber da oben

an den Seen war ja keiner -

dachten wir.

 

Wir hatten Holz. Kamen doch die

technischen Einrichtungen für die

Vermittlungstellen in stabilen,

meterlangen Holzkisten. Die

sägten wir auf Stauflächengröße

des Autos zusammen. Wie das

klapperte auf der Fahrt!

 

Wir kamen am späten Nachmittag auf der Staumauer (Bild See Nr.1) an und waren alleine.

 

Doch nach Einbruch der

Dunkelheit schrauben sich Lichter

von 2 Geländewagen den Berg

herunter und bauten sich weiter

hinten auf. Ungewöhnlich, dass

nachts hier einer noch fährt.

 

Wir saßen längst am Lagerfeuer

und die Whiskeybuddel kreiste,

als plötzlich 2 Soldaten im

Lichtkegel auftauchten.

 

Ehe wir reagieren konnten,

erschien ein junges Paar und frug

auf Farzi, ob sie sich mit ans

Feuer seten durften. Sie brachten

einen feinen Whiskey mit.

Rechts der Mitte ist die unterste Staumauer des See Nr. 1

Blick über den See Nr. 2 nach Westen (rechts hinten) zum See Nr. 1

Gleichfalls der Blick über den See Nr.2 nach Westen (mitte) zum See Nr. 1

Blick über den See Nr.2 Richtung Osten

Zwischen See Nr. 3 und 4

Schnell war klar, sie war eine Deutsche, die für den DED in

Kabul arbeitete. Whiskey hat auf 3000 m Höhe eine ganz schöne

Wirkung und bald plauderten alle durcheinander abwechselnd auf

Farzi, Englisch und Deutsch.

 

Als die Gelegenheit dazu war, frugen wir sie, wer denn ihr

afghanischer Freund sei, der da mit Militäreskorte durchs Land

reise.

 

Es was ein Prinz aus Afghanistan, aus der Familie des Zahir Shah, dem König von Afghanistan. Die Nacht endete im Morgengrauen mit einem Bad im eiskalten See, nachdem die Holzvorräte und der "Snaps" für mehrere Tage aufgebraucht waren.