BERLIN - MITTE

Berlin

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Von der Siegessäule zum Fernsehturm

Alles Mitte, oder was?

Unter den Linden, Seite 4

Neue Wache, Unter den Linden 4

Kronprinzenpalais         Maxim-Gorki-Theater        Palais am Festungsgraben         Alte Kommandantur

Auch das Kastanienwäldchen steht unter Denkmalschutz (Aug. 2015)

Schinkels schönster Bau: Die Neue Wache (April 2004)

Käte Kolwitz: Mutter mit totem Sohn

Und sie wirkt doch: Die Neue Wache (April 2004)

Neue Wache

 

König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise wohnten m

Kronprinzenpalais. Ihr Blick über die breite Allee Unter den Linden fiel auf ein verkommenes kleines

Kastanienwäldchen. Auf den morastigen Resten des

Festungswalls hatten sich Händler mit bunten Budeno niedergelassen. Kein schöner Anblick für König und Königin, die hier die schönste Zeit ihres

Lebens verbrachten.

 

Schinkel erhielt den Auftrag ein Wachhaus für die Wachen des Königs im schräg gegenüberliegenden

Kronprinzenpalais zu entwerfen. Gleichzeitig sollte es eine Gedenkstätte für die Gefallenen der

Befreiungskriege 1813 bis 1815, Ende der französischen Herrschaft, sein.

 

Viele Entwürfe musste Schinkel dem recht kunstsinnigen König vorlegen. Es war für Schinkel eine schwierige

Aufgabe, zwischen den monumentalen alten Gebäuden

rechts und links, Zeughaus und Universität, und dem auf anderen Straßenseite liegenden Opernhaus und dem Kronprinzenpalais mit den wenigen Mitteln des nach den

Kriegen immer klammen Königshauses etwas Bleibendes

zu schaffen. Es sollte sein Meisterwerk werden.

Die Bauarbeiten begannen 1816 und am 18. September 1818 zog die erste Wache auf. Schinkel ließ das

Kastanienwäldchen so auslichten, dass die Bäume wie Soldaten Spalier stehen, was nicht nur SM, sondern auch den Berlinern ausgesprochen gut gefiel. Die Kastanien stehen heute noch so da.

 

Der Bau strahlt eine klassische Klarheit aus. Es ist heute noch verblüffend, dass so ein kleines Bauwerk solch eine Monumentalität, Schlichtheit und Eleganz vermittelt. Sicher tragen die sechs dorischen Säulen dazu bei. Sie korrespondieren mit jenen im gegenüberliegenden Opernhaus und am Brandenburger Tor.

Das Geld reichte nur für den Sandstein der Fassade und der Ecktürme. Die Seitenwände sind auch heute noch aus unverputzten Ziegelsteinen gemauert.

Nutzung

 

Bis 1918 diente das Gebäude als Haupt- und Königswache.

 

Ab 1931 wurden die Gefallenen des Ersten Weltkrieges hier geehrt.

 

1945 zerbombt

 

1949 wollte die Berliner FDJ die Neue Wache abreißen. Waren die

Jungs schon schwer auf Linie! Ein sowjetischer Kulturoffizier,

Dymschitz, war da gebildeter und hat es verhindert.

 

1950 Ein Teil der Säulenvorhalle stürzt ein, die Ruine wird gesichert.

 

1955 wieder aufgebaut

 

1960 und 1969 wird ein Mahnmal hergerichtet für die Opfer des

Militarismus und Faschismus. Am Tage standen bis 1990 als

Ehrenwache zwei Soldaten des „Wachregiments Friedrich Engels“ vor

der Neuen Wache.

 

Jeweils Mittwochs und Sonnabends Punkt 14:30 Uhr konnte man mit

großem Dschingdarassabum, den man den Antimilitaristen, -faschisten

und echten „Arbeitern und Bauern“ gar nicht zugetraut hat, die

Ehrenformation zum „Großen Wachaufzug Unter den Linden“

aufziehen sehen (komisch: Wachen ziehen immer auf!). Hat die Neue

Wache also auch überstanden.

 

Seit dem Volkstrauertag 1993 gilt die Neue Wache jetzt als

„Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer

von Krieg und Gewaltherrschaft“.

Neue Wache 1945 Bundesarchiv, Bild 183-M1205-329 /Donath, Otto / CC-BY-SA

Blanke Ziegel auf der Westseite der Neuen Wache…

…und auf der Rückseite

…und auf der Rückseite

Straßenfest 1991. Was für ein Fest das war, ist leider vergessen, aber der Osten war neu für uns im Westen und

das ohne Eintritt und Vopos! Aufnahme von der Rampe des Kronprinzenpalais herunter.

Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3

Kronprinzenpalais im Dez. 2014

Kronprinzenpalais im Aug. 2015

Das Gebäude wurde 1693 als Privathaus für den

Staatssekretär Martitz errichtet. Von 1709 bis 1732 diente es als Sitz der Gouverneure der Stadtkommandanten von

Berlin.

 

1732 als barockes Stadtpalais umgebaut, die Säulen und die Auffahrt kamen hinzu. Nomen est omen - die Kronprinzen wohnten wirklich hier. Vor allem Friedrich II., der spätere König von Preußen (Friedrich der Große, der Alte Fritz).

 

Am 10. März 1732 heiratete Friedrich Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (1715 - 1797). Sie war eine Cousine der Kaiserin Elisabeth Christine, der Mutter von Maria Theresia. Die Zweckehe blieb kinderlos. Als Friedrich II. 1740 König wurde, war er nur noch bei seinen Soldaten in Ruppin und kümmerte sich um div. Kriege, nicht aber um seine Frau. Seine Stadtwohnung war fortan im Berliner Schloss.

 

1742 übergab er das Kronprinzenpalais an seinen Bruder

August Wilhelm (1722-1758). Dessen Frau bewohnte es

noch bis 1780.

 

1793, nach einer Renovierung, zog das Kronprinzenpaar Wilhelm und

Luise mit ihren Kindern hier ein. 1797 dann König und Königin. Hier schuf

Schadow das berühmte und schöne Doppelstandbild von Luise und ihrer

Schwester Friederike die "Prinzessinnengruppe". Im gleichen Jahr wurde

hier der spätere Kaiser Wilhelm I. geboren.

 

Schinkel wurde von Kaiser Wilhem III. beauftragt, eine Brücke zum

Nachbarhaus, dem Prinzessinnenpalais zu errichten. Dort lebten seine

drei Töchter. Nach dem Tod Wilhelm III. 1840 stand das Gebäude bis

1857 leer. dann wurde ein drittes Stockwerk aufgesetzt und Prinz

Friedrich Wilhem, der Sohn Wilhelm III. zog ein.

 

1859 wurde der letzte Deutsche Kaiser, Wilhelm II., hier geboren und

1888 starb Friedrich III., der 99 Tage Kaiser war. 1905 lebte in den

Wintermonaten noch der letzte Kronprinz Wilhelm und die Kronprinzessin

Ceilie in dem großen Haus. In der Novemberrevolution 1918 wurden von

der Rampe Reden an das Volk gehalten und Könige und Kaiser, Prinzen

und Prinzessinnen gab es nicht mehr.

 

1919 gab der preußische Staat das große Haus an die Nationalgalerie.

Die richtete eine "Galerie der Lebenden", Skulpturem und Gemälde

zeitgenössischer Künstler, was ziemlich einzigartig für die damalige Zeit

war. Es war ein Vorbild für das MoMA (Museum of Modern Art, New York).

 

Natürlich "säuberte" Reichskanzler Adolf Hitler die Ausstellung 1933. Die

Gestapo verbrannte 1936 unliebsame Gemälde im Heizungskeller. 1937

wurde zwangsweise die Akademie der Künste hier einquartiert. Am 18.

März 1945 wurde das Haus durch Bombentreffer total zerstört. Ost-Berlin

riß 1961 die Reste ab und ab 1968 wurde es wieder neu aufgebaut. Es

diente dem Magistrat von Ost-Berlin als Gästehaus. 1990 wurde hier der

Einigungsvertrag unterschrieben und der Senat von Berlin übernahm das

Gebäude.

 

Irgendwann sollten die Bundespräsidenten hier einziehen. Das

Opernpalais sollte hinzu kommen. Es gab einen Aufschrei in Berlin.

Keiner wollte das Opernkaffee vermissen. Richard von Weizäcker machte

aber dann Schloß Bellevue zum Sitz der Präsidenten.

 

Seit 2012 ist das Haus im Besitz der Bundesanstalt für

Immobilienaufgaben und dient wechselnden Ausstellungen.

Die Prinzessinnengruppe in der

Entwurfszeichnung von Schadow,

1795. Luise, die Ranghöhere, steht

etwas weiter vorne und hat hier noch

einen Blumenkorb in der Hand.

(Bild gemeinfrei, Wikipedia)

Maxim-Gorki-Theater, Am Festungsgraben 2

Maxim-Gorki-Theater (April 2007)

Hinter dem Kastanienwäldchen das Maxim-Gorki-Theater (April 2014)

Maxim-Gorki-Theater (April 2007)

Die Pläne des Gebäudes mit der

tempelähnlichen Fassade im

klassizistischen Stil, geht, wie sollte

es anders in Berlin sein, auf Karl

Friedrich Schinkel zurück. Es ist

das älteste Konzerthaus Berlins.

 

Es wurde in den Jahren 1825 bis

1827 erbaut. Im Jahre 1791 hatte

sich die Sing-Akademie zu Berlin

gegründet, die älteste gemischte

Chorvereinigung der Welt. Sie

nutze das schöne Haus bis zum

Ende des Zweiten Weltkriegs

.

Alexander von Humboldt hielt hier

1827 und 1828 die berühmten

Kosmos-Vorlesungen für alle

Volksschichten. Felix Mendelssohn

Bartholdy wirkte hier. 1848 tagte die

konstituierende Preußische

Nationalversammlung in dem

rechteckigen Bau.

 

1945 beschlagnahmte die

sowjetische Besatzungsmacht die

stark beschädigte Sing-Akademie.

Das benachbarte Gebäude war da

schon „Haus der Kultur der

Sowjetunion“ (heute Palais am

Festungsgraben) geworden und

dem sollten ein Theater

angegliedert werden, dass Maxim-

Gorki-Theater (Eigenschreibweise

ohne Bindestriche).

1952 sollte das Haus mit eben Maxim Gorkis „Nachtasyl“ eröffnet werden. Das Thema war

den streng stalinistischen Kulturoffizieren aber zu heikel. Das Stück einsprach nicht dem

sozialistischen Realismus! Die meinten ernsthaft, es entspräche nicht der „Pflege

russischer und sowjetischer Theaterkunst.“ - und Berthold Brecht lachte sich im Berliner

Ensemble ins Fäustchen.

 

Die Sing-Akademie zu Berlin besteht bis heute. 1990 wollten sie natürlich Gebäude und

Grundstück wiederhaben. Der ganz normale Wahnsinn: Streit vor Gericht von 1990 bis

2012! Verwaltungsgericht, Landgericht, Berliner Kammergericht, Bundesgerichtshof.

 

Der Senat von Berlin meinte, der Chor sei rechtmäßig enteignet worden, ein Gericht

entschied so, das nächste wieder nicht.

 

Am 7. Dezember 2012 entschied der Bundesgerichtshof zu Gunsten der Sing-Akademie zu Berlin. Sie ist wieder der rechtmäßige Eigentümer und im Grundbuch eingetragen. Das Land Berlin mietet das Gebaäue für 25 Jahre für das Maxim-Gorki-Theater an. Die Jahrespacht beträgt 315.000 Euro.

Palais am Festungsgraben, Am Festungsgraben 1

Palais am Festungsgraben (Oktober 2014). Architekten müsste doch heute schlecht werden wenn sie so eine

schöne Fassade sehen.

wurde 1751 und 1753 von Johann

Gottfried Donner erbaut. Das

Grundstück mitten im Zentrum

bekam er von König Frriedrich II.

geschenkt - man halte sich fest -

Donner war der getreue

Kammerdiener des Königs!

 

Donner war einer der ersten, die

Mischnutzung eines Gebäudes

einführte. Es war ihm wohl zu groß

geraten und er brauchte

Einnahmen. So gab es im Hof eine

Holzhandlung, er nahm Mieter auf,

Getreidelager.

Maxim-Gorki-Theater und Palais am Festungsgraben (Aug. 2015)

Theaterstücke wurden aufgeführt. Donner verkaufte sein "Donnersches Palais" 1787 an den

Staat. Der richtete eine Zoll- und Finanzbehörde hier ein. Aber vorher hatte Donner noch die

Fassade im Renaissancestil herrichten lassen und das Säulenportal angebaut.

 

1808 zieht das Finazministerium hier ein. 48 Minister leisten nacheinander ihren Dienst hier.

Der berühmteste war Karl Reichsfreiher vom und zum Stein.

 

1947 hatten die Sowjetischen Besatzer das Haus konfiziert, die Kriegsschäden wurden

beseitigt und das Palais nannte sich bis 1950 “Haus der Kultur der Sowjetunion" und dann

"Zentrales Hause der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft".

Das Palais am Festungsgraben, Eingang (Aug. 2015)

Nach der Wiedervereinigung heißt es jetzt Palais am Festungsgraben und gehört dem Land

Berlin. Man versucht, wieder mit Mischnutzung, Geld einzunehmen. Eine Eventargentur

organisiert Hochzeiten, Ausstellungen, das Thater im Palais und vieles mehr.

 

Denn eine große Kostenlawine rollt auf das Land zu. Selbst die Grundmauern sind marode.

Schließlich steht das Gebäude im Morast des zugeschütteten Festungsgraben, der einst Berlin und Cölln umgab.

 

Auf eines kann man getrost wetten: es wird doppelt so teuer und dauert doppelt so lange wie

geplant. Warum soll sich plötzlich in Berlin was ändern?

Repräsentanz Bertelsmann
(Alte Kommandantur), Unter den Linden 1

Heute ist es die Repräsentanz von Bertelsmann. Die bauten die Alte Komandentatur mit gequaderter Fassade

unter Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen wieder auf. Rechts im Bild vom Januar 2005 die Fassade des

Zeughauses. Man kann es sich kaum noch vorstellen, hier keine Kräne zu sehen.

Unvorstellbar: Keine Baustelle - nur rechts und links! (Okt. 2008)

Die jährliche Weihnachtsbeleuchtung. Passt das hier her? (Dez. 2006)

Keine Angst: Bleibt bis 2020 so! Und dann muss bestimmt renoviert werden! (Mai 2014)

Anno dunnemals hatte ein Kurfürst

einen Festungsbaumeister. Zumal

der "Große Kurfürst " Friedrich

Wilhelm von Brandenburg.

 

Sein Festungsbaumeister war

Johann Georg Memhardt. Er sollte

ein neuen Stadtteil entwerfen,

Friedrichswerder. Er zeichnete auch

den ersten Stadtplan von

Berlin/Cölln.

 

Für seine Verdienste bekam er das

Grundstück gegenüber dem

Schloss an einem breiten,

unbefestigten Feldweg überlassen -

heute unter den Linden.

 

Dort baute er um 1653 sich das

erste steinerne Haus im neuen

Stadtteil Friedrichswerder.

1795 war das Haus so baufällig,

dass der Hof hier ein palastählichen

Neubau mit vielen Wihnungen und

einem Stall hier errichtete.

 

1799 zog der Stadtkommandant der

Berliner Garnison hier ein.

 

1873/74 wurde das barocke

Walmdach durch ein Flachdach

ersetzt und ein Stockwerk kam

hinzu. Die Fassade erhielt eine

aufwendige Putzquaderung.

 

8 große Adler aus Terrakotta

wurden, je eine halbe Tonne

schwer, auf dem Dach aufgestellt.

Mit ausgebreiteten Flügeln sollten

sie florentinisches Flair verbreiten.