Brandenburg

Brandenburger Kaleidoskop

 

Alleen

Alleen in Brandenburg im Wechsel der Jahreszeiten

Im April

Pflaster aus gelben Ziegelsteinen südlich Groß Behnitz nahe der Alten Ziegelei

"... in Brandenburg, in Brandenburg ist wieder einer gegen einen Baum

gegurkt..." singt Rainald Grebe. Zu recht! Denn ca. 4.000 knallen jährlich so lange nach der Wende immer noch gegen einen Baum! Kurz nach der Wende gab es in der neuen Republik nirgends so viele Verkehrstote wie hier auf den Alleen in Brandenburg.

 

Nie hatten unsere neuen Mitbürger so schnelle (Rost-) Kisten unter dem

Hintern! Nie gab es auf Straßen so viele Kreuze. Schlimm übriges. Da

kommen welche besoffen aus der Disco, kacheln gegen den armen

Alleebaum, und man soll ihnen da noch gedenken?

 

Der ADAC forderte wirklich kurz nach der Wende das Abholzen der

Alleebäume in Brandenburg! Grund für den Autor aus diesem Verein für

immer auszutreten.

 

Echt, das haben die Idioten damals gefordert, diese größte

Autofahrerlobby mit Zugriff auf die Hälfte aller Abgeordneten im

Deutschen Bundestag! Gut, dass die eins auf die Mütze bekommen haben.

Was machen die, wenn das ganze Land asphaltiert ist und der Verkehr

trotzdem vor lauter Blech nicht mehr rollen kann?

Im Mai

Allee bei Siethen. Was sind hier mal die Trabis langgehoppelt!

Im Juni

Allee bei Linumhorst

Im August

Allee zwischen Nauen und Berge

Im August

Auf diesem ehemaligen, DDR-typischen Wirtschaftsweg zwischen Nauen und Berge trifft man auf vielen Kilometern weder ein Auto noch Menschen. Hier, auf Wiesen, die keine Anbindung an Wege haben, werden Kraniche angefüttert, um den Schaden für die Landwirtschaft möglichst gering zu halten. In dieser Gegend fallen sowohl im Frühjahr als auch im Herbst schon mal 100.000 Kraniche ein - sag NABU in Linum. Aber die großen Vögel sind so scheu, dass man auch nicht mit einem 800-mm-Objektiv zu guten Aufnahmen kommt.

Aufnahme zusammengesetzt aus zwei Bildern mit 800-mm-Teleobjektiv

Im Oktober

Weit östlich von Berlin

Im Oktober

Allee bei Busendorf

Alleen -  was für ein schönes Wort!

Wie alt sind Alleen?

Nutzen der Alleen

Alleen in Ost und West

Es kommt aus dem Französischen und bedeutet Gang, von alée (aller ist das Verb für „gehen“ im Infinitiv).

 

Schon die alten Griechen und Römer mochten nicht in der Sonne marschieren und kannte das Anpflanzen paralleler Baumreihen an ihren Straßen. In der Neuzeit, 1459, war Florenz der Vorreiter und danach wurden die doppelt gesäumten Straßen zur Gestaltung der Landschaften  in Frankreich eingesetzt.

 

Man könnte denken, die Germanen hätten es ihnen gleich getan, aber weit gefehlt. Die ersten Alleen in Brandenburg entstanden erst um 1720 zwischen Berlin und Frankfurt Oder und nach Küsterin. Friedrich Wilhelm I, war seit 1713 König von Preußen. Er wurde nicht umsonst „Soldatenkönig“ genannt. Seine Langen Kerls mussten ja von Schlacht zu Schlacht - und da gab es genug von - meistens laufen. Sollten sie es besser haben?

 

Das Land war arm und ausgeblutet, die Versorgungslage schlecht. So wurden nicht nur Eichen, Buchen, Weiden, Kastanien und andere Laubbäume gepflanzt, sondern auch Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumenbäume. Als eine Art „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“ forcierte der 1442 König Friedrich II. ( der „Alte Frits) das Anpflanzen von Maulbeerbäumen. Eine Millionen dieser Bäume sollten Arbeit durch die Seidenraupenzucht ins Land bringen.

 

In Preußens „Streusandbüchsen“ hatten die Alleen viele Vorteile. Nicht umsonst wurde 1841 per königlichem Dekret 161.000 Alleebäume gepflanzt. Alleen ließen das Militär schneller vorwärts kommen, zeigten den oft noch unbefestigten Weg bei Schneeverwehungen im weiten Land, bei Dunkelheit, sorgten für Obst, Kastanien und Eicheln, ein nicht zu unterschätzendes Viehfutter damals.

 

Alleen sind schön anzuschauen. In keinem Bundesland gibt es mehr Alleen als in Brandenburg: 8.000 Kilometer! Doch leider sind viele Bäume in schlechtem Zustand.

 

Der Westen Deutschlands brauchte im wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Kriege moderne Verkehrsweg für den rasant zunehmenden Verkehr. Man schätzt, das 50.000 km Alleen abgeholzt wurden. Das blieb dem Osten erspart.

 

Es gab ja nur wenige Trabis, Wartburg, Ladas und wenig LKW-Verkehr. Doch leider dachte der „Arbeiter- und Bauernstaat“ nicht im Traum daran, die nun ein Viertel Jahrtausend alten Alleebäume zu pflegen oder gar nachzupflanzen.

 

Viel anders ist es jetzt leider auch nicht. Wie eingangs erwähnt, krachen jedes Jahr an die 4.000 Autos an die Bäume („Bestenauslese“, hieß das nach der Wende). Im Frühjahr, wenn die Rinden weich und saftig sind, kann das das Ende des uralten Baumes bedeuten. Stümperhaftes beschneiden, tausende Tonnen von Salz, und der Klimawandel mit Miniermotten und Eichenprozessionsspinner haben dann leichtes Spiel.

Reste einer Maulbeerallee östlich von Sperenberg am Möllensee

Um die 250 Jahre alte Eichen, wie die in Gröben sagen

Ein Anwohner meinte, die Säule wäre, zu mindestens am Anfang. äußerst lukrativ für den Staat gewesen. Es ist nicht zu erkennen. dass man schon in einer Ortschaft ist. War selber zu Anfang mit 15 € dabei. Jetzt fängt man nur noch Fremde.

November 2016

Ortseinfahrt nach Gröben. Hinter dem Baum eine hochmoderne Blitzeinheit