Pflanzen in Costa Rica

Kapitel 3: Pflanzen

Seite     von 22

2

1. Tropische Waldformen

Tropische Wälder haben die unterschiedlichsten Vegetationsformen. Viele sind davon in diesem mit nur

51.032 km2 wirklich kleinen Land zu finden (zum Vergleich: Bayern ist mit 70.547 km2 viel größer). Mag

auch die größte Nordsüdausdehnung nur 460 km und die schmalste 120 km betragen, so kommt doch

eine Küstenl.nge von 1.200 km zusammen, 1.000 km davon alleine auf der Pazifikseite. Und in der Mitte

des Landes die Berge und Vulkane. Der höchste Berg davon, der Chirripó, ist mit 3821 m auch nicht

gerade niedrig zu nennen.

 

Das alles liegt nun zwischen 8 und 11 Grad nördlich des Äquators und ist den tropischen Regenzeiten

unterworfen. Hätten die 3,9 Mio. Bewohner (Bayern: 12 Mio.) die Wälder nicht bis auf ca. 4% der

Landfläche abgeholzt - 1976 waren es noch 34% - müsste hier in der Nähe wohl das Paradies liegen.

Aber auch die 4% lohnen sich noch - zumal es nirgends auf der Welt mehr besser ist!

Vegetationskarte von Costa Rica

Küstenvegetation in der Trockenzeit zwischen Jacó und

Quepos bei Esterillos. Schöne Ortsschilder, oder?

Panorama der Küstenvegetation bei Esterillos de Oeste im Januar 2007 in der Trockenzeit, unten bei Ebbe.

1.2 Tropischer Trockenwald

 

 

Dieser Waldtyp ist regelrecht ausgerottet worden. Es ging zu einfach und es war obendrein noch billig. In

der Trockenzeit werfen die Bäume das Laub ab, um die Verdunstung des wertvollen Wassers gering zu

halten. Die Bäume wurden 30 Meter hoch, der Unterbewuchs zwischen 10 und 20 m. Ein Streichholz an

der richtigen Stelle, und Laub und wertloses Unterholz waren verschwunden, die Bäume im flachen Land

nun leicht zu fällen und abzufahren.

Am Ende aller Wege in Palo Verde: Reste des

Trockenwaldes!

Hier, an der langen Zufahrt nach Palo Verde, gibt es

nur noch - im Feb. abgeerntete - Zuckerrohrfelder

Heute werden auf den Flächen Zuckerrohr, Ölpalmen, Ananas oder Baumwolle angepflanzt. Reste von

Trockenwald gibt es noch in Guanacaste im Nordwesten des Landes. Nicht einmal im Nationalpark von Palo Verde

gibt es nennenswert zusammenhängende Flächen mit 30m hohen Bäumen. Weiter nördlich in Nicaragua sah es

vor 30 Jahren schon genauso schlimm aus.

 

Lebt man 4 Jahre in dieser Zone, gibt es nur eines: wundern und staunen! Kommt endlich der Regen, ersäuft man

fast darin, wie man vorher am Staub der unbefestigten Strasse beinahe erstickt ist. Die Natur explodiert förmlich

und alles Leben bekommt eine Gewalt, wie es bei uns zuhause nicht mal zu erahnen ist.

 

Über Nacht ist alles grün. Bambus wächst 10 cm am Tag, Gras wird am Strassenrand 2 m hoch, verrottete und

geteerte Zaunpfähle, druckimprägnierte Strom- oder Telefonmasten schlagen aus, wachsen an. Man würde sich

nicht wundern, wären am nächsten Morgen am Besenstiel Früchte dran.

 

Die Tierwelt spielt verrückt. Iguanas, Vögel, riesige Käfer, Opossums, Stinktiere, Korallenschlangen, Vogelspinnen:

es scheint, alle wollen gleichzeitig ins immer offenstehende Haus (Temperaturen das ganze Jahr über zwischen 26

und 32 Grad auf 350 m Höhe, kilometro dies y media südlich Managua, ,an der Carretera del Sur), sausen wie irre

herum. Nirgends auf der Welt kann man die Kraft der Natur so erleben wie beim Wechsel der beiden Jahreszeiten

- Sommer und Winter, Regen und Trockenheit - wie im tropischen Trockenwald.

 

Der Regen setzt an der pazifischen Seite im Mai ein, je südlicher, desto früher. Oft so stark, dass der Sauerstoff in

der Luft knapp wird, oft nur 10 Minuten lang. Da kann aber so viel herunterkommen, wie in Berlin das ganze Jahr

nicht. Dann scheint wieder die Sonne - aber die Einfahrt liegt einen halben Meter tiefer, weggespült von den

Wassermassen.

 

Der Höhepunkt ist dann im September/Oktober, wenn die Hurricans in der Caribe toben und die Inseln und den

Südosten der USA verwüsten. Mittelamerika bekommt dann die Regenausläufer ab - aber wie! Brücken, die den

Rest des Jahres trockenen Sand überspannen werden weggerissen, ganz zu schweigen von den "Casas de

Carton".

Im November gewinnt an der ariden, an der pazifischen

Küste in Mittelamerika, wieder der Staub die Oberhand.

Die Bäume stehen kahl herum wie bei uns im Winter.

Aber kurz vor Ende der Trockenzeit tragen sie plötzlich

Zehntausende von Blüten, wunderschön anzusehen,

jede Baumart zu einer anderen Zeit und in einer

anderen Farbe. Nur, fallen die dann herunter, um bald

den Blättern Platz zu machen, bleibt man an ihnen

kleben, dass es einem fast die Sohle vom Schuh reißt.

Wer da ein Auto parkt....

1.3 Übergang vom tropischen Trocken- zu immergrünem Regenwald

 

 

Botaniker unterscheiden Regenwälder nach ihren Höhenlagen. Bei Tieflandregenwald (bis 900 m ) kommt auch

noch die Niederschlagsmenge hinzu. So kommen sie mühelos auf 40 verschiedene Waldtypen. An der

Pazifikküste zeichnet sich der feuchte, immergrüne Waldtyp durch bestimmte Wuchsformen aus.

 

Das obere Kronendach reicht bis 50 m Höhe. Die Bäume verzweigen sich erst in 25 oder 30 m und haben

mächtige Brettwurzeln. Die nächste Baumkronenschicht endet bei 30 m, während der Unterbewuchs noch bis 20

m reicht. Häufig sind das die vielfältigen Palmenarten. Am Boden gibt es nur noch wenig Licht und der

Krautbewuchs ist entsprechend spärlich.

Als gutes Beispiel für diese Waldform bietet sich der 47 km2 große Nationalpark von Carara an. Nahe der

Küstenstrasse ist er noch licht, zumindest jetzt im Februar. Größere Bäume fehlen in der Nähe befahrbarer Wege.

Weiter drin in diesem schönen biologischen Reservat Carara wird es richtig dunkel und es sind auch noch

richtig dicke Bäume stehengeblieben. Ganz früh, wenn der Park eigentlich noch gar nicht geöffnet hat, ist

es hier am schönsten. Arakangas steigen auf, Gürteltiere sind zu sehen, man riecht die Wildschweine wie

bei uns, wird böse angeknurrt und sieht sie höchstens für Sekunden. Bitte nicht vergessen, die 8 US$ hinterher zu bezahlen - die können das Geld dringend brauchen...

Der Nationalpark von Carara wird durch einen kleinen Fluss

durchquert. Lichtungen in tiefen Wäldern sind immer schön...

Blick nach Südosten von der Brücke des Rio Tárcoles mit seinen vielen Krokodilen. Rechts beginnt die "Reserva Biológica Carara" mit der Lagune, an der Kahnschnäbel zufinden sind.

1.4 Tieflandregenwald

Verlässt man die Bergwelt von Monteverde in nordöstlicher Richtung, ergibt sich ungefähr bei San Miguel de Sarapiqui dieser Blick auf die total zersiedelten Lowlands, die früher mit undurchdringlichem Tieflandregenwald bestanden war. 2 bis 3 Stunden über immer schlechtere Wege muss man weiter über Boca Tapada bis zur Grenze von Nicaragua fahren, bis zum Rio San Carlos, ehe man auf der Grand Lagarto Lodge noch richtigen Tieflandregenwald findet.

Einige Meter neben den Bungalows, hinter einem

Zaun, beginn der Urwald. Der Zaun war

erforderlich, damit die Wildschweine den Rasen

nicht mehr umgraben.

Also Gummistiefel an, das Gatter wieder

geschlossen - nach einigen Metern fließt der

Schlamm oben in die Stiefel rein, lehmig, zäh,

später schlecht abzuwaschen. Es ist stockdunkel.

Rutschend geht es vorwärts. Verlockend zum

Festhalten der kerzengerade Stamm neben dem

Weg. Gottseidank in letzter Sekunde die 10 cm

langen Stacheln der Orangenpalme erkannt, wie

sie in der Mitte des Bildes hier steht.

Drüben der Wald, hier bewacht von riesigen Kaimanen

Der Rand des Tieflandregenwaldes auf einer Lodge

Nichts ist zu erkennen im Tieflandregenwald mitten am Tage. Der Blitz hilft da auch nicht weiter. Es ist verdammt schwül, irgendetwas sticht teuflisch in den Arm, das Hemd klebt, kein Lufthauch ist zu fühlen, es riecht modrig. Nie gehörte, fremdartige Geräusche dringen ans Ohr. Schreit so ein Vogel? Jetzt ein eiskaltes Bier...

Tagelang kann man als ahnungsloser Tourist bis zu den Knien im

schweren Modder hier rumlaufen und würde doch kein einziges Tier

sehen. Dafür tief im Wald Gastarbeiter aus Nicaragua! Die spannen

oben in den Baumriesen schwere Stahlseile für eine von den Amis

hier so geliebte idiotische "Sportart": Canopy. Für 50 US$ im

Geschirr hängend mit affenartiger Geschwindigkeit, an allem was

schön ist, vorbeizurutschen und die letzten freilebenden Affen

vertreiben. Wo sollen die nur hin?

 

Lange bevor Modehäuser auch noch den letzten Rentner selbst in

Großstädten mit Outdoorbekleidung ausgestattet haben, gab es

schon Profis, die damit rumliefen: Das Militär. Tausendfach erprobt,

immer wieder den neuesten Technologien angepasst, hat das Militär

die beste Bekleidung für alle Begebenheiten in allen Gegenden der

Welt.

 

Wenn man über modrigen Urwaldböden kriechend nach

klitzekleinen Pfeilgiftfröschen oder Schmetterlingsraupen sucht, um

sie fotografieren zu können, was gibt es da besseres als

Bundeswehr Bekleidung? Sie ist schmutzabweisend, schützt vor

Mückenstichen - Dengue ist ja nicht gerade ungefährlich - und ist

nach den kurzen, aber heftigen Regenschauern sofort wieder

trocken. Und es ist verblüffend, wie preiswert man diese Sachen

bekommt - es fehlt eben der Modezuschlag. Dafür ist der Nutzen um

ein vielfaches höher.

1.5 Tropischer Bergregenwald

Monteverde, um 1000m, an der Soda, wo die Kolibris aufgenommen

worden sind, ergibt sich dieser Blick in das tiefe Tal mit dem Nebelwald an

seinen Hängen.

Hier oben wachsen Fleißige Lieschen wild am Strassenrand, können Bäume, Käfer und Vogelspinnen riesig werden.

Ab 900 Meter, oben in den Las Nubes, in den Wolken, herrscht auch in der Trockenzeit im Februar oft

Nebel. Sind an der Küste an diesem Tag an die 33 Grad C, ist es hier mit 25 Grad angenehm frisch.

Da lässt es sich leben! Unzählige Kolibris und eine reiche, exotische Tierwelt fühlt sich hier ebenfalls wohl.

Die großen Bäume strecken die Kronen bis auf 40m, die kleineren darunter bis 20m, natürlich abhängig

von der Höhenlage.

 

An Vulkanhängen bilden Eichenwälder eine Ausnahme. Da sind Bäume mit 50 m keine Seltenheit -

zumindest waren es sie nicht. Schließlich erfordert es nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, was eine

gerade gewachsene, 50 m hohe und dicke Eiche wert ist.

1.6 Mangrovenwald

Da keine zusammenfassende Seite im Netz über die fünf - nicht miteinander verwandten - Mangrovenarten in Costa Rica im Netz zu finden war, wurde hier eine Seite erstellt - mit dem Wissen der Jungs vom Krokodilfluss Rio Tárcoles.

Ganz in der Nähe der Brücke, mit kleinem Fischerdorf Tárcoles, wo der Crocodile Man hoffentlich immer

noch am Leben ist, gibt es nur per Boot zu erreichende Mangrovenwälder. Es sind artenarme

Vegitationsformen der tropischen Regenwäldern oder tropischer Gezeitenwälder an den Küsten. Weltweit

werden sie abgeholzt und immer weniger. Dabei sind die hochspezialisierten, ans Salzwasser

angepassten Pflanzen wichtig, u. a. für die Fischpopulation.

 

Gerne wäre ja der Fotograf mal mit seiner alten Nikonos V da zwischen den Stelzwurzeln

entlanggeschnorchelt, aber die großen Beißerchen - 25 Exemplare pro Kilometer im Rio Tárcoles!

Die Mangrovenkanäle an der Mündung des Rio Tárcoles sehen nur auf den ersten Blick lebensfeindlich

und leer aus. Sie sind aber voller Leben. Schlammspringer, Einsiedlerkrebse, Winkerkrabben, zwischen

den Wurzel ganze Familien junger Fische, die hier Schutz suchen und Quallenarten, die nur zwischen den

Mangrovenwurzeln leben.

Derzeit sind 69 Arten Mangroven in 20 Familien beschrieben. Die sind aber ungleich auf der Welt verteilt:

Artenreich sind die "östlichen" (Indischer Ozean, Westpazifik), artenarm sind die "westliche" Mangroven

(Küsten des Atlantiks und amerikanische Pazifikküste). Warum? Unbekannt!

1.1 Tropische Waldformen in Costa Rica

 

Es geht hier mehr darum, anhand der Fotos zu zeigen, wie es in diesem schönen Land aussieht und was

einem auf einer Reise an exotischen Waldformen, Bäumen und sonstigen Pflanzen so alles

Staunenswerte vor die Linse kommen kann. Deswegen nur Stichpunkte zu den biologischen Begriffen. Mit

ihnen kann dann näherer Information aus dem Netz geholt werden.

 

Man wird erstaunt feststellen, wer alles von wem schamlos wortwörtlich abschreibt, Bilder und Layout

klaut. Aber das ist eine andere Geschichte - wie Kipling sagte.