I R A N
ab 1980
1964-1979

Tehran

Tehran 1977

Tehran

Tehran - keiner hier sagte das umständliche Te-he-ran - ist eine häßlicher und dreckiger Moloch. Aufgrund der Lage vor dem Gebirge im Norden der Stadt findet kein Luftaustausch statt. Genau wie in Ankara. Und wie dreckig die Luft ist, ist oben am schmutzigen Schnee zu erkennen. Das ist Smog!

 

Im Bild ist die Gegend um den Tadjrich zu sehen, im äußersten Norden Tehrans, wo die Luft nach am besten ist und die Häuser am teuersten sind.

Tehran 1977

"Du kannst dich in Tehran nie verlaufen", das waren 1970 die ersten Ratschläge in der Stadt, "Du siehst immer den Demawand". Der Berg dahinten im Elbursgebirge ist mit 5604 m der Höchste im Land. Ja, das stimmte damals, so wie hier auf dem Bild ungefähr von der Jordan Street mit Blick nach Nordosten.

 

Schon 1977 war der Berg nur noch an ca. 20 Tagen im Jahr zu sehen, 1980 nur noch an 5 Tagen. Smog verdeckt ihn. Das Gebirge im Norden der Stadt, die zwischen 1100 und 1400 hoch liegt, verhindern einen Luftaustausch und machen Tehran ebenso wie Ankara zu einer der schmutzigsten Städte der Welt.

 

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Sehenswürdigkeiten

Teppichwäscherei, Tehran 1970

Auf der Durchreise nach Afghanistan wurde 1970 bei einer anderen Truppe der Firma halt gemacht. Auf die Frage, was man sich denn unbedingt hier ansehen müsse, fiel denen nur eine Teppichwäscherei im Süden der Stadt ein - wo keine Teppiche mehr gewaschen wurden.

 

So kam es dann auch, das in keiner Ecke der Welt so wenig vom Autor in einer Stadt fotografiert wurde, auch nicht, als er Jahre später beinahe drei Jahre hier lebte und die Revolution abreiten musst.

Azadi-Monument, Tehran 1970

Shah Reza Pahlavi ließ das Azadi- (Freiheits-)Monument, heute Museum, nahe dem Flughafen zur 2500-Jahre-Feier Persiens errichten. Es war pünktlich im Oktober 1971 fertig. Komisch, später in den fast 3 Jahren, ist man nicht auf die Idee gekommen, das Ding mal aufzunehmen. Die Abneigung gegen die Stadt muss tief gesessen habe. Lag wohl am Verkehr.

Verkehr

Miniröcke waren gerade modern. Tradition neben Moderne. Bis zum Umsturz waren dann alle Schleier aus dem Straßenbild zumindest der Innenstadt endgültig verschwunden.

Nicht schön, aber anschaulich (1978).

Wer dachte, er hat schon einmal Autoverkehr erlebt, der sollte mal in Tehran fahren - und anschließend den Verkehr in Paris zur Erholung genießen. Einen Kilometer in der Stunde um den Großen Basar zu Feierabend herum, war schon schnell auf dem Heimweg zum Tadjrich hoch. Und das ein Jahr lang.

Perser sind die höflichsten Menschen der Welt

Aber nicht, wenn sie hinter dem Steuer sitzen.

 

Wenn sich zwei Perser an der Tür treffen, kann es schon bis zum Nachmittag dauern, bis sie durch sind. Keiner geht zu erst. Bebachsched, schomor. Sie zu erst! Nein Sie! Ein Witz geht so: Mutter, schon im 11. Monat schwanger. Arzt schaut nach: Männliche Zwilling, die sich jeweils den Vortritt lassen wollen!

 

Ganz anders im Auto. Ab 5 cm weiter vorne wird abgedrängt. Ich zu erst, bin Tehrani! Man kann unmögliche Dinge erleben. Jeweils 3 Spuren pro Richtung, jeweils voll. Es geht an einer Kreuzung nicht weiter. Einer macht eine 4. Spur auf und alle fahren hinter her. Auf der anderen Seite auch. Dann wird die 5. und 6. aufgemacht. Jetzt stehen sich 6 Spuren gegenüber und nun kommt bis spät in die Nacht keiner mehr weiter.

 

Das man nach 22:00 Uhr von Kumpels, die schon länger da waren ,angebrüllt wurde, wenn man vor einer roten Ampel hält, ist fast normal. Wer dann grün hat, muss aufpassen.

Der Große Basar

Die Stadt hat, wie gesagt, enttäuschend wenige Höhepunkte. Am orientalischsten ist es noch im wahrscheinlich größten Basar der Welt. Unzählige Gassen und Gässchen verwirren den Orientierungssinn auf ungefähr 2 x 2 km. Wer denkt, er kenne einen Basar, weil er mal in Istanbul war, der irrt sich gewaltig. Hier gibt es keine Touristen und keine Anmache, nur Basaris und die haben das Wirtschaftsleben des Landes in der Hand hatten, zu mindestens unter dem Shah auch politisch mitzureden. Ohne sie ging gar nichts.

Alles gibt es hier, geordnet nach dem Basarprinzip: alle Papier- und Schreiwarenhändler, alle Handwerksbranchen usw. zusammen auf einen Haufen. Herrlich da durch zu schlendern - und wieder herauszufinden. Wer da keinen eingebauten Orientierungssinn hat, schafft es erst nach 2 Tagen.

Typischer Gang im Basar, Tehran 1978

Schmiede im Basar, Tehran 1978

Prima essen konnte man in schummrigen Spelunken irgend wo über eine Hühnerleiter erreichbar im 1. Stock: Chelo Kebab Bach - schneeweißer Reis mit einer halben Zwiebel, Butter, Sabsi (Grünzeug) und eingelegtem Lammspieß, gegrillt, fantastisch! Die Nationalgerichte in aller bester Qualität.

 

Nur mit Asch, der Nationalsuppe, haben Europäer manchmal Probleme. So, wenn einem in den großen Essenskübel Ziegenaugen rollend aus den Tiefen der Suppe plötzlich anschaut. Es werden Köpfe ausgekocht.

 

Einkaufen machte Spaß. Man findet alles, wenn auch nach langem Fragen und suchen. Wenn die Händler dann merkten, man versucht in ihrer Sprache zu sprechen, gibt es unweigerlich Tee und lange Fragen. Und beim nächsten mal eine herzliche Begrüßung.

In jedem Basar des Landes wird gehämmert. Aus massiven Kupfer allerlei  (hier in Shiraz) zu Teller, Kannen Vasen und anderen  Gebrauchsgegenständen ausgeschmiedet. Sie werden verzinnt, denn Kupfervitriol ist giftig, und dienen oft als Essteller wie auf dem Bild einer zu sehen ist. Pyramiden aus Reis werden rauf geschüttet und auf den Boden in die Mitte des Zimmers hingestellt. Die linke Hand kommt auf den Rücken und mit der rechten Hand wird zugelangt.

Und hier noch zwei alles fressende Mitbewohner.

Der Kater war ein echter Müllkutenindianer. Der Rekord beim Streicheln lag bei einer Minute. Dann floß Blut.

 

Whisky II. hochintelegenter 90 %-Schäferhund - war in dem Straßengraben vor dem Haus in der Xiabane (Straße)Zaafranie geboren. Kater und Hund waren fast gleich groß als sie in die Holzhütte einzogen. Da blieben sie im Sommer wie im Winter.

 

Whisky i. gab es in Managua. Er war echter „Pastor aleman“..

 

Fortan waren sie unzertrennlich. Bei minus 30° C rollte sich der Kater zwischen den Pfoten des Hundes am Bauch ein.

 

Die Straßengräben nennen sich Djup. Sie werden nach einem uralten System, nach uraltem Recht zu bestimmten Zeiten bewässert.

 

Das hier oben im Norden am Tadjrich noch Kamelkarawanen vorbei kamen, ist nur ein mal in zwei Jahren gesehen worden. Das muss Freitags am Morgen ganz für gewesen sein. Wo sind die Autos?