Handbuch der Malediven

Handbuch der Malediven

Kapitel 1: An Land

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Abfall

Uferschutz

Weltweite Probleme

Luftverschmutzung

Tauchen

Korallen vor 1998

Umweltprobleme: Abfallbeseitigung auf den Malediven

Male. Die Aufnahme zeigt die Südseite der Hauptstadt aus exakt 9230 Meter Entfernung. Sie ist aus 3 Bildern mit Tele zusammengesetzt.

Mit der Eröffnung des Großflughafens im November 1981 begann der Tourismus auf den Malediven in großem Stil. Er brachte zumindest für 6 oder 10 maledivische Großfamilien Reichtum.

 

Ohne Rücksicht auf Verluste wurden immer mehr Inseln gnadenlos ausgebaut. In Umweltschutz wurde nicht viel oder gar nichts investiert und so würden auch ohne den El Niño von 1998 zumindest auf den Touristeninseln alle Korallen genau so abgestorben sein, wie sie es heute im gesamten Indopazifik sind.

Jetzt, da die Unterwasserwelt sowieso tot ist, wird überhaupt keine Rücksicht mehr genommen. Sollten Korallen, z. B. an weitentfernten Faros, eine Chance zum Wiedererstehen haben: an allen bewohnten Inseln der Malediven haben sie es garantiert in diesem Leben nicht. Der folgende Bericht wird es zeigen.

Mit dem Beginn des Massentourismus auf den Malediven begann ein Niedergang der herrlichen Natur unvorstellbaren Ausmaßes. Einiges an lokalen Sünden kann hier dokumentiert werden.

Hinzu kommen externe Umweltschäden wie die extreme Luftverschmutzung, die der Nordostpassat vom asiatischen Festland - vor allem aus China und Indien - heranbläst und die allgemeine Erwärmung der Weltmeere mit dem Extrem des El Niños von 1998, der das Korallensterben im gesamten südlichen Indopazifik auslöste.

Die Dunstglocke über dem indischen Ozean löst sich in den Wintermonaten seit 1996 nicht mehr auf. Sie ist als braune Schicht in 3000m Höhe beim Landeanflug gut zu sehen.

Beim Blick aus dem Fenster sieht es seitdem im Winterhalbjahr immer aus, als herrsche im ersehnten Zielgebiet schlechtes Wetter.

Unglaublich was auf einer Insel mit 300 Touristen und noch mal so viel Personal an Abfall pro Tag an Müll anfällt

Wo das Zeug hingefahren worden ist, war unmöglich heraus zubekommen. Unwahrscheinlich, dass es rund 80 km zur Müllanlage gefahren wurde. Dazu war der Sprit 2010 viel zu teuer...

Auf dem Grund zwischen den Touristeninseln müssen viele Millionen von Bierbüchsen und Tausende von Tonnen Abfall liegen. Erst in den 90ger Jahren gab es das erste Fassbier und Softdrinks kamen in Flaschen aus Male.

Der gesamte Abfall wurde mindestens 2 Jahrzehnte auf Boote verladen und einfach versenkt. Man kennt ja die Strömungen um seine Insel und kippte das Zeug so geschickt über Bord, dass es nicht an den eigenen Strand zurück kam. Sollte was die Nachbarinsel erreichen...

Als auf den Inseln noch platz war, wurde Müll an einer Ecke auch verbrannt - wenn der Wind günstig stand. Vor allem Plastik bereitete Probleme. Es ging im Wasser nicht unter und beim Verbrennen wurden die Palmen durch die freigesetzten Chemikalien wie Schwefelsäure usw. braun.

Die 2002 errichtete Müllverbrennungsanlage nordwestlich von Male

Das Müllproblem wurde so groß, dass die Regierung nordwestlich von Male eine Insel opferte und eine große Müllverbrennungsanlage errichten lies.

Die Aufnahme wurde am 24.12.2010 von Dagmar Biederer gemacht und hier zur Verfügung gestellt.

Thilafushi , "Die toxische Bombe im Indischen Ozean", in seiner ganzen Brutalität, 5,5 km Kurs NWW (277°) von Male entfernt. Der Link ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Die Lagune ist nie und nimmer 7 km lang, obwohl die Zahlen von Wikipedia stammen! Mit Google Earth ist leicht auszumessen, dass es nur 4630 Meter sind. Auch dass 400t täglich anfallender Müll dort auf 1 Kubikmeter komprimiert werden kann ist mehr als unwahrscheinlich. Hier wird noch recherchiert...

Wie der Müll von den Inseln dort hinkommt, ob die Anlage vorerst nur für die Hauptstadt arbeitet, war im Juni 2003 noch nicht zu erkennen.

Jedenfalls fahren kurz vor Sonnenuntergang die Müllboote nach wie vor zur nächsten für die Inseln günstigen Strömung und kippen zumindest die organischen Küchenabfälle hinein. Wogegen nichts zu sagen ist, wenn die Zusammensetzung stimmt.

Auf allen Inseln gibt es nette kleine Tierchen. die schon mal zu Schließen von ganzen Hotelinseln führen können. Wie Helingili 1989 im Nord - Male - Atoll. Eine findige Reiseleiterin verkaufte sie einmal gegenüber fragenden Urlaubsreisenden richtig originell als „Palmenhörnchen“.

Was ja auch fast richtig ist. Sie fressen in die Cocosnüsse kreisrunde Löcher und leben hier mehr davon als vom Abfall: Ratten. Sie gibt es überall in der Welt und hier sind sie eher harmlos. Ob es auf einer Insel Ratten gibt, ist an den kreisrund angefressenen und heruntergefallenen Cocosnüssen leicht zu erkennen.

Doch seit es hier Gastarbeiter - meist aus Bangladesch oder Nepal - gibt, ist die Insel schon gefegt, wenn der Urlauber aufsteht.

Müllboot mit Küchenabfällen kurz vor Sonnenuntergang, Embudu Juni 2003

Kann ja mal vorkommen. Die Reiseleiter verkaufen sie als "Palmenhörnchen". Der Name der Insel wird hier diskret verschwiegen

Update 2014

Das Umweltproblem wird immer größer auf den Malediven und auf der Müllinsel Thilafushi. Dort lagern jetzt 1000e Tonnen von Müll ungeschütz mitten im Meer. Ist die Müllinsel mit ihren rauchenden Verbrennungsschornsteinen auch von Embudu aus zu sehen, so dürfte das Süd-Male-Atoll von dem Dreck, der zweifelslos im Wasser nachweisbar ist, kaum was abbekommen. Alles wird sich schön um die Inseln im Nord-Male-Atoll verteilen.

Thilafushi liegt nämlich nördlich des Wadukanals. Der ist bis 300 m tief und es herrscht immer eine starke Strömung: die zirkumpolare Ost-West-Strömung. Die Malediver nennnen sie Wavoi.

Ausgelöst wurde diesers Update hier durch Beat Huggenberger aus der Schweiz. Er schickte ein Link zur Baseler "Tages Woche" und einem Artikel  (Markus Breulmann: Die Müllinsel) mit schlimmen Bildern, die hier nicht verwendet werden dürfen. Verlinken ist aber erlaubt.

Uferschutz

Sehen sie nicht herrlich aus, die Mauern aus einstmals wunderschönen Korallenbrocken? Ist es nicht komisch, dass die Natur Millionen Jahre ohne Mauern auskam und trotzdem Inseln entstehen konnten und der Sand dort blieb, wo er sein sollte?

Die Natur wusste sich anders zu helfen um die Insel vor Wellenschlag zu schützen. Es waren die Korallen an den Riffen, die Riffkronen, die mit ihren unzählbaren Verästelungen, Höhlen, Blöcken, Verzweigungen die Kraft der anrollenden Wellen brachen. Jetzt sind alle Korallen tot. Die kurzen harten Wellen fressen die Inseln auf. Wenn Seegang, Windrichtung und Flut ihre Kräfte addieren, bedeutet es höchste Gefahr. Auf manchen Inseln schwappte dann das Meer schon mal bis ins Zimmer (Bathala). Was können da ein paar Sandsäcke oder gar die Mauern ausrichten?

Hat nicht der Außenminister der Malediven auf der Umweltkonferenz 1990 in Rio in einer Brandrede davor gewarnt, dass die Malediven beim Abschmelzen der Polkappen untergehen würden? Derzeit sagt die Forschung mal wieder, an der einen Seite der Antarktis wird es kälter. Vielleicht ist jetzt die Gefahr, dass den Inseln der Sand weggespült wird, bei weitem größer als durch steigende Fluten unterzugehen.

Beide Bilder sind in Kuredu entstanden. Das große 1998 und rechts 2000, jeweils auf der Nordseite am Außenriff. Hier ist das Atoll zu Ende und die Wellen können richtig Anlauf nehmen. Sie zerstören die Mauern fast jedes Jahr. Die Mauern sind, wie gesagt, falsch gebaut. Die Flanke zur See hin hat einen viel zu steilen Winkel von ungefähr 75 Grad.

Übrigens: Erinnert sich jemand an die Karikaturen? Die Meeresoberfläche, aus der ein schwarzes Kreuz herausragte? „In Memoriam Malediven“ sollte es heißen. Ich fand es damals eigenartig, das Symbol eines Kreuzes für ein moslemisches Land zu wählen.

Die ersten Mauern sah ich auf Ellaidhoo 1995, also vor der Katastrophe. Auch sie waren jedes Jahr an anderer Stelle, manchmal direkt am Strand, errichtet. Die Mauern sind falsch gebaut. Jedes Kind an Nord- oder Ostseeküste weiß, dass ein Deich zur See hin flach sein muss. Die Welle muss auslaufen können. Der Deich soll nicht die Wucht aufnehmen, wie es die steilflankigen Mauern hier tun. Hoffentlich bleibt uns an den Inseln so eine Horrormauer, wie sie 2000 die Japaner an der Südseite von Male errichtet haben, erspart.

Ein Betonring für Male: 2001. Die Südküste der Hauptstadt Richtung, Vaadu-Kanal scheint jetzt dauerhaft gesichert zu sein. Wie es hieß, ist es ein Geschenk der Japaner. Sie buhlen ja mindestens seit 30 Jahren hier um Fischrechte.  So schön kann die Küste einer Tropeninsel aussehen!

Nach jedem nennenswerten Sturm oder nur aufgewühlter See durch kräftig wehenden Passatwind fallen die steilflankigen Mauern wieder ein. Kuredu, 1998

Weltweite Probleme

Schwerwiegende Umweltprobleme für die Malediven und für den gesamten Indischen Ozean bringen eine horrende Luftverschmutzung, abzulesen an der messbaren Erwärmung des Klimas und der Weltmeere. Beides stellen nicht nur diesen Weltteil vor ziemliche Probleme, für die die Malediven nur aus einem Grunde nichts kann: sie sind einfach zu klein. Prozentual und pro Kopf produzieren sie z. B. in Male nicht mehr oder nicht weniger Dreck als der große Nachbar Indien oder wir Europäer.

Luftverschmutzung

Über dem Indischen Ozean liegt in den Wintermonaten seit 1995/96 eine sichtbare braune Dreckwolke, die sich nicht mehr auflöst. Sie kommt von Indischen Subkontinet und wird von den Monsunwinden über dem Ozean oder dem Festland je nach Windrichtung hin und her geschoben. Diese Dreckwolke ist vom Flugzeug aus als brauner Dunst in 3000m Höhe gut zu sehen. Beim Landeanflug auf Male sieht es seit dem dunkel und nach schlechtem Wetter aus. Die Wolke ist so dicht, dass beim Sonnenuntergang keine Sonnenbrille mehr benötigt wird.

Noch schlimmer fällt der Dreck bei einem Flug nach Fernost auf. Auf der Route, die Bombay - Madras in 12.000 m nach Dakar oder Bangkok überfliegt, war bis ca. 1990 immer wunderschön die Bergkette des Himalayas und davor das Gangestal an kristallblauem, schon ins schwarze übergehenden Himmel zu erblicken. Heute schaut, wenn man viel Glück hat, der prägnante Gipfel des Mt. Everest aus brauner Suppe hervor. Nichts mehr mit gleißend blendenden Schnee am 1000 km entfernten Himalaja. Die Erde haben wir geschafft!

Was hier so schön aussieht ist die totale Luftverschmutzung im Indischen Ozean in den Wintermonaten auf den Malediven. Die Sonne steht noch hoch aber man kann mühelos reinsehen.

Ist der Sonnenuntergang so farbig, ist die Luft total verdreckt. Das Bild ist vom Jannuar 1996, Angaga. In diesem Jahr fing es an.

So sieht ein "normaler" Sonnenuntergang bei unverschmutzter Luft aus. Hier in Costa Rica, Jacó, Feb. 2003

Seit der Gründung des Umweltministeriums im Jahre 1988 hat sich einiges getan; so wurden u. a. 1989 ein Umwelt - Aktions - Plan ins Leben gerufen und gesetzliche Vorschriften zum Umweltschutz erarbeitet. So muß seit 1995 jede Touristen-Insel ihren eigenen Müllverbrennungsofen betreiben - deren „Unbedenklichkeit“ jedoch noch umstritten ist. 1994 hat die LTU in Zusammenarbeit mit BBC Wildlife und dem VDST erstmals eine Abfallsammelaktion auf den Malediven durchgeführt. Die Tauchbasen wurden motiviert, an Riffen und in Problemgebieten Müll zu sammeln und damit die korrekte Entsorgung zu ermöglichen. Eigentlich alles Selbstverständlichkeiten. Auch dass an vielen, häufig angefahrenen Anker - Tauchplätzen Bojen angebracht wurden, damit das Ankern zum Schutz der Korallen entfallen kann, ist doch wohl nicht der Rede wert.

Irgendwann fiel den Malediver auf, dass es kaum noch Meeresschildkröten (siehe dort) gab und plötzlich, 1995, sprachen alle über sie. Das Abschlachten der Meeresschildkröten hatte überhand genommen. Diese werden, wie überall auf der Welt, einfach auf den Rücken gelegt und bei lebendigem Leib mit einem Messer entlang des Bauchpanzers grausam aufgeschnitten.

Frisch geschlüpfte Schildkröten wurden in Käfige gesperrt und allen wurde ein Flug nach Deutschland versprochen, wer eine bestimmte Anzahl zu einer bestimmten Größe ins Meer entließ. So werden u.a. besondere Maßnahmen zum Schutz der getroffen. Auch auf den Malediven läuft jetzt eine landesweite Kampagne gegen das Artensterben. Viele Tauchbasen haben Initiativen zum Schutz der Schildkröten ins Leben gerufen, so werden die Eiablageplätze der Tiere geschützt, damit sie z.B. vor Vögeln und den Gezeiten sicher sind. Auf verschiedenen Touristeninseln werden die geschlüpften kleinen Schildkröten „adoptiert“ und erst ins Freiwasser gelassen, wenn sie stark genug zum Überleben sind.

Die Atolle, Inseln und Riffe wurden in Jahrtausenden von millimetergroßen Korallenpolypen durch deren Kalkabscheidungen „gebaut“. Manche Korallenarten „wachsen“ nur wenige Millimeter pro Jahr. Dennoch werden auch heute noch metergroße Stücke aus den Korallenbänken mit Brechstangen herausgebrochen, um Bootsdurchfahrten und Einstiege für Taucher zu schaffen. Die Lagunen und Seichtwasserzonen werden von allen größeren Korallenstöcken „gesäubert“, um den Touristen bessere Bademöglichkeiten zu verschaffen. Diese Korallenbänke schützten aber die Insel und die Lagune auf natürlichem Wege vor der Brandung des indischen Ozeans. Nun müssen vor vielen Hotelinseln künstliche Riffe als Wellenbrecher aufgetürmt werden. Das Baumaterial, natürlich wiederum Korallenblöcke, holt man sich dann einfach vor den meist unbewohnten Nachbarinseln!

Die allerschönsten Tauchplätze werden naturgemäß oft und von sehr vielen Tauchbooten besucht. Durch den Gebrauch von Ankern sind schon sehr viele dieser einmaligen Tauchplätze zerstört worden. Das Ankern von Tauchbooten hat in den letzten Jahren nachgelassen, kommt aber leider immer noch vor.

Tauchen

Tauchen und Umweltschutz - verträgt sich das? Der Tauchsport ist eine richtige Industrie, nicht nur auf den Malediven. Kuredu hat schon mal 25 Tauchlehrer wenn es hoch her geht. Und es geht immer hoch her. Tauchen ist teuer. Tauchen ist in. Deswegen?

Als die Korallen noch intakt waren, war Tauchen, z. B. um gute Fotos zu bekommen, hier nicht unbedingt nötig. 90% aller Lebewesen des Indischen Ozeans leben sowieso innerhalb den ersten 10 Metern. Der Rest kam früher oder später auch ins Riff.

Klar, dass das Schweben wie in Schwerelosigkeit eine riesige Erfahrung ist. Klar, dass es abends an der Bar nur so von ja so exotischen Worten wie Thillas, Jettis und ....... schwirrt - es ist ja auch nichts anderes mehr da. Was eine Gymnothorax javanicus ist, ist da schon weniger bekannt.

Viel Luft! Vielleicht sind Profis unten?

Hier soll auch nicht den unzähligen Ankerwürfen am Riff hinterhergeweint werden. Auch dem nicht, dass die riesigen Tischkorallen im Rasdookanal Neunzehnhundertleipzig von überbleiten Tauchern abgebrochen wurden.

Schlimm ist das Verhalten der tauchenden Modejuppis. Sie entwickeln sehr oft kein Verhältnis zum Medium tropisches Meer. Ein Taucher kleidet sich ja auch wie für den Ausflug in eine feindliche Welt. Sie fühlen sich nach 4 mal Kopf unter Wasser wie Vollprofis und latschen anschließend über das Riffdach.

Die Vorstellung, dass man in 3 Wochen Urlaub 80 Stunden im Wasser sein kann und dabei über 50 km (Daten aus einem Riffreport 1998 in Kuredu) mit Flossen, Schnorchel, Bleigurt und 2 Fotoapparaten schwimmt, halten selbst Tauchlehrer für abwegig. Das dabei mehr Fisch zu sehen ist und bessere Fotos möglich sind, als mit 5 blasenproduzierenden Kumpels an der Seite bei noch so vielen Tauchgängen, glaubt eh keiner.

OK, mag das Riff kaputt sein: aber latscht man da rüber, 20 Meter neben dem Ausstieg mit der roten Fahne auf Embudu am 16. Juni 2003 um 10:00 Uhr?

Dieser Tauchkurs hätte gereicht... (Die Quelle für die Zeichnung ist leider nicht zu ermitteln)

Zustand der Korallen vor dem Frühjahr 1998

Seit der Eröffnung des neuen Flughafens im Jahre 1981 wurden bis 2012 29 Reisen auf die Malediven unternommen. Am Beispiel von Kuramathi lässt sich der Niedergang so mancher Insel sehr gut beschreiben. Jeweil drei Wochen in den Jahren von 1981 - 1988, 1994 und 1999 wurde jede Veränderung wahrgenommen. Beim allerersten Blick auf die Riffe war klar: Nie wieder im Leben wird anderswo ein Urlaub gemacht, zumal sehr viele Länder und viele Sehenswürdigkeiten auf allen Kontinenten durch den Beruf besucht waren. Aber schon 1984/85 nahmen die Riffe Schaden auf dieser Insel. Das kleine Hausriff im Kanal vor der Bar war schon 1983/84 verschwunden und von Lederkorallen überwuchert, für den Autor die Totengräber eines Riffes – nichts ahnend, dass es noch viel schlimmer kommen sollte. Die 180 Arten Riffbewohner, die wir dort gezählt hatten, gab es nicht mehr.

Hatte die Insel 1981 nur ungefähr 40 Häuser, ist sie heute rundherum zugebaut. Da den neuen Touristen nicht mehr das Meer mit all den toten Korallen zuzumuten ist, wurde 1998 ein Swimmingpool mit Wasserfall gebaut! Den Tennisplatz gibt es schon seit Anfang der neunziger Jahre. Reist man deswegen auf ein Atoll mitten im Indischen Ozean? Verrückte, verkehrte Welt!

Leichtsinnig wurde mit der Umwelt auf den Malediven schon immer umgegangen. Früher fuhr kurz vor Sonnenuntergang das Müllboot ein Stück vor die Insel. Man kannte ja die Strömung und passte auf, dass der Dreck nicht an die eigenen Strände zurück kam. Mal wurde der Müll getrennt. Aber das Verbrennen der vielen Plastikflaschen führte zu braunen Pflanzen und Geruchsbelästigungen.

Auch die 1993 von der deutschen Fluggesellschaft LTU ins Leben gerufene Aktion, jedem Fluggast vom Bordpersonal beim Hinflug einen LTU - Ökobeutel mit einem Fassungsvermögen von 40 Litern auszuhändigen, war da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und ist kurz danach auch wieder eingestellt worden: auf dem Hinflug Weihnachten 1998 gab es ihn nur noch ohne jeden Hinweis auf Nachfrage.

Die meisten haben Müll von Anfang an wieder mit zurückgenommen. Das schwerwiegendste Problem, dass alles über und vor allem Unterwasser absterben lässt, ist das Abwasser. Dort, wo es eingeleitet wird sind alle Korallen an allen Inseln schon lange abgestorben. Die geborstene Abwasserleitung auf Kuredu konnte selbst durch die Organisation des schwedischen Management in den 3 Urlaubswochen nicht repariert werden, obwohl am ersten Tag darauf hingewiesen wurde. Der Dreck strich mitten über das Außenriff der Nordseite. Die Abwasserleitung von Anaga war viel zu kurz und hatte das Riff in einem Umkreis von 200 m total zerstört. Ellaidhoo, Bathala, Rangali - überall das Gleiche. Was wäre mit solarbetriebenen biologischen Klärtanks? Raffgier der wenigen Besitzerfamilien lässt ein Denken an die Umwelt nicht zu.

Aus einem so traumhaften Urlaub bringt der Tourist meistens auch ein kleines Souvenir mit nach Hause, wo es erst jahrelang verstaubt, um dann oft in der Mülltonne zu enden. „Souvenirs“, wie schwarze Korallen, Haifischgebisse, Schildpatt, Muscheln, getrocknete Kugelfische und Seepferdchen, werden auch heute noch angeboten und leider - trotz Artenschutzabkommen und Einfuhrverbot - auch gekauft. Inzwischen wurde auf den Malediven der KAUF und der VERKAUF von geschützten Korallen und Schildpatt endlich per Gesetz verboten. Nur wen kümmert das schon?

Die Verordnungen und Gesetze scheinen jedoch nicht auszureichen. Ständig müssen Tierschützer darauf achten und massiv auf Behörden und andere Menschen einwirken, dass achtsamer mit der Unterwasserwelt umgegangen wird. Erst im Sommer 1995 konnte durch das massive Engagement u.a. von Herwarth Voigtmann verhindert werden, dass die Napoleons zum Fang freigegeben wurden, obwohl Delikatessenhändler hierfür sehr viel Geld geboten hatten. Früher wurden lediglich Riffhaie gefangen, um aus deren Leber Öl zu gewinnen. Inzwischen geht der Haifischfang verstärkt und ungehindert weiter.

Für Haifischflossen und Trockenfisch werden Höchstpreise geboten. Manche Länder bezahlen Unsummen für Tiefseeleberöl, was dann hauptsächlich in der Kosmetik- und Pharmaindustrie verwendet wird. Um diesen Bedarf decken zu können, wurde auch rücksichtslos an typischen Tauchplätzen gefischt. Ein Konflikt zwischen den Fischern und der Tourismusindustrie war deshalb zu erwarten. Aus diesem Grunde erklärte das Ministerium für Tourismus 15 Tauchplätze zu Natur- und Wasserschutzgebieten, in denen u. a. das Fischen unter Strafandrohung verboten ist. Der Kampf gegen den Haifischfang außerhalb der geschützten Zonen läuft immer noch auf Hochtouren. Es scheint, dass jedweder Kampf, um irgend etwas zu erhalten, jetzt in 2012 komplett aufgegeben wurde. Es gibt keinen Fisch mehr für die Malediver.

Januar 1993. Der Jumbo flog in 12.000 m Höhe. Ein ansich klarer Wintertag auf dem Weg London nach Bangladesch. Bald würde die Küste Indiens erscheinen. Zwischenlandung in Bombay. Vorher und das schon seit den letzten 10 Jahren, verfärbt sich das Meer, mal grau, mal gelblich. Dabei fließt dort kein nennenswerter Fluss ins Meer. Es ist der Dreck der 8, 10 oder 12 Millionen Einwohner dieser unwahrscheinlichen Stadt, Abwässer, Chemiabfälle...

Auch der Anflug auf Karachi, Pakistan, sah seit 1970 noch nie anders aus.

Wie lange schafft der Indische Ozean mit all seinen empfindlichen Korallen das noch? Start in Bombay Richtung Osten. Der indische Subkontinent lag dann in seiner gesamten Breite unter einer häßlichen braunen Smogschicht. Die Zeiten, in denen man links sitzend die imposante Kette des Himalajas in voller Länge und in herrlichster kristallblauer Klarheit auf dieser Route sah, sind lange vorbei. Jetzt ragt kläglich der Mt. Everest aus dem braunen Dreck am Horizont hervor. Ausblick? Wohin?

(Anmerkung: Der Text stammt so von 1998. Schlimmeres steht im Vorwort)