Handbuch der Malediven

Fische der Malediven

Kapitel 2: Knochenfische

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Ordnung der Barschartigen -  Perciformes

Familie der Sägebarsche -  Serranidae

Juwelenbarsch. Größe: 25 cm, Tiefe: 5 m

Ein Drittel aller Fische gehören der Ordnung der Barschartigen an. Laut der Fischsystematik von Nelson (1984) gibt es von den Barschen über 7800 Arten in mehr als 150 Familien. Bei dieser Vielzahl bleibt nicht aus, dass laufend Änderungen erfolgen oder immer noch neue Arten entdeckt werden.

 

Natürlich ist es im Rahmen dieses Buches auch nicht annähernd möglich, die Barschartigen komplett abzuhandeln. Beschrieben werden nur Fische, die sich leicht am Riff beobachten lassen, denen wir überall im Urlaub auf den Malediven unter Wasser begegnen oder die Fischer des Morgens am Bootssteg der Hotelküche übergeben.

 

Die unterschiedlichsten Lebewesen gehören in diese Ordnung. Vom 7-8 Zentner schweren Zackenbarsch bis zum klitze kleinen Riffbarsch, vom hübschen Falterfisch bis zum riesigen Schwertfisch reicht die Palette. Was sie gemeinsam haben? Rücken-, After- und Bauchflossen gleicher Bauart wie sie in der Abbildung unten dargestellt sind. So haben z.B. die Bauchflossen der Barschartigen einen Stachel mit 5 oder mehr Strahlen und die Schwanzflossen haben 17 oder mehr Hauptstrahlen um hier nur einige Merkmale zu nennen. Nach all diesen Unterschieden werden die Barschartigen von den Ichthyologen in die verschiedenen Familien, Gattungen und Arten eingeteilt.

Die Flossenbezeichnungen der Barschartigen

Familie der Sägebarsche -  Serranidae

Die Familie der Sägebarsche (Serranidae) gliedert sich wie folgt:

Familie Sägebarsche - Serranidae über 500 Arten

Unterfamilie Fahnenbarsche - Anthiinae

Unterfamilie Zackenbarsche - Epinephelinae

Unterfamilie Seifenbarsche - Grammisidae

Die Unterschiede in dieser großen Familie sind gewaltig. Sie reicht von den kaum 10 cm großen Fahnenbarsch bis zum 2,7 m langen und 400 kg schweren Epinephelus lanceolatus . Alle Arten dieser Familie sind Räuber.

Fahnenbarsche oder Anthiasbarsche lassen sich in wiederum drei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe dieser Unterfamilie sind kleine, Plankton fressende Fische, die in Schulen an den Korallenriffen leben. Sie stehen in farbenprächtigen Wolken an exponierten Stellen vor dem Riff. Dort, wo eine Strömung nahrungsreiches Wasser aus der Tiefe empor bringt, kann man die kleinen hübschen Fische auch relativ weit oben am Riff antreffen. Sie sind es, die wir hier doch recht häufig sehen, wie z. B. den  Anthias squamipinnis .

 

Jede dieser kleinen Schulen hat einige kräftige, anders gefärbte Männchen und viele gleichgefärbete Weibchen und Jungtiere. So ein größeres Männchen organisiert ein Zusammenleben mit einigen Weibchen wie in einem Harem. Wird es weggefangen, wandelt sich das größere Weibchen um zu einem Männchen und es kann innerhalb von zwei Wochen andere Weibchen befruchten. Es sind so genannte pyrogene Zwitter. Die zweite Gruppe ist größer und lebt in 50-100 m Tiefe zwar ebenfalls von Plankton, sind aber meist keine protogyne Zwitter. Sie werden hier nicht weiter erwähnt. Genau wie die dritte Gruppe, die einzeln die Meere durchstreifen und von kleinen Fischen und beniesten Krustentieren leben. Sie wandeln ihr Geschlecht nicht.

 

Zackenbarsche leben in allen tropischen Meeren. Einige wenige Arten kommen auch in subtropischen Meeren vor. Sie sind überall am Riff zu sehen. Auf ihren Brustflossen "stehen" die mittelgroßen Arten versteckt zwischen den Korallen regelrecht auf der Lauer und warten auf einen arglosen kleinen Fisch, den sie blitzschnell zustoßend erbeuten. Diese Fische sind oft farbenprächtig, so das der Name des knallroten Juwelen-Barsches durchaus zu recht besteht. Die großen Arten unter ihnen haben eine überdimensionierte Schwanzflossen, die für einige Stöße gewaltige Antriebskräfte erzeugen kann, ebenfalls geeignet zum blitzschnellen zustoßen. Einige zeigen zumindest in der Jugend noch schöne Farben, verblassen aber zu unscheinbarem Grau mit vielen Turnfesten. Der Lebensraum der Zackenbarsche erstreckt sich von den flachen Gewässer der Lagunen und Küsten bis hinunter in mittlere Tiefen; einige bis in 200 m. Sie leben meist alleine, jagen Fische und große Krebse. All die Räuber sind gute Speisefische und haben durchaus kommerzielle Bedeutung.

 

Das Unterscheiden der Geschlechter gestaltet sich einigermaßen schwierig, da auch viele Zackenbarsche zwittrig sind. Die Arten der auf den Malediven so weit verbreiteten Cephalopholis argus z. B., der Pfauenaugenbarsche, werden als weibliche Tiere geboren, die sich erst später in ihrem Leben zu männlichen Tieren umwandeln. Aber noch verwirrender sind die Gattungen Hypoplectrus und Serranus. Hier ist ein Tier Männchen und Weibchen zugleich und in Gefangenschaft sind sogar Selbstbefruchtungen beobachtet worden. Wie auch immer: Die Eier der Zackenbarsche werden ins freie Wasser abgelaicht und treiben ohne Eigenbewegung dahin, sind also pelagisch.

 

Sägebarsch der Unterfamilie Serraninae seien hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Meist leben sie in Tiefen um die 200 m und wir bekommen sie nicht zu Gesicht. In älterer Literatur werden hier auch noch die Seifenbarsche Grammistidae geführt. Hier werden sie jedoch als normale, eigenständige Familie abgehandelt.