Handbuch der Malediven

Fische der Malediven

Kapitel 2: Knochenfische

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Ordnung der Barschartigen -  Perciformes
Büschelbarsche  -  Cirrhitidae

Familie: Büschelbarsche -  Cirrhitidae

Weltweit 9 Gattungen mit 32 Arten. Hier dargestelt: 3 Arten mit 22 Bildern. 87 Bilder im Archiv.

Größe: 10 cm, Tiefe: 1 m     Angaga, Ari-Atoll, 1996

Oben: Schwarzhüft-Büschelbarsch  Paracirrhites forster

Links: Monokel-Büschelbarsch  Paracirrhites arcatus

Größe: 8 cm, Tiefe: 2 m

 Meedhuffushi, Süd-Nilandu-Atoll, 1999

Büschelbarsche Cirrhitidae

Die Büschelbarsche haben ihren Namen von Haarbüscheln (Cirren) am Nasenrand und am Ende der Rückenflossenstrahlen. Die Cirren sind oft so fein, dass sie mit dem bloßen Auge bei frei lebenden Tieren nur schwer auszumachen sind. Die ersten 5 - 7 Strahlen der Brustflossen sind lang und dick. Büschelbarsche haben keine Schwimmblasen und sind deshalb schlechte Schwimmer. Sie legen sich auf kleine lebende Korallen nach echter Barschmanier auf die Lauer und klammern sich mit ihren verlängerten und starken Brustflossen regelrecht fest. Daher werden sie auch Korallenwächter genannt. So warten sie gut getarnt auf kleine Fische und Krebstiere. Kommen diese in der richtigen Entfernung an ihnen vorbeigeschwommen, stoßen sie, wie es sich für einen richtigen Barsch gehört, blitzschnell zu.

Die Familie der Büschelbarsche wird in 9 Gattungen mit 32 Arten unterteilt. Die Fische sind klein bis mittelgroß und die meisten leben im flachen Wasser am Riff. Die wir hier sehen, werden kaum größer als 15 selten 30 cm. Sie leben in Tiefen zwischen dem Korallendach und 40 m.

Büschelbarsche sind fast alle protogyne Zwitter, d. h. das feminine Tiere sich in maskulin umwandeln können. Obwohl sie am Riff immer nur alleine auf der Lauer liegen, sollen sie im Harem leben. Stirbt das Männchen, wandelt sich das stärkste Weibchen zum Haremschef um. Die Büschelbarsche beanspruchen ein eigenes Territorium am Riff von dessen Größe es abhängt, ob sie zwei oder bis zu sieben Weibchen im Harem haben. Geschlechtsunterschiede sind allenfalls an der Größe, nicht aber an der Färbung zu erkennen.

Wie viele bodengebundene Fische, die eine weite Verbreitung haben, balzen und laichen sie in der Dämmerung ab. Beide schwimmen in einem Bogen zur Wasseroberfläche und geben dort Eier und Sperma ab, die dann mit der Strömung davon treiben. Wenn die pelagische Phase des sich entwickelnden Lebens lange andauert  -  und so scheint es bei den Büschelbarschen zu sein  -  können weite Stecken zurückgelegt werden und für eine optimale Verbreitung dieser Ortstreu am Boden lebenden Fische sorgen.

Bei den drei hier gezeigten Arten ist der Schwarzhüft-Büschelbarsch bei weitem der häufigste. Den Monokel-Büschelbarsch muss man schon gezielter im Korallengewirr suchen und den Marmorierten-Büschelbarsch findet man nach eigenen Beobachtungen nur an strömungsreichen Außenriffen in der Brandungszone.

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Fam Büschelbarsche Cirrhitidae Cirrhitidae

Gat. Cirrhitus Cirrhitus Cirrhitus . . .

Art Marmorierter Büschelbarsch Cirrhitus pinnulatus Marbled hawkfish Empervier de corail Isogonbe Gaa boa

Gat. Paracirrhites Paracirrhites Paracirrhites . . .

Art Monokel-Büschelbarsch Paracirrhites arcatus Arc-eye hawkfish Empervier Sabot de cheval Megane-gonbe Gaa boa

Art Schwarzhüft-Büschelbarsch Paracirrhites forsteri Blackside hawkfish Empervier à bande noire Hoshi-gonbe Gaa boa

Identifikationshilfe

Marmorierter Büschelbarsch

Cirrhitus pinnulatus

Monokel-Büschelbarsch

Paracirrhites arcatus

Schwarzhüft-Büschelbarsch

Paracirrhites forsteri

Marmorierter Büschelbarsch  Cirrhitus pinnulatus  (Forster, 1801)

E: Marbled hawkfish, F: Empervier de corail, J: Isogonbe, D: Gaa boa

Größe: 10 cm, Tiefe: 2 m                 Dhigufinolhu, Süd-Male-Atoll, 1990

Marmorierter Büschelbarsch  Cirrhitus pinnulatus (Schneider, 1801)

Eigentlich ist es erstaunlich, einen Fisch, dessen Schwimmblase sich zurückgebildet hat und der sich auf Korallen oder sonstige Unterlage auf die Lauer legt, in der bewegtesten Brandungszone kurz vor den Riffdach des Außenriffes anzutreffen.

Die auf- und ablaufenden Wellen schleudern alles umher: Nur die Marmorierten Büschelbarsche halten sich mühelos mit ihren starken Brustflossen fest und schnappen sich die unkontrolliert hin und her geworfenen kleinen Fische und Garnelen aus dem vorbeiströmenden Wasser heraus. Hier hat sich ein Spezialist eine Nahrungsnische erobert, in der er ohne Kongruenz sein Auskommen hat.

Ihr Körper ist braun und mit drei Reihen unregelmäßiger, weißer Flecke überzogen. Das größte bekannte Exemplar maß 28 cm. Ihr Lebensraum sind die ersten 3 m am Riff.

Vorkommen: Weitverbreitet im Indopazifik.

Größe: 15 cm, Tiefe: 3 m (am Außenriff)         Ari-Beach, Ari-Atoll, 1992

Wenn sie nichts sehen, sehen sie richtig. Dann funktioniert die Tarnung perfekt.

Monokel-Büschelbarsch  Paracirrhites arcatus (Cuvier, 1829)

E: Arc-eye hawkfish, F: Empervier Sabot de cheval, J: Megane-gonbe, D: Gaa boa

Größe: 12 cm, Tiefe: 1 m                 Ari-Beach, Ari-Atoll, 1992

Monokel-Büschelbarsch  Paracirrhites arcatus (Cuvier, 1829)

Größe: 8 cm, Tiefe: 2 m                           Ari-Beach, Ari-Atoll, 1992

Es ist schon erstaunlich, wie dieser junge, ungefähr 8 cm lange Monokel-Büschelbarsch  Paracirrhites arcatus sein Maul so weit aufreißen kann. Es gibt genug kleine Lebewesen am Riff, die darin verschwinden können.

Größe: 12 cm, Tiefe: 1 m

Ari-Beach, Ari-Atoll, 1992

Größe: 8 cm, Tiefe: 2 m   

Ari-Beach, Ari-Atoll, 1992

Auch der durch seine Zeichnung an den Augen so auffallende Monokel-Büschelbarsch lebt erstaunlicher Weise in den bewegten Wassern am Außenriff. Allerdings in den nicht gar so strömungsreichen, flachen Gebiet vor dem Riffdach wie der Marmorierte Büschelbarsch, sondern in 2 - 3 m tiefem Wasser kurz davor.

Ihn muss man in dem Durcheinander am Riff schon aufmerksam suchen, weil er nicht gar so häufig wie der Schwarzhüft-Büschelbarsch ist. Trotzdem ist er an jeder Insel zuhause. Man muss nur das markante Monokel such, was sich schwierig gestaltet, weil es kleiner als ein Pfennigstück ist. Deutlich sind die beiden orangefarbenen Cirren unter den Augen zu sehen.

Diese Art erreicht eine Körperlänge von 14 cm.

Vorkommen: Im südlichen Teil des Indischen Ozeans, um die Malediven und um Sri Lanka.

Größe: 8 cm, Tiefe: 2 m               Kuredu, Faddhippolhu-Atoll,  1998

Der Fisch dürfte als Beute doch etwas zu groß sein

Schwarzhüft-Büschelbarsch  Paracirrhites forsteri (Schneider, 1801)

E: Blackside hawkfish, F: Epervier à bande noire, J: Hoshi-gonbe, D: Gaa boa

Größe: 15 cm, Tiefe: 2 m                         Eriyadu, Nord-Male-Atoll, 1989

Schwarzhüft-Büschelbarsch  Paracirrhites forsteri   (Schneider, 1801)

Größe: 15 cm, Tiefe: 2 m                             Bathala, Ari-Atoll, 1991

Farbvarianten der Schwarzhüft-Büschelbarsche

Fischbestimmungsbücher sind ja gut und meist ist es ja richtig, was darin steht - wenn sie frisch auf dem Markt gekommen sind. Aber einen Nachteil hat das Medium Buch immer. Egal wie variantenreich ein Fisch ist, es gibt immer nur Platz für ein oder zwei Bilder pro Art.

Hier sind die Varianten dieser Art aufgeführt, die in all den Jahren nur auf den Malediven vor die Linse geschwommen sind. Sortiert von heller nach dunkler Färbung, von jungen nach erwachsenen Fischen. In anderen Meeresteilen sind sie auch rot.

Der Schwarzhüft-Büschelbarsch ist, wie alle Vertreter dieser Familie, ein schlechter Schwimmer da ihm die Schwimmblase fehlt.

Er zeigt ein starkes Territorialverhalten und verteidigt sein Revier aggressiv gegenüber seinen Artgenossen. Wie Sommersprossen zieren dunkelrote Punkte seinen Kopf. Deswegen hat er im Englischen manchmal auch den treffenden Namen „Sommersprossen-Korallenwächterbarsch“.

Ein orangebrauner Streifen beginnt am Kopf und zieht sich über die Seiten und wird im letzten Drittel schwarz.

Auf starken Brustflossen steht er förmlich auf den Korallen dicht unter der Wasseroberfläche oder am Boden im flachen Wasser.

Dort lauert kleinen Fischen, Garnelen und Krebsen auf, die er nach Barschart durch blitzschnelles Zustoßen erobert.

Größe: 15 cm, Tiefe: 2 m                    Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Dieser Korallenwächter wird bis 22 cm groß und ist schon in 40 m Tiefe gesehen worden.

Größe: ca.7 cm, Tiefe: 1 m                     Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Es ist die im Indopazifik häufigste Art und an den Riffen der Malediven alle paar Meter zu sehen.

Vorkommen: Weitverbreitet im Indopazifik, Rotes Meer.

...aber hier verläuft sie bogenförmig...

Hat der Rücken auf dem Bild oben noch einen breiten weißen Streifen, ist er auf dem Bild links kaum noch vorhanden. Die Trennung hell/dunkel verläuft gerade....

G röße: 15 cm, Tiefe: 2 m                      Ari-Beach, Ari-Atoll, 1992

...und hier ist sie verwischt.

Größe: 15 cm, Tiefe: 2 m                    Ari-Beach, Ari-Atoll, 1992

Das scheint die Färbung der ausgewachsenen Fische zu sein.

Größe: 15 cm, Tiefe: 2 m                         Vilamendhoo, Ari-Atoll, 2010

Mit seinen Brustflossen "krallt" er sich in die Poren der Koralle fest.

Größe: 15 cm, Tiefe: 2 m                     Vilamendhoo, Ari-Atoll, 1997

Angeknappert! Auch Räuber werden gefressen. Die Nacht dürfte er nicht überlebt haben. Für Muränen ist der Geruch von frischem Fleisch unwiderstehlich...

Größe: 12 cm, Tiefe: 1 m              Vilamendhoo, Ari-Atoll, 2010

Größe: ca. 8 cm, Tiefe: 1 m                                                                  Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1994

Man muss ja schließlich sehen was so los ist am Riff..