Handbuch der Malediven

Fische der Malediven

Kapitel 2: Knochenfische

Seite

von 72

55

Ordnung der Barschartigen -  Perciformes

Familie Grundeln -  Gobiidae

Weltweit: 1534 Arten, hier beschrieben: 7 Arten mit 16 Fotos, im Archiv: 84 Fotos

Größe: ca. 4 - 8 cm, Tiefe: 2 m              Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Eine Familie der Sechspunkt-Schläfergrundeln beim Ausflug des Nachwuchses vor die Wohnhöhle

Grundeln Gobiidae

In der Familie der Grundeln waren Mitte der Achziger ca. 2000 Arten in ungefähr 220 Gattungen verzeichnet und immer kamenneu entdeckte Arten hinzu. Durch moderne polygenetische Untersuchungsmethoden hat sich aber die Zahl, zumindest bei Fishbase, auf derzeit 1534 Arten reduziert.

Natürlich ist die Klassifizierung bei diesem Artenreichtum sehr schwierig, denn ein Standardwerk, das all die kleinen Tiere abbildet und beschreibt, fehlt. Die meisten Arten sind kleiner als 10 cm, nur eine Grundelart erreicht eine Größe von 50 cm.

Zu den Grundeln gehört auch das kleinste bekannte Wirbeltier. Nur 8 mm wird die  Trimmatom nanus aus dem Chagos Archipel im Indischen Ozean groß! Grundeln haben, wie viele bodenlebende Fische, keine Schwimmblase ausgebildet, so dass sie schnell wieder zum Boden absinken und keine Energie aufbringen müssen, um am Boden zu bleiben.

Einige haben eine Saugscheibe aus den beiden Bauchflossen unter der Brust entwickelt. Ein gutes Erkennungszeichen sind die meist zweigeteilten Rückenflossen. Damit lassen sie sich gut von den anderen kleinen bodenbewohnende Fischen, wie zum Beispiel den Schleimfischen ( Blennidae ), unterscheiden. Aber dazu muss man die Fisch erst fangen.

Die erste Rückenflosse hat zwischen 0 - 17 flexible und die zweite zwischen 5 und 37 segmentartige Strahlen. Viele Sonderformen haben sich entwickelt. Manche leben wie die Schlammspringer und die Glotzaugen  Boleophthalmus  amphibisch in Mangrovensümpfen im Brackwasser, während sich andere Arten sogar auf das Leben im Süßwasser von Flußmündungen eingerichtet haben. Grundeln haben sich von den tropischen Meeren bis zu den Polarkreisen fast jeden Untergrund erobert. Sie sind über Schlamm- und Sandböden, an Felsen, ja sogar an oder in lebenden Organismen wie Schwämmen und Korallen zu finden.

Bei den tropischen und riffgebundenen Arten lässt sich äußerlich das Geschlecht farblich normalerweise nicht unterscheiden. Allerdings bekommen die männlichen Grundeln zu Beginn der Balz kräftigere Farben. Das Geschlecht ist bei den meisten Grundelarten von Anfang an vorgegeben. Es gibt aber auch harembildende Arten bei denen das größte Tier zum Männchen wird. Den Männchen unterliegt auch die Brutpflege.

Die Eigelege werden am Boden an Korallengeröll, leeren Muschelschalen oder sonst einem vorher sorgfältig gereinigten Gegenständen abgelegt. Es kann 10 oder aber auch mehr als 100.000 Eier beinhalten. Grundeln laichen 2 - 3mal die Woche und die Larven schlüpfen nach 5 - 6 Tagen und nur wenige Stunden später beginnen diese zu fressen. Das alles weiß man nur von wenigen Arten, die noch dazu wahrscheinlich im Aquarium beobachtet wurden. Die Lebenserwartung wird auf ein bis zwei Jahre geschätzt. Auch bei den Grundeln sind, wie bei den Clownfischen und den Anemonen schon beschrieben, Symbiosen zu üblich, Lebensgemeinschaften, bei denen jeder Partner vom anderen einen Nutzen hat. Im Gegensatz dazu stehen Karposen, bei denen ein Partner einseitig Vorteil aus dem Zusammenleben zieht.

Einige Grundelarten leben mit Knallkrebsen, auch Pistolenkrebse genannt, zusammen in einer Wohnröhre und zwar immer pärchenweise. Die Knallkrebse sind blind. Sie kommen nur aus der Wohnröhre heraus, um den Sand, den sie unentwegt herausbaggern, kurz vor der Öffnung abzuladen. Sie entfernen sich nie weiter als ein Körperlänge vom Höhlenausgang und halten mit ihren Fühlern dabei ständig Kontakt zu den Wache stehenden Grundel.

Größe: ca. 4 - 8 cm, Tiefe: 2 m                 Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Die Familien der Sechspunkt-Schläfergrundeln können ganz schön viele Mitglieder haben.

Die Grundeln können offensichtlich ihren Mitbewohnern mindestens zwei Signale übermitteln: „Gefahr“ und „keine Gefahr“. Nie sind beide Grundeln gleichzeitig draußen, aber immer stehen beide Grundeln vor dem Eingang, der meist unter einer kleinen Platte oder unter einem Stück abgestorbener Koralle angelegt ist um all zuviel nachrutschenden Sand zu verhindern. Droht Gefahr, teilt es die Grundel, die Kontakt mit dem kleinen Krebs hat, es diesem mit.

Der Krebs verschwindet als erster blitzschnell rückwärts in der Höhle. Erst dann folgen die beiden Grundeln. Ahnt man beim Krebs noch, dass er sich eigentlich nach typischer Krebsmanier mit kräftigem Schwanzschlag nur rückwärts in seine Trutzburg entfernt haben kann, so ist das bei den Grundeln beim besten Willen nicht mit den Augen zu verfolgen.

Sand stiebt auf und weg sind sie. Langsam rieselt der Eingang zu und wenig später deutet nichts mehr darauf hin, dass hier eben drei Tiere waren. Es dauert lange und stellt die Geduld auf eine harte Probe bei all dem bunten Leben rund herum, bis eine Grundel wieder den Kopf durch den Sand schiebt und die Lage sondiert. Eine viertel Stunde war vergangen. Aber dann schob der kleine Krebs mit angewinkelten Scheren wie ein Bulldozer wieder Sand aus der Höhle. Kaum war er verschwunden, erschien er schon wieder, dieses Mal mit einem Stück Muschelschale in der Schere. Oder war es sein Partner?

Die Wohngänge verlaufen 10 cm tief parallel zur Oberfläche des Bodens und sind ca. 70 cm lang. Sie gabeln sich und es könnte sein, dass jeder der vier Bewohner seinen eignen Gang hat. Grundeln und Krebse sind tagaktive Tiere. Ungefähr 20 min. nach Sonnenuntergang lassen sie ihren Eingang zurieseln. Trotzdem sind die Rotfeuerfische ihre ärgsten Feinde.

Die Krebse ernähren sich von den organischen Substanzen, die sie im Sand beim Graben finden. Die Grundeln jagen in der Nähe ihrer Behausung alle kleinen Lebewesen.

In Büchern wurden Pfeilgrundeln mal als eigene Familie  Microdesmidae mit den Unterfamilien  Microdesminae , den Wurmgrundeln und den  Ptereleotrinae , den Schwertgrundeln beschrieben. In anderen Büchern (z. B. Smiths‘ Sea Fishes) stehen alle Gattungen der Grundeln und der Pfeilgrundeln einfach alphabetisch hintereinander.

Deutsch Latein Englisch Französisch Japanisch Dhiveli

Fam. Grundeln Gobiidae Gobies

Gat. Amblyeleotris Amblyeleotris

Art Steinitz-Partnergrundel Amblyeleotris steinitzi Steinitz' prawn-goby Gobie Hime-datehaze Funna

Gat. Amblygobius

Art Bindengrundel Amblygobius semicinctus Half-barred goby Gobie ? ?

Gat . Ctenogobiops Ctenogobiops

Art Gepunktete Partnergrundel Cirripectes stigmaticus Sandy prawn-goby Gobie ? Funna

Gat. Valenciennea

Art Sechspunkt-Schläfergrundel Valenciennea sexguttata Sixspot goby Gobie à six taches Mizutamahaze Funna

Art Goldkopf-Schläfergrundel Valenciennea strigata Blueband goby Gobie Akahachihaze Funna

Familie: Grundeln -  Gobiidae

Steinitz-Partnergrundel Amblyeleotris steinitzi (Klausewitz, 1974)

E: Amblyeleotris steinitzi, F: Gobie, J: Hime-datehaze, D: Funna

Größe: ca.4 cm, Tiefe: 1 m                 Kuredu, Faddhippolhu-Atoll, 1998

Steinitz-Partnergrundel Amblyeleotris steinitzi (Klausewitz, 1974)

Größe: 5 cm, Tiefe: <1 m

Dhigufinolhu,Süd-Male-Atoll, 1990

Zugegeben, es sind nicht gerade gute Bilder, aber die einzigen. Mit dem analogen UW-Foto-Zeug war es schwer 4 cm große Fische zu fotografieren, die Entfernung zu schätzen (NikonosV). Jetzt mit der Canon G9 ein Kinderspiel. Pech nur, das gerade die kleinen Fische zwischenzeitlich am Aussterben sind. Diese Art steht jedes Jahr auf der Liste um geknipst zu werden. Sie waren aber auf den Malediven nicht mehr zu sehen.

Schwierig zu sagen ob die Identifizierung hier stimmt. Wenn ja, sind diese Partnergrundel immer mit der Pistolengarnele Alpheus djeddensis vergesellschaftet.

Diese Art wird nur 8 cm lang und lebt an Riffabhängen bis zu 30 m Tiefe.

Vorkommen: Gesamter Indik und im Roten Meer.

Bindengrundel  Amblygobius semicinctus (Bennett, 1833)

E: Half-barred goby , F: Gobie, J: ?, D: Funna

Größe: ca.10 cm, Tiefe: 1 m                              Ellaidhoo, Ari-Atoll, 1994

Bindengrundel Amblygobius semicinctus (Bennett, 1833)

Größe: ca.10 cm, Tiefe: 1 m                              Ellaidhoo, Ari-Atoll, 1993

Erstaunlicher Weise war dieses hier fotografierte Paar nicht scheu. Ein Grund dafür könnte sein, dass neben der Höhle ein beliebter Übergang über das Riff war und viele Füße den Boden aufwühlten. Vielleicht kamen diese Grundeln so bequem an von den Menschen aufgewirbelte kleine Beutetiere. Des Weiteren gehören noch Algen zur Nahrung für diese maximal 10 - 12 cm groß werdende, hübsche Art. Sie leben in ruhigen Lagunen auf sandigen und auf mit Korallengeröll bedeckten Böden.

Der folgende Text enstand so 1992: Da hat man nun alle verfügbaren Bücher voll mit vielen Fotos von Grundel und wie das so ist, genau die oben abgebildete Art ist nicht zu finden. So geht es mir mit vielen Fischen und Korallen. Nur langsam finden die oft besser gelungenen Fotos so mancher Sporttaucher Eingang in die seriöse wissenschaftliche Literatur. Die Malediven lagen eben doch zu lange abseits einer jeden Forschung.

Jetzt, 2008, hat sich das Problem von alleine gelöst: Es gibt sie nicht mehr.

Vorkommen: Indischer Ozean .

Größe: ca.10 cm, Tiefe: 1 m                              Ari-Beach, Ari-Atoll, 1992

Gepunktete Partnergrundel Ctenogobiops feroculus
Lubbock & Polunin, 1977

E: Sandy prawn-goby , F: Gobie, J: ?, D: Funna

Größe: 5 cm, Tiefe: <1 m                               Ellaidhoo, Ari-Atoll, 1994

Gepunktete Partnergrundel Ctenogobiops feroculus Lubbock & Polunin, 1977

Größe: 5 cm, Tiefe: <1 m                               Ellaidhoo, Ari-Atoll, 1994

Diese Partnergrundel, die in Symbiose mit einem Knallkrebs zusammen lebt, wurde erst 1977 beschrieben. Es gibt sie ausschließlich auf den Malediven und um Sri Lanka. Sie wird nur 6 cm groß und benötigt ruhige Gewässer in flachen Lagunen mit sandigen oder mit Korallengeröll bedeckten Böden.

Während die Grundel vor dem Eingang wache hält und gleichzeitig kleines Getier ausfindig zu machen sucht, fördert der Knallkrebs unablässig nachrutschenden Sand nach draußen. Erscheint er an der Oberfläche, hält er mit einem Fühler Kontakt zum Körper der Grundel und erkennt so die Reaktionen seines Partners. Im Falle von Gefahr sind beide blitzschnell in der Höhle verschwunden.

Die hier abgebildete Partnergrundel beobachtete ich reglos über eine längere Zeit. Ich verhielt mich so ruhig wie ich konnte und wurde auch nicht von ihr bemerkt. Der Krebs kam in regelmäßigen Abständen von 2 Minuten mit Sand oben an und blieb nur kurze Zeit. Dann war auch die Grundel wieder am Eingang. War der Krebs weg und gab es keine Störung durch einen vorbeischwimmenden Raubfisch, entfernte sich die Grundel höchstens einen Meter von ihrer Wohnung. Dabei nahm sie irgendwelche Partikel vom Boden auf und eilte rechtzeitig wieder zurück. Fand der Krebs die Grundel nicht am Eingang vor, kam er nicht heraus. Die Grundel beansprucht ca. zwei Quadratmeter eigenes Gelände wo keine anderen Artgenossen geduldet werden.

Vorkommen: Malediven und Sri Lanka .

Sechspunkt-Schläfergrundel Valenciennea sexguttata (Valenciennes, 1837)

E: Sixspot goby , F: Gobie à six taches, J: Mizutamahaze, D: Funna

Größe: ca. 6 cm, Tiefe: <1 m                      Vilamendhoo, Ari-Atoll, 1997

Sechspunkt-Schläfergrundel Valenciennea sexguttata (Valenciennes, 1837)

Größe: ca. 6 cm, Tiefe: <1 m                       Vilamendhoo, Ari-Atoll, 1997

Diese Schläfergrundel lebt nur paarweise und ist überall auf den Malediven zu finden. Der Sandboden, wo man sie suchen kann, darf nicht von den Wellen geriffelt sein. Dort wird zuviel Sediment transportiert, was den Höhlenbau zu sehr behindert.

Das rechte Tier auf dem Bild ist das Männchen. Seine ersten Rückenflossenstacheln sind verlängert. Dieses Paar lebte in der Mitte des künstlich angelegten Riffüberganges am Außenriff der Insel Ari-Beach. Im Allgemeinen sind Grundeln sehr scheu und die Fluchtdistanz ist groß. Aber dieses Paar war wohl an die großen Figuren gewöhnt. Damit nicht zu viel Sand in die Wohnröhre hinein rieselt, legen sie den Ausgang immer unter einer kleinen Korallenplatte an.

Vorkommen: Rotes Meer und Indischer Ozean .

Größe: ca. 6 cm, Tiefe: <1 m             Kuredu, Faddhippolhu-Atoll, 1998

Goldkopf-Schläfergrundel Valenciennea strigata
(Broussonet, 1782)

E: Blueband goby, F: Gobie, J: Akahachihaze, D: Funna

Größe: 5 cm, Tiefe: <1 m                      Vilamendhoo, Ari-Atoll, 1997

Goldkopf-Schläfergrundel Valenciennea strigata (Broussonet, 1782)

Größe: 5 cm, Tiefe: <1 m                      Vilamendhoo, Ari-Atoll, 1997

Bis 13 cm lang wird diese seltenere Art über die nicht viel mehr bekannt ist, als dass sie über Sand- und Geröllgebieten zwischen den Riffen lebt: hier an den verfestigten Kalkplatten am Uferstreifen der Lagunenseite von Kuredu.

Vorkommen: Gesamter Indopazifik einschließlich Rotes Meer.

Kleines Bild: Der typische Bau einer Grundel. Der Eingang ist sorgfältig mit Korallenstücken gegen den nachrutschenden Sand abgesichert. Die Konstruktion muss dauernd ausgebessert werden. Dabei hat die Grundel den Standort ihres Wohnbaues schon mit bedacht ausgewählt. Keine Rippenbildung des Sandes ist in der Umgebung zu sehen, durch Wellen und Wind treiben also keine Sedimente umher.

Trotzdem hat die kleine Grundel den ganzen Tag über viel zu tun: Nahrung finden, die Gegend gegen Feinde absichern, den Bau in Ordnung halten. Die Wohnröhren können mit vielen Verzweigungen parallel unter den Sand bis zu 70 cm lang sein. Bei so großen Bauten im Vergleich zur Körpergröße kann ein Bagger nur von Nutzen sein. Wie in der Einleitung zu diesem Kapitel beschrieben, haben in vielen Fällen Partnergarnelen mit ihren Scheren die groben Erdarbeiten übernommen und an geschützten Sandböden kann man sie kleine Sandberge vor sich herschieben sehen.

Wer ist denn das? Kann jemand helfen?

Bild 1:

Es ist nicht mal sicher, ob das eine Grundel ist.

Ist es auch nicht! Tanja Stahn aus Bayer hat ihn gefonden: Es ist ein  Doppelpunkt-Messerfisch aus der Familie der Lippfische der bei Gefahr und nachts in den Sandboden eintaucht.

Größe: ca. 9 cm, Tiefe: 1 m                     Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1987

Danke Tanja!

Bild 2:

Auch hier ist es nicht sicher, ob das eine Grundel ist....

Größe: ca. 9 cm, Tiefe: 1 m                     Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1987