Handbuch der Malediven

Fische der Malediven

Kapitel 3: Knorpelfische

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Haie - Selachondeei

Haie an den Riffen der Malediven

Ammenhaie - Nebrius ferrugineus (Lesson, 1830)

Größe: 60 cm, Tiefe: 1 m,                                                                  Angaga, Ari - Atoll, 1996

Ammenhai Nebrius ferrugineus (Lesson, 1830)

Die  Ammenhaie sind der Ordnung  Orectolobiformes, den Teppichhaien, zugeordnet. Diese umfaßt 2 oder auch 7 Familien mit 13 Gattungen und 33 Arten, also noch einigermaßen überschaubar, aber nicht klar. Es scheint, als ordne jeder nach eigenem Gutdünken die Arten irgendwo einfach ein. Insgesamt gibt es aber nur 4 Ammenhaiarten in 2 Gattungen und den hier abgebildeten kann man, wenn man weiß wo man nachschauen muss, auf vielen Insel auch ohne Tauchgerät finden.

 

Am Tage schlafen Ammenhai tief und fest. Mal unter einer Koralle direkt auf dem Riffdach in nur einem Meter Wassertiefe alleine (s. unten), mal in Höhlen mit mehreren in 70 m. Wenn sie nicht gestört werden, kommen sie immer wieder zurück. Oft erkennt man diese Schlafplätze an den herausragenden Schwänzen. Es ist ein beliebtes Spiel, sie an den Schwänzen vorsichtig herauszuziehen.

 

Meist passiert auch nichts und der Hai kehrt mit einer Schwanzbewegung unwillig in seine Höhle zurück. Macht man das zu oft oder unvorsichtig, sind sie weg. Na ja, und sie haben ein Gebiss mit gegenständigen Zähnen und was sie mal dazwischen haben, können sie, wie Doggen, nicht mehr loslassen. Immerhin kann man ja auch 3, 20 m aus so einer Höhle herausziehen.

 

Im Allgemeinen sind Ammenhaie aber friedfertige Tiere.  Ammenhaie haben nur ein sehr kleines, aber in nicht erwarteter Weise spezialisiertes Maul: Sie können ihre Beute aus Ritzen und Spalten heraus saugen, was der Hai auf dem nächsten Bild gerade macht. Immer wieder schwamm er mit dem Kopf unter diese Koralle. Vielleicht versuchte er einen Octopus, Fische die dort kurz nach Beginn der Nacht Schutz gesucht hatten oder Krebstiere heraus zu saugen, jedenfalls ließ er sich nicht stören und sein Schmatzen und Schaben war deutlich zu vernehmen. Unterhalb des Maules hat der  Ammenhai zwei helle Bartel, die Tastfunktionen haben, denn für ein nachtaktives Tier hat er unwahrscheinlich kleine Augen. Genau die selbe Größe haben die zwei Spritzlöcher, die kurz hinter den Augen liegen.

Ammenhai, am Tage beim Schlafen unter zu kurzem Versteck

Ammenhaie mögen es am Tage beim Schlafen halt dunkel

Alle Arten dieser Ordnung haben 5 Kiemenspalten auf jeder Seite und die  Ammenhaie sind bronzefarben auf dem Rücken und heller am Bauch. Die Haut fühlt sich angenehm an, ist nicht schleimig und nicht rauh. Bleibt noch die bei Haien so unterschiedliche Art der Fortpflanzung. Die Ammenhaie sind ovovipar. Die dünnschaligen braunen Eikapseln entwickeln sich im Eileiter der Mutter und die Embryonen schlüpfen auch in diesen Eikapseln. Sie ernähren sich aus ihrem Dottersack. Immer sind es 8 Junge.

 

Die Geburtsgröße bei Ammenhaien ist unbekannt. Mit einer Länge von 2,30 m sollen die Weibchen geschlechtsreif sein. Das große Bild zeigt einen kleinen Ammenhai beim schlafen. Hauptsache der Kopf liegt im Dunkeln, Feinde scheint er nicht zu haben, sonst hätte er sich mehr Mühe gegeben beim Aussuchen einer größeren Höhle. Links unten hätte es im Schein der Taschenlampe einen Beinahezusammenstoß gegeben. Deutlich sind die angesprochenen Barteln und die extrem kleinen Augen zu erkennen. Die Störung beim Fressen (Bild rechts) nahm er gelassen hin.

 

Vorkommen: Weitverbreitet im Indopazifik und Rotes Meer.

Ammenhai nachts bei mgierigen Fressen unter der Koralle. Beide Fotos sind 1996 in geringer Tiefe in Angaga gemacht worden .

Nur in der Nacht sind die Ammenhaie aktiv

Grauer Riffhai - Carcharhinius amblyrhynchos (Bleeker, 1856)

E: Grey reef shark, F: Requin dagsit, J: Oguro - Mejirozame, D: Vah boa miyaru

Größe: 2 m, Tiefe: 3 m,                                Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1995

Oberhalb von 10 m Wassertiefe sind die zur Familie der  Blauhaie gehörenden  Graue Riffhaie nur selten zu sehen. Jede Tauchschule zeigt jedem aber die neugierigen, eleganten Fischjäger, die sich auch schon mal eine der großen Muränen aus dem Riff holen. Sie leben in Tiefen von bis hinunter auf ungefähr 300 m. Die Länge der Haie schwanken zwischen den 180 cm, ungefähr die Größe der hier herum schwimmenden Haie und 2,10, 2,40 oder auch 2,50 m je nach Literatur, Gegend und Taucherlatein.

Grauer Riffhai Carcharhinius amblyrhynchos (Bleeker, 1856)

Diese Art ist bei weitem aggressiver und lange nicht so pflegeleicht wie die allgegenwärtigen  Weißspitzenriffhaie . Die Grauen Riffhaie sind vivipar. Die Embryonen wachsen in einer gebährmutterähnlichen Erweiterung der beiden Eileiter heran und ernähren sich aus einem Dottersack. Dieser haftet mit Auswüchsen an der Eileiterwand an. Das Gebilde nennt sich Dottersackplazenta. Viviparie ist eher selten. Diese Art hat zwischen ein und sechs Junge von 50 - 60 cm Länge bei der Geburt. Ein  Großer Grauhai , Hexanchus grieseus (ohne Bild) bringt auf diese Weise 108 kleine Haie zur Welt.

 

Vorkommen: Weitverbreitet im östlichen Indischen Ozean bis zum  Zentralpazifik (Hawaii) und im Roten Meer. Nicht oder seltener vor der afrikanischen Küste,  Mauritius und den  Seychellen .

Größe: > 2 m, Tiefe: 8 m,                                                                  Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1988

Schwarzspitzen-Riffhai - Carcharhinius melanopterus
(Quoy & Gaimard, 1824)

E: Blacktip reef shark, F: Requin pointes noires, J: Tsumagro, D: Miyaru

Größe: 1 m, Tiefe: 1 m,                         Vilamendhoo, Ari - Atoll, 1997

Schwarzspitzen-Riffhaie darf man nicht aus der Tiefe kommend erwarten. Sie erscheinen aus dem Flachen Bereichen hinter dem Riffdach wenn das Wasser trübe und vom Gezeitenwechsel oft  fast undurchsichtig ist. Scheu und schnell ziehen sie über das Riff und nehmen nicht die geringste Notiz von den Anwesenden. Viele Gäste am Riff nehmen sie nicht wahr, weil sie das graue Tier im grauen Wasser auf der "falschen" Riffseite einfach nicht sehen.

Schwarzspitzen-Riffhai Carcharhinius melanopterus (Quoy & Gaimard, 1824)

Größe: 1,5 m, Tiefe: 1 m,                                                                  Embudu, Süd - Male - Atol, 2008

Außerdem waren sie zwische 1980 und 2000 seltener. Dabei lebt diese Art nicht tiefer als 10 m am Riff und in den Lagunen von Fischen und Tintenfischen. Nach meiner Erfahrung sah man, je nach Insel, auf 20 - 25  Weißspitzenriffhaie nur einen mit den schwarzen Spitzen. Jedenfalls vor 1996 als hier alle  Weißspitzenriffhaie  abgeschlachtet wurden. Bis 2003 hatten sich die Bestände noch nicht wieder erholt.

 

Auch diese Art ist, wie der vorher beschriebene Graue Riffhai, vivipar, bringt aber nur 2 oder maximal 5 Junge mit 33-52 cm Länge zur Welt. Sie wachsen auf 2 m heran. Hier werden sie kaum größer als 1,50 m.

In flachen und ruhigen Lagunen lernen die jungen Hai das Jagen. Oft schwimmen sie dabei in so flachem Wasser, dass die kleinen Rückenflossen herausragen. Früher, als auf der Insel  Kuramathi nur ein paar Häuser standen, waren sie im Wattkanal der Südseite und in der Lagune an der Sandbank jeden Tag zu sehen, wenn sie versuchten, von Tausenden und Abertausenden kleinen Fischen auch nur einen abzubekommen. Diese „Babyhaie" schmecken zwar sehr gut, aber nicht das hat sie so dezimiert.

 

Vorkommen: In allen Korallengebieten des Indopazifik. Ist durch das  Rote Meer und den  Suezkanal bis ins östliche Mittelmeer vorgedrungen.

Weißspitzen-Rriffhai - Triaenodon obesus (Rüppell, 1837)

E: Whitetip reef shark, F: Requin corail, J: Nemuribuka, D: Miyaru

Größe: 1,80 m, Tiefe: 3 m,        Veligandu Hurra, Süd - Male - Atoll, 1990

Weißspitzen-Riffhai  Triaenodon obesus (Rüppell, 1837)

Nirgends auf der Welt gehört eine Haiart so selbstverständlich zum Urlaub dazu, wie die  Weißspitzenriffhaie hier auf den  Malediven . Es gibt sie an jeder Insel, am besten kurz nach Sonnenaufgang, sicher am frühen Vormittag, garantiert kurz vor dem Sonnenuntergang - man muß nur mit der ABC - Ausrüstung ein paar hundert Meter am Riff entlang schwimmen und begegnet mehr dieser schönen und hier so friedlichen Haie als beim Tauchen. Angst braucht man nicht zu haben. Die Wesen mit den langen bunten Kaugummis am Ende gehören bei dem Fischreichtum nicht in ihre Nahrungskette. Sie leben von Bodenbewohnern wie Krebsen und Tintenfischen, stöbern nachts am Boden schlafende  Papageifische , Drücker, Barben, Schnapper, usw. auf, machen einen satten und meist gelangweilten Eindruck beim eleganten Vorbeigleiten. Am Tage, oft über Mittag, liegen sie in Höhlen oder auch in gut durchströmten Kanälen zwischen zwei Inseln wie Kuramathi und Rasdoo auf dem Sandboden und schlafen.

Aber am frühen Morgen sind sie hellwach und neugierig. Dann kommen sie, schnorchelt man alleine, schon mal auf zwei Meter heran, wollen sehen, was da in ihrem Revier los ist, was da komisches rumschwimmt - und ziehen fast gelangweilt wieder ab. Ist nun wirklich nichts am Riff los, lassen sie sich mit ein paar Faustschlägen auf die Wasseroberfläche oder mit dem Klopfen eines toten Korallenstückes auch schon mal anlocken - was vielleicht nicht jedem zu empfehlen ist. Es muß also nicht immer ein Stück Fisch im Mund eines Tauchlehrers sein, um Haie anzulocken. Vielleicht kommt es doch nur auf Beobachtungen und auf die Kenntnisse der Lebensweise der Riffbewohner an, wenn man etwas erreichen will.

Größe: 2 m, Tiefe: 3 m,                                   Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994

Der längste  Weißspitzenriffhai wird mit 216,5 cm und 131 kg beschrieben. Er kann bis 25 Jahre alt werden. Leider nicht mehr auf den Malediven. Hier hatte man 1996 beschlossen, alle Haie bis zum Letzten konsequent auszurotten. Bot doch  Japan ,  Taiwan und  Hongkong für 1 kg Haiflosse über 300 US $. Wie sollte da ein Fischer widerstehen? Schließlich war das mehr ein ganzen Jahresgehalt. Sie haben diese Aufgabe gründlich erledigt.

 

Die Haie sind eher nachtaktiv. Am Tage liegen sie schon mal schlafend auf dem Grund in ungefähr 8 - 12 m Tiefe oder einfach unter großen Korallen. Sie sind Reviertreu. Im ganzen Jahr bewegen sie sich, sind die Riffe nicht so belebt wie hier, nur über Distanzen von 300 m bis 3 km. Nachts jagen sie am Riff die Krabben und Langusten oder die am Boden schlafenden Fische wie z. B. Papageifische, Drücker, Meerbarben, usw. Angriffe auf Menschen sind sehr selten und meistens deren Schuld. Frisch kann das Haifleisch gegessen werden, die Leber kann allerdings giftig sein

 

Auch diese Art ist vivipar und es kommen zwischen einem und fünf Junge nach einer Tragezeit von 13 Monaten zur Welt. Das  Liebesleben der Weißspitzenriffhaie ist ziemlich rau und wird anschließend beschrieben

Vorkommen: Häufigste Haiart in den Korallengebieten des Indopazifik.

Zebrahai  Stegostoma fasciatum (Hermann, 1783)

Zebrahai  Stegostoma fasciatum (Hermann, 1783)

Größe: 3 m, Tiefe: 15 m                           Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Größe: 3 m, Tiefe: 15 m                              Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Bei diesem seltsamen Hai ist es schon schwer den deutschen Namen zu finden. Es er jung, hat er schwarze Querstreifen wie ein Zebra, erwachsen dagegen zeigt er Punkte wie ein Leopard. Man hat sich auf Zebrahai geeinigt.

Dieser nachtaktive Jäger ruhte sich am Vormittag unweit der Sandbank von Embudu auf dem Grund aus. Sein Schwanz ist etwa so lang wie sein Körper. Das größte Exemplar war 3,54 Meter lang. Entlang seines Körpers verlaufen mehrere Wülste oder Stege.

In der Familie der Zebrahaie Stegosttomatidae gibt es nur diese eine Art. Die Zebrahaie ernähren sich von Muscheln und Krebsen, Krabben, Oktopussen und kleinen Fischen die er nachts jagt, nicht tiefer als 65 m dort, wo es Sand- oder Schutt- und Korallengründe gibt. Diese Art ist selten geworden. Die Chinesen lieben ihn nämlich, oder besser seine Flossen.

Vorkommen: Rotes Meer bis Australien. Er braucht eine durchschnittliche Wassertemperatur von mindestens 19° C.

Zebrahai jung

Größe: 3 m, Tiefe: 15 m  Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

(Bilder aus Fishbay)

Zebrahai erwachsen