Handbuch der Malediven

Handbuch der Malediven

Kapitel 1: An Land

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Die Hauptstadt Malé

Malé

Es gibt viele Hauptstädte in exponierter Lage. La Paz, Bolivien, zum Beispiel. Da liegt der Flughafen auf 4200m Höhe. Es gibt viele große Städte, die  am Wasser liegen. Aber Malé liegt  im Wasser. Man sehe sich das mal auf den  Satellitenbildern von Malé an.

Malé 1996. Noch ohne der von den Japanern gebauten Schutzmauer an der Südseite der Insel

Der Flughafen auf der Nachbarinsel Hulule um 1990 - wie ein Flugzeugträger der US-Navy

Nährt man sich der Hauptinsel mit dem Boot, ist an der goldene Kuppel nicht zu übersehen, welche Religion hier herrscht. Keine Angst: je weiter man von Mekka entfernt ist, desdo gemäßigter wirkt sich der Glaube aus, verliert das Extreme. Wenn es auch die Mullahs gerne schärfer hätten hängt das Land doch zu sehr am Tourismus.

Als zahlender Tourist denkt man sowieso nicht als zu sehr nach, zumal wenn bei einigen Tauchern graue Gehirnzellen auch noch nachweislich gelitten haben. Die sunntitschen Muslime in ihrer unendlichen Toleranz haben natürlich die Religionsfreiheit abgeschafft und der Präsident Abdul Gayyoom ist ja erst seit 1978 (!) dran. Man kann also kaum von einer Maledivischen "Republik" sprechen.

Aber das ist ein anderes Thema.

Trotzdem, nicht jede Frau darf sich so frei fühlen wie auf dem Foto von 2003 dargestellt.

Auf den Inseln darf die nette junge Dame bestimmt nicht so herumlaufen - eher so wie die beiden anderen.

Der Regierungssitz der Insel"republik" ist der größte Baukörper in der Stadt. Manche Ministerien haben trotzdem nur 1 oder 2 Zimmer zur Verfügung - wenn es das doch nur auch bei uns gäbe! Von hier aus wird das 764 km lange Land verwaltet.

In Malé leben 81.600 Menschen (2004)- auf gerade mal 1,8 Quadratkilometern. Die Volkszählung vom März 2006 ergab schon wieder ganz andere Zahlen: 104.403 für Malé (mehr als gedacht) und 298.842 (weniger als gedacht) für das ganze Land. Ein Drittel der Bevölkerung versucht sich also in der Hauptstadt des bitterarmen Landes durchzuschlagen.

Hektisch wird versucht durch Aufschüttungen Land zu gewinnen. Die Entwicklung ist rasant. Motorisierung, Bauboom, Handel - alles entwickelt sich ungeheuer schnell.

Alles, was auf den Malediven ein Meter aus dem Wasser herraus ragt - alle 1000 oder 2000 Inseln (die Zahl schwankt stark in den Statistiken), hat die Fläche der Stadt München - 298 qkm.

Offiziell sind die 26 Atolle der Malediven mit insgesamt 1192 Inseln in 20 Distrikte unterteilt. 200 oder 300 der Inseln sind davon bewohnt.

Man gibt sich gerne modern, einjeder hat ein Handy und das wird reichlich genutzt. Selbst wenn man sich hier garantiert mehrere Male am Tag über den Weg läuft.

Die alte Kanone im Hintergrund ist nur rein zufällig im Bild!

Die Jugend will da nicht mehr so richtig mitmachen. Hoffentlich bekommen die Klerikalen nicht wieder die Oberhand.

Drei prachtvolle Moscheen gibt es im Land, 2 davon auf Malé.

Viele bekannte Firmennamen sieht man in der Stadt. Und den Versuch es sich gemütlich zu machen.

Einer der wenigen Bäume in der Stadt. Und der Markt. Die 3 Früchte im Vordergrund sind Pandernüsse, die Früchte der Schraubenpalme, eine der Hauptnahrung der Fliegenden Hunde.

Angefangen von der Hauptstadt Male über die Inseln der Malediver bis zu den 70 oder 90 Touristeninseln:

Die Natur dort ist nicht mehr in Ordnung.

Im Jahr 2003 fuhren in Malé - 1,8 qkm Fläche! - an die 5000 Autos und 18.000 Motorräder herum.

Warum soll da noch über Natur geredet werden? In Malé gibt es bis auf ein paar miekrige Bäume keine mehr.

Allerdings soll die Population an Ratten und Cucarachas einzigartig sein.

Am 26. Dezember 2004 schwappten die Ausläufer des Tsunami durch die Straßen der Hauptstadt und über alle Inseln, die am Ostrand der Atolle liegen.

Erstaunlich, dass die hohen Häuser und die vielen Leute die Insel auf der porösen Kalkspitze, die da 1 oder 2 Meter aus dem Wasser ragt, nicht versenken.

Es entstand ziemlicher Sachschaden.

Es ist erstaunlich, wie die Stadt auf engstem Raum funktioniert.

Wurde man früher mit Booten zum Flughafen gebracht, rammten diese schon mal nahe Malé einen im Wasser treibenden Kühlschrank. Die neue Müllverbrennungsanlage hat diese Probleme wohl gelöst(ob Kühlschränke brennen?).

Lange schmissen sie den Abfall einfach ins Meer. Die Strömung hat es ja weggetragen.

Handeln ist für einen Orientalen eh das Größte. Es gibt unendlich viele solcher kleinen Läden. Aber nicht nur für Lebensmittel. Unendlich viele Bootsmotoren, Generatoren, müssen mit Ersatzteilen versorgt werden.

Es gibt schlichtweg alles zu kaufen in Male.

Der Bauboom ist kaum zu beschreiben. Was flach ist, wird abgebrochen und neu in die Höhe gezogen. Aber wie lange geht das gut?

Wie lange hält die poröse Kalkspitze, auf der Malé steht, das Gewicht aus? Wie tief durchlöchern die Stützfeiler diesen Korallenboden?

Was passiert bei einem Seebeben hier in der Nähe? Welchen Schaden richtet ein neuer Tsunami an?

Ob es die kapitalkräftigen Investoren wissen? Eher nicht. Schließlich lockt bei der Wohnungsknappheit eine saftige Rendite.

In den engen Straßen von Malé weht kein Wind. Es ist unerträglich heiß. Die Steinmauern strahlen zusätlich Hitze ab und die Luftfeuchtigkeit macht zu schaffen.

Da gehen auch die Bewohner der engen Stadt gerne ins Wasser. Das Freizeitangebot ist nicht hoch. Einen Strand gibt es nicht. An der Nordseite geht baden nicht. Es ist zu dreckig und da sind zu viele Schiffe.

Aber hier im Süden am ziemlich rauhen Vadookanal - er ist 300m tief und trennt das Nord- vom Süd-Male-Atoll - ist das Wasser sauber.

Zwischen dem von den Japanern gebauten und wohl auch bezahlten - natürlich gegen Fischereirechte in den Hoheitsgewässern der Malediven - Küstenschutz und der Steinmauer können Nichtschwimmer ins Wasser.