Handbuch der Malediven

Fische der Malediven

Kapitel 2: Knochenfische

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Ordnung der Barschartigen -  Perciformes

Familie Riffbarsche -  Pomacentridae

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Unterfamilie: Schwalbenschwänze -  Chrominae

Dreibinden-Preußenbarch Dascyllus aruanus frontal. Eine digitale Camera unter Wasser macht solche Aufnahmen möglich: Telezoom und beachtlich viele Versuche.

Größe: 6 cm, Tiefe: 1 m

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Schwalbenschwänze  Chrominae

In dieser Unterfamilie der Familie der Riffbarsche sind im Wesentlichen die Gattungen Chromis und Dascyllus für die Malediven von Bedeutung, denn sie stehen überall in Schwärmen vor den Riffkanten.

Die Gattung  Chromis hat alleine 75 Arten, die Gattung  Dascyllus dagegen nur 9. Von der ersteren sind die Grünen Schwalbenschwänzchen, die große Schulen bilden, am häufigsten zu sehen. Manchmal sind sie so zahlreich, dass ausschaut, als wiegen sich hellgrüne Maiblätter im Frühlingswind hin und her. Von der Gattung Dascyllus sind die schwarzweißen Preußenfische und die kleinen pechschwarzen Dreifleck-Riffbarsche schon im flachen Wasser an jeder Insel zu finden. Die oft nur Daumnagel großen Jungen der Dreifleck-Riffbarsche sind die einzigen, die außer den Anemonenfischen Schutz in den mehr oder weniger nesselnden Anemonen suchen.

Die Einteilung der Familie der Riffbarsche in drei Unterfamilien mag umstritten sein, macht aber Sinn. In „Smiths’ Sea Fishes“ findet man diese Unterteilung nicht. In älteren Büchern hingegen sind die, die in Symbiose mit Anemonen leben, die die Schwärme bilden und die einzeln oder paarweise in Korallen ihren Lebensraum noch mal extra zusammen gefasst, vielleicht wissenschaftlich nicht haltbar aber praktisch zum Merken und Auseinanderhalten von über 300 Arten.

Zweifarben - Schwalbenschwanz  Chromis dimidiata Klunzinger, 1871)

E: Chocolate dip damsel, F: Demosielle bicolore, J: Suzumedai, D: Dheburi dhekula dhanbaa

Größe: 6 cm, Tiefe: 1 m                      Kuredu, Faadipolhu-Atoll, 1998

Zweifarben - Schwalbenschwanz  Chromis dimidiata (Klunzinger, 1871)

Von der Gattung  Chromis gibt es ungefähr 75 verschieden Arten und sie sind bis auf diese auffallend gezeichneten Tiere schwer zu unterscheiden. Jedenfalls ist dieses in allen Teilen des Indischen Ozeans und seinen Randmeeren weit verbreiteten Zweifarben-Schwalbenschwänzchen genauso hochrückig und mit einer durchgehenden Rückenflosse versehen, wie alle Mitglieder dieser Familie mit den auffälligen Gabelschwänzen.

Auffallend bei diesem kleinen, bis 7 cm groß werdenden Planktonfresser, die als meist als Paar daher kamen als es noch Korallen gab, ist die zweigeteilte Färbung. An Außenriffen ist er in Tie­fen bis 30 m genauso anzutreffen wie in flachen Lagunen. Manchmal sind sie auch in großen Schwärmen vor den Riffkanten zu sehen.

Vorkommen: Indischer Ozean und Rotes Meer, Andamanensee und bis zu den Weihnachtsinseln.

Doppelbinden - Schwalbenschwanz  Chromis opercularis
(Günther, 1867)

E: Doublebar chromis, F: Demosielle, J: Debasuzu, D: Nilamehi

Größe: 4 cm, Tiefe: 1 m                           Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1987

Doppelbinden - Schwalbenschwanz  Chromis opercularis  (Günther, 1867)

Diese Art ist ebenfalls weit im Indischen Ozean verbreitet. Er fällt nur nicht so auf weil er in der farbenfrohen Welt der Riffe recht unscheinbar gezeichnet ist und weil er nicht in so großen Stückzahlen wie der nachfolgend beschriebene  Chromis viridis vorkommt. Bis maximal 12 cm lang wird dieser Fisch. Er scheint tiefer als andere Arten zu leben: mit 10 - 40 m wird sein Le­bensraum angegeben.

Je nach Gebiet kann seine Zeichnung sehr unterschiedlich sein. Sogar der Schwanz ist unterschiedlich stark gegabelt. Er kann gelb sein, auch kann er einen gelben Fleck auf dem Schwanzstiel haben und der schwarze Strich hinter den Kiemen auf jeder Seite - er hat ihm den Namen gegeben - kann mehr oder weniger ausgeprägt sein.

Interessant an dem Bild von 1987 ist der schlechte Zustand des Riffes. Zwar sind im hinteren Teil noch intakte Acroporakorallen zuerkennen aber der Untergrund sieht schon arg mitgenommen aus. Im Vordergrund rechts sind schon braune Schmieralgen zu erkennen, die auf schlechte Wasserqualität hinweisen,

Vorkommen: Westlicher Indischer Ozean, Andamanensee, bis zu den Christmas Inseln im östlichen Indischen Ozean.

Grüner Schwalbenschwanz -  Chromis viridis   
(Cuvier & Valenciennes, 1830)

E: Blue-green chromis, F: Demosielle bleue, J: Debasuzumedai, D: Nilamehi

Größe: 10 cm, Tiefe: 1 m                      Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Grüner Schwalbenschwanz -  Chromis viridis   (Cuvier & Valenciennes, 1830)

Größe: 10 cm, Tiefe: 1 m                       Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Wolken der Grünen Schwalbenschwänzchen bevölkern strömungsreiche Riffabschnitte  von der Oberfläche bis hinunter auf 12 m Tiefe. Sie fressen alles tierische Plankton das ihnen vor das kleine Maul kommt. Sie werden nur bis zu 8 cm groß.

Die Grünen Schwalbenschwänzchen sind die am häufigsten vorkommenden Riffbarsche an den Malediveninseln. Die Zahl der Individuen einer Schule ist oft kaum zu schätzen und es ist jedesmal ein wunderschöner Anblick, die kreuz und quer schwimmenden kleinen und sympathischen Riffbarsche nach Plankton schnappen zu sehen. Sie wiegen sich in der Strömung wie grüne Maiblätter im Frühlingswind. Nachdem nun alle Riffe zerstört sind, wird mir der Anblick dieser Schwärme als Inbegriff intakter Riffe für immer sehnsuchtsvoll in Erinnerung bleiben, mehr als alle spektakulär großen Fische.

Vorkommen: Rotes Meer und tropischer Indo - Westpazifik.

Größe: 3 cm, Tiefe: 1 m                                 Ellaidhoo, Ari-Atoll, 1995

Größe: ca.5 cm, Tiefe: 2 m                             Ellaidhoo, Ari-Atoll, 1995

Größe: 8 cm, Tiefe: 1 m                          Ellaidhoo, Ari-Atoll, 1995

Dreibinden - Preußenfisch  Dascyllus aruanus   (Linnaeus, 1758)

E: White-tail dascyllus, F: Dascyllus, J: Misujiryukyusuzumedai, D: Muraka mas

Größe: 4 cm, Tiefe: 1 m                            Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Dreibinden - Preußenfisch  Dascyllus aruanus   (Linnaeus, 1758)

Größe: 5 cm, Tiefe: 1 m                            Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Die schwarzweißen Farben Preußens gaben dieser Art der Gattung  Dascyllus (es gibt insgesamt 9 Arten) den deutschen Namen. Der 10 cm groß werdende Preußenfisch ist überall in Tiefen von wenigen Zentimetern bis hinunter auf 20 Meter anzutreffen. Vor allem im ganz flachen Wasser der Lagunen ist die Kinderstube der Preußenfische gut zu beobachten (kleines Bild). In einzeln stehenden astförmigen Korallenstöcken leben 30 oder mehr Preußenfische zusammen, die kleinsten nicht größer als 1 cm. Sie entfernen sich so gut wie nie weit von ihrer Wohnkoralle. Sie sind fast in jeder Lagune zu finden, oft nicht weit vom Ufer entfernt. Schon bei der geringsten Störung suchen sie zwischen den Korallenästen Schutz und es dauert eine ganze Weile, bis sie sich nach einer Störung wieder hervorwagen. Erwachsene Preußenfische stehen häufig in großen Schulen speziell kurz vor Sonnenuntergang vor strömungsreichen Riffen und schnappen, kreuz und quer durcheinander schwimmend, nach Plankton.

Die braunen kugelförmigen Gebilde auf dem Bild oben sind Manteltiere. Es sind die Grünen Riffseescheiden  Didemnum molle (siehe dort).

Vorkommen: Im tropischen Teil des Indischen Ozeans und des West- und Zentralpazifiks sowie im Roten Meer.

Größe: 3 cm, Tiefe: 1 m                            Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Größe: 3 cm, Tiefe: 1 m                         Ellaidhoo, Ari-Atoll, 1995

Indischer Preußenfisch  Dascyllus carneus   Fischer, 1885

E: Cloudy dascyllus, F: Bouteur bleutè, J: Futasuji suzumedai, D: Muraka mas

Größe: 8 cm, Tiefe: 1 m                       Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Indischer Preußenfisch  Dascyllus carneus   Fischer, 1885

Größe: 4 cm, Tiefe: 2 m                            Ellaidhoo, Ari-Atoll, 1995

Noch so ein kleiner schwarzweißer Riffbarsch mit den Farben des alten Preußens. Nicht gerade häufig anzutreffen ist dieser Fisch mit der breiten Bauchbinde und der schwarzen Rückenflosse. Seine Wohn- und Schutzkoralle sucht er sich an der Riffkante. Sogar Feuerkorallen bewohnt er dort. Weiter weg von seiner Koralle als auf dem Bild wagt er sich nur selten. Es ist die typische Entfernung zur Koralle. Schließlich schießen hier ja auch die Räuber mit hoher Geschwindigkeit entlang und wer an solchen exponierten Stellen wie der Riffkante überleben will, muss wachsam sein.

Die Schwänze dieser Preußenfischart sind von einem leuchtenden Blau. Der Fisch wird nur 6 cm groß. Sein Lebensraum wird von dem Riffdach bis hinab auf 35 m Tiefe angegeben. Das kleine Bild entstand im Februar 1998 in dem da noch wunderschönen Korallengarten an der westlichen Spitze der Insel Kuredu.

Vorkommen: Im tropischen Teil des Indischen Ozeans und des West- und Zentralpazifiks.

Dreifleck - Riffbarsch, juvenil  Dascyllus trimaculatus  
(Rüppell, 1829)

E: Threespt dascyllus, F: Bouteur , J: Mitsuboshi-kurosuzumedai, D: Muraka mas

Größe: 3 cm, Tiefe: 1 m                    Dhigufinolhoo, Süd-Male-Atoll, 1990

Dreifleck - Riffbarsch, juvenil  Dascyllus trimaculatus  (Rüppell, 1829)

Größe: 3 cm, Tiefe: 1 m                         Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1988

Drei weiße Punkte, je einen auf den Körperseiten und einen auf der Stirn geben der Jugendform ein unverwechselbares Aussehen. Die Körperfarbe ist schwarz bis schwarzbraun. Sind sie erwachsen, verlieren sie den Stirnfleck vollkommen und nur die Seitenflecken bleiben erhalten. Die Körperfarbe ist dann heller. Dann haben sie eine Größe von 14 cm. Sie wurden schon in Tiefen von 55 m angetroffen.

Nach den Anemonenfischen sind die jungen Dreifleck-Riffbarsche die zweithäufigsten Anemonenbewohner. Aber auch zwischen den langen Stacheln von  Diadem-Seeigeln sucht diese Art Schutz. Können sie beide nicht finden, leben sie auch mit jungen Korallen mit verzweigtem Geäst als gute Versteckmöglichkeiten zusammen. Das Bild oben zeigt ein Jungtier zwischen zwei Prachtanemonen, das Bild unten links an der zwischen Acroporakorallen an der Riffkante und im Bild unten rechts teilen sie sich eine Prachtanemone mit den Malediven-Anemonenfischen.

Größe: 4 cm, Tiefe: 1 m             Dhigufinolhoo, Süd-Male-Atoll, 1990