Handbuch der Malediven

Handbuch der Malediven

Kapitel 7: Stachelhäuter

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Stamm Stachelhäuter - Echinodermata
Klasse: Seesterne - Asteroidea (Teil 1)
Ordnung Klappensterne Valvatida

Familie  Walzen-, Kissen- und Noppen-Seesterne Oreasteridae

Unterseite eines Großen Kissenstern Culita novaeguinae Müller & Troschel, 1842

Klasse Seesterne - Asteroidea

Allein von den Seesternen gibt es zwischen 1500 und 2000 Arten. Keine Angst, so viele gibt es auf den Malediven nicht. Die meisten Arten haben fünf Arme und nur wenige haben mehr. Auf der Unterseite der Arme verlaufen sternförmig von der Mitte bis zu den Enden Rillen. Sie werden Ambulakralrinnen genannt. An jeder Seite einer Rille befinden sich viele Saugfüße mit denen der Seestern z. B. die Kraft aufbringt, Muscheln zu öffnen. Dazu schiebt er sich über die Muschel, setzt an beiden Schalen seine Saugfüßchen an und läßt eine gleichmäßige Kraft dauernd wirken. Zwar ist der Schließmuskel der Muschel stärker, aber dieser Dauerwirkung hält er nicht Stand.

 

Im Zentrum auf der Unterseite sitzt der Magen. Er wird bei größeren Opfern nach außen gestülpt und umfaßt die Beute. Der Seestern verdaut also außerhalb seines Körpers mit Hilfe eines Verdauungssekretes.

 

Dornenkronen saugen auf diese Weise Korallen ganzer Riffgebiete aus. Die Regenerationsfähigkeit von Seesternen ist erstaunlich. So ist es müßig, einen  Dornenkrone zu zerschneiden. Die einzelnen Teile wachsen wieder zu neuen Tieren heran.

 

Die Fortpflanzung geschied auf zweierlei Art. Seesterne geben normaler Weise Eier und Sperma ins Wasser ab. Mikroskopisch kleine Larven treiben davon. In der nächsten Lebensphase setzen sie sich fest und wachsen zu Seesternen heran. Das alles dauert nur 2 - 3 Wochen. Fortpflanzung erfolgt aber auch durch ungeschlechtliche Teilung.

Systematik Ordnung der Klappensterne Valvatida

Diese Ordnung der Klappensterne umfasst 13 Familien sehr unterschiedlichen Aussehens. Die Arten der Familien haben meistens 5 flexible Arme mit wenigen Randplatten. Alleine die auf dieser Seite beschriebene Familie der Kissensterne Oreasteridae hat in der Gattung Culcita ein runden, ballonartigen Körper. Von den 3 Arten dieser Gattung findet man 2 recht häufig auf den Malediven.

 

Der Arabischer Kissenstern Culcita coriacea ist nur im Roten Meer anzutreffen.

Stamm Stachelhäuter Echinodermata

Unterstamm Seesterne Eleutherozoa

Klasse Seesterne Asteroidea

Ordnung Klappensterne Valvatida

Familie Kissenseesterne Oreasteridae

Gattung Culita

Art Großer Kissenstern Culita novaeguinae Müller & Troschel, 1842 Big cushion starfish

Art Stachel-Kissenstern Culita schmideliana (Retzius, 1805)

Art Arabischer Kissenstern Culcita coriacea Müller & Troschel, 1842 (Nur im Roten Meer)

Gattung Culita

Art Gekörnter Kissenstern (alt: Walzenseestern) Choriaster granulatus (Lütken, 1869)

Familie  Walzen-, Kissen- und Noppen-Seesterne Oreasteridae
Unterschiede in der Gattung Culcita

Großer Kissenstern Culita novaeguinae

Stachel-Kissenstern Culita schmideliana

Vilamendhoo, Ari-Atoll, 1997

Vilamendhoo, Ari-Atoll, 1997

Größe: bis 30 cm Durchmesser

Stacheln: sind eher rund wie Noppen. Sie sitzen zwischen und/oder auf den fleckenartigen Porenbereichen, oder sind gar nicht vorhanden.

 

Unter diesen Namen kann man ihn in der Literatur und im Web finden:

 

Großer Kissenstern

Östlicher Kissenseestern

Neuguinea-Kissenstern

 

Und nicht nur Wikipedia irrt wenn sie sein Lebensraum auf den östlichen Indischen Ozean  von Golf von Bengalen bis nach Hawaii angeben: schließlich liegt er (oder lag) zu hunderten an den Malediveninseln herum.

 

Der Grund? Die UW-Lebewesen im Bereich der Malediven haben erst sehr spät Eingang in die Literatur gefunden (z.B. Eibl-Eibesfeld „Die Malediven“, Piper 1982). Und da jeder von jedem Abschreibt, ziehen sich Fehler über Jahrzehnte hin.

Größe: bis 25 cm Durchmesser

Stacheln: sind kegelförmig und spitz. Sie sitzen nicht auf den Porenarealen, sonder dazwischen.

 

In der deutschsprachigen Wikipedia ist diese Art noch nicht bearbeitet.

Wachstumsphasen der Kissensterne

E: Big cushion star

juvenil (Embudu 2009)

semiadult (Embudu 2009)

Alle drei Aufnahmen sind von den Großen Kissensternen. Wie lange die Seesterne benötigen, um ihre endgültige Körperform zu erreichen, war nirgends zu finden.

 

Auch über das Lebensalter ist nichts bekannt. Weil sie für Aquariumhaltung wohl einfach zu groß sind?

adult (Embudu, 2008)

Großer Kissenstern - Culcita novaeguineae  Müller & Troschel, 1842

E: Big cushion star

Vilamendhoo, Ari-Atoll, 1997

Großer Kissenstern Culcita novaeguineae Müller & Troschel, 1842

Vilamendhoo, Ari-Atoll, 1997

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

In der Mitte die Mundöffnug

Diese bis zu 30 cm großen Kugeln sind wirklich Seesterne. Sie leben einzeln auf Sandböden, in Seegraswiesen, auf Korallenschutt oder auf flachwachsenden Korallen in 1 - 20 m Tiefe. Anfang der achtziger Jahre, als die meisten Riffe noch intakt waren, gab es sie an jeder Insel zuhauf. Sie sind im Male- und im Ari-Atoll selten geworden.

 

Das es sich hier um einen gefräßigen Räuber handelt der sich meistens über seßhafte Tiere wie Muscheln, aber auch über Schnecken, Steinkorallen und Anemonen hermacht, ist kaum zu vermuten. Kleine Niedere Tiere und auch Korallenpolypen und sogar Aas schmecken dem Vielfraß auch.

 

Vorkommen: Indischer und Pazifischer Ozean.

Hier einige Beispiele über den Farbreichtum der Großen Kissensterne

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

Vorkommen: Indischer und Pazifischer Ozean.

Vilamendhoo, Ari-Atoll, 2010

Vilamendhoo, Ari-Atoll, 2010

Die Acroporakoralle im Vordergrund dürfte der Seestern auf dem Gewissen haben. Er hat sich über die Koralle geschoben, den Magen ausgestülpt und alles organische Material außerhalb seines Körpers aufgelöst und eingesogen haben.

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

Vilamendhoo, Ari-Atoll, 2010

Vilamendhoo, Ari-Atoll, 2010

Stachelkissen-Seestern - Culcita schmideliana (Retzius, 1805)

Kuredu, Faddhippolhu-Atoll, 1998

Das waren noch Zeiten. Auf dem Bild von Kuredu sind hinter dem Seestern noch Weichkorallen zu sehen: Brokkolikorallen. Einen Monat später waren diese Weichkorallen auf den gesamten Malidiven praktisch ausgestorben. Die Warmwasserwelle aus der Gegend um Australien herum, ausgelöst durch den stärksten  El Niño seit Beginn der Wetteraufzeichnung, hat grundlegend die UW nicht nur der Malediven komplett verändert. Im Great Barrier Reef sind 2017 die Korallen auf 1500 km (!) Länge ausgebleicht.

Stachelkissen-Seestern Culcita schmideliana (Retzius, 1805)

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Dieser Seestern ist nun gar nicht zu bestimmen. Einerseits hat er die spitzen Stacheln des Stachel-Kissensterns, aber anderseits sitzen diese auch auf den Porenbereichen wo sonst nur die runden Noppen des Großen Kissensternes zu finden sind. Ob da was in der Natur schief gelaufen ist?

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

Ein Stachelkissen-Seestern Culcita schmideliana (Retzius, 1805) mit den Stacheln in den Rillen neben den Porenarealen. Sie sind nach Auswertung aller in 29 Jahren gemachten Bildern um ein Drittel weniger zu finden als der Große Kissenstern. Sie sind aber genauso variantenreich in der Färbung wie diese.

Sieht man zum ersten Mal in seinem Leben eine dieser Kugeln auf dem Grund liegen, ist auf Anhieb nicht zu erraten, was es ist. Erst beim genauen Hinsehen sind u. U. fünf Kanten zu entdecken und beim Umdrehen ist er an den fünf Armrinnen auf der Unterseite als Seestern klar zu erkennen.

 

Seine Oberfläche ist mit kleinen aber ungefährlichen Stacheln besetzt, die rubinrot gefärbt auf der gesamten Oberfläche verteilt sind. Er ist vollgesogen mit Wasser. Übt man auf seine Oberfläche leichten Druck aus, gibt diese nur ganz langsam nach. Die bis zu 20 cm Durchmesser heranwachsenden kugelförmigen Seesterne sind hübsch gefärbt.

 

Auch er lebt wie der Große Kissenstern auf möglichst ebenen Grund. Die Seesterne dieser Familie sind getrenntgeschlechtig und geben Eier und Sperma ins Wasser ab - einen Arm zur vegetativen Fortpflanzung wie andere Arten können sie ja nicht opfern. Diese Art ist ein gefräßiger Räuber der sich sogar über andere Seesterne und Seeigel her macht. Er fängt alles an kleinen Tieren was noch langsamer ist. Vorwiegend aber festsitzende Niedere Tiere wie Röhrenwürmer, Muscheln, Anemonen - sie dürfen nur nicht zu stark nesseln.

Dreht man so eine Kugel (unbedingt wieder in die Ausgangslage bringen!) um, ist oft eine kleine rote Garnele der Art  Periclimenes soror zu finden . Sie findet Schutz unter dem Seestern und vielleicht lebt sie auch von seiner Nahrung.

Wie in manchen Seewalzen lebt auch in den Kissen-Seesternen ein Eingeweidefisch  Carapus mouriani . Jungfische dieser Art leben von seinen Gonaden (Geschlechtsdrüsen). Die Erwachsenen nutzen ihn als lebende Wohnhöhle und verlassen ihn nur nachts zur Nahrungssuche ohne ihn zu schaden.

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

Gekörnter Kissenstern - Choriaster granulatus Lütken, 1869

E: Granular star

Dhigufinolhu, Süd-Male-Atoll, 1991

Gekörnter Kissenstern Choriaster granulatus Lütken, 1869

Angaga, Ari-Atoll, 1996

Versuche, ihn zu im Aquarium zu halten, sind alle fehlgeschlagen. Er ist zu empfindlich für die Aquarienhaltung.

 

Der zentrale Körper der Gekörnten Kissensterne (früher auch Walzenseesterne) und die dicke der Arme erscheint gegenüber anderen Seesternen massig. Er wird so um die 20 cm groß. Zufinden war er überall am Riff. Ihn gezielt zu suchen ist aber schwer. Mal sitzt er an der Seite einer Koralle, oft aber auf dem Boden, auf dem er sich sehr langsam mit seinen vielen kleinen Füßen, den Ambularkralfüßen, vorwärtsbewegt.

Diese Füße sind mit Saugnäpfen versehen. Schiebt sich der Seestern über eine Muschel, kann er sie mit den erstaunlich kräftigen Saugnäpfen öffnen. Der Schließmuskel der Muschel ist zwar stärker, aber der Seestern kann die geringere Kraft länger aufrecht erhalten, so lange, bis der Muskel der Muschel erlahmt. Er ist ein gefräßiger Räuber, der scheinbar alles frißt.

Angaga, Ari-Atoll, 1996

Diese Art schreckt auch nicht von nesselnden Anemonen zurück, schiebt sich langsam über Aas, knabbert alle Wirbellosen an und wird auch Korallenpolypen wie die Dornenkronen aussaugen. Er stülpt seinen Magen nach außen und legt es um sein Opfer. Verdauungssekrete verdauen die Beute dann außerhalb des Körpers. Der Walzenseestern kann in anderen Gebieten eine unterschiedliche Färbung haben.