Nicaragua
Die meisten Revolutionen taugen nichts....

Städte in Nicaragua:

Die eigenartige Haßliebe zu León.

Matagalpa, Diriamba, Bonanza, San Juan del Sur und Fischen auf dem Pazifik.

Bootsfahrt auf dem Rio Coco

Städte und Landschaften in Nicaragua

León

Kathedrale von León, Nicaragua

Eigentlich sollte die Kathedrale, so weiß jeder im Lande, in Leon aufgebaut werden, aber in Leon in Kolumbien! In anderen Berichten heißts auch, sie sei für Lima bestimmt gewesen. Aber die spanischen Segelschiffkapitäne, die die behauenen Steine als Ballast auf der Herfahrt um Kap Horn geladen hatten, irrten sich. So hat das kleine Leon eine viel zu große Kathedrale bekommen.

 

León wurde 3 Mal errichtet. Der spanische Eroberer Francisco Hernández de Córdoba - nach ihm ist heute noch die Landeswährung benannt - und spanischen Siedlern bauten es 1524 am Nordufer des Managuasees (Lago Xolotlan) auf. Vulkanausbrüche, das schlechte Klima und hygienische Probleme zwangen aber bald zur Aufgabe der Stadt. Sie wurde 30km nördlich der heutigen Stadt wieder aufgebaut.

 

1610 wurde León dann an heutiger Stelle errichte: In 100m Höhe, 90km nördlich von Managua und 20km vom Pazifik entfernt. Lange währte der Kampf mit Granada um die Hauptstadtehre. Bis 1854 war es León. Hier ist auch die älteste Universität des Landes und die Stadt fühlte sich immer als Stadt der Intellektuellen. Hier gab es auch den größten Widerstand gegen das Regime.

 

Heute hat León 300.000 Einwohner und immer noch wird das trutzige Lied "Viva León Jodido" gespielt: Du - na ja, in den meisten Wörterbüchern ist das Verb "joder" ausgelassen, zumindest in Spanien. Hingegen hat das Wort in Nicaragua mehr eine häufig genutze, umgangssprachliche Bedeutung wie Rosi S. sagte.

 

Aber erstaunliches kommt alleine beim Nachforschen über das Verb zutage. Dankenswerter Weise hat Dieter R. den Text aufgeschrieben und Brad F. in Washington DC seine Wörterbücher und Spanischlehrerin befragt.

Viva León Jodido
Bedeutung des Wortes Jodido
Anderseits :

León, Santiago de los caballeros,

es mi linda ciudad colonial,

perfumada por los  es imponente la antigua catedral.

 

El podio de su puente castaña

donde puso ruber sus antanias para con glorias al mundo deslumbrar.

 

Por todo el oro del mundo

no cambiaría mi León,

pués lo quiero con amor profundo,

que es el cerebro de toda mi nación.

 

León puede ser abatido,

pero nunca vencido.

¡Viva León, jodido!

 

Es s la Virgen bendita,

es la gran patroncita de León,

que nos dió a la mujer más bonita

para que puede

 

En su con que León se acostumbra cambiar

en la playa de su Poneloya

está un cielo tendido junto al mar.

Por todo el oro del mundo

no cambiaría mi León,

pués lo quiero con amor profundo,

es el cerebro de toda mi nación.

León puede ser abatido,

pero nunca vencido.

 

¡Viva León, jodido!

Komponist: Tino López Guerra (1906 - 1967).

 

Den Text nach dem Hören des Liedes hat mein Freund Dieter Rüthning aufgeschrieben. Alle Achtung!

This is definitely one of those words they bury in the middle of the book.  It exists, but it is not something taught in school and NOT something they wish students new to the language to learn. 

“jodido” means to “get fucked” or “fucked up” or “fucked” or “fucking difficult” or “fucking”.

 

joder: vulgar: to fuck, to be a pain in the arse,  ¡no jodas!: bollocks!  pull the other one!  

 

1.  (fastidiar: to annoy, bother, vex, bore, irk) to fuck about or around

 

2.  (disgustar: displease, annoy) to fuck or piss off .

 

3.  (estropear: hurt, maim, damage, tamper with) to fuck (up) ¡ joder!   Fuck it!  Fucking hell!  (similar to: ¡PUTA MADRE!)

 

joderse: 

1.  (aguantarse: to hold oneself back agauntar: hold up, endure, withstand, put up with, last, hold out) to fucking well put up with it que se joda! He can fuck off!  

2.  (estropearse) to get fucked (up). 

 

Das Wort „jodido“ hat Brad Fuhrman, Washington DC, für mich erforscht. Danke Kumpel!

This is a great word!  I owe you!  My tutor won’t teach me these kinds of words that are, shall we say, very “expressive”.  Joder.  What a word.  A lot of power in this word.  A lot of ways to use it.  Thanks.  I have included below the complete description as provided by my Larousse dictionary .

Trockner Kommentar von A. S.:

Das Lied klingt aber komisch, wie von spanischen Alleinunterhaltern für Rentner, die gerade Viagra eingenommen haben.

 

Ich würde es nicht einstellen. Warum eigentlich? Außerdem knackt die Aufnahme. Willst du wirklich dafür GEMA-Strafe zahlen?

 

Das Teil handelt wohl von Banditen, die irgend etwas ausgefressen haben, oder?

Das Teil leiert.

„Pons“ übersetzt übrigens jodido mit „ficken“

Übrigens: Das Lied steht im Netz

Matagalpa

Der Friedhof von Matagalpa

Matagalpa liegt in den Bergen. Zweierlei kam und kommt hier her. Einmal die Revolution und die edelsten und bittersten Kaffeesorten der Welt. Die Revolution ist vorbei und vergessen, der Kaffeeanbau und seine schwierigen Begleitumstände sind geblieben.

Die viel zu große Kathedrale von Leon und die Zufahrt von der Carretera Sur

Für Matagalpa gilt, wie für León, Rivas, Jinotepe und alle anderen Provinzstädte das Eine: Freiwillig kommt keiner her. Wer hier etwas zu tun hat, erledigt es möglichst schnell und sieht zu, dass er wieder wegkommt.

All die Städte haben keinerlei touristische Höhepunkte und über Jahrzehnte wurde wegen der politischen Lage der nicht zu überbietenden Korruptheit der Regierung z. B. die Einrichtung von Nationalparks und Schaffen touristischer Infrastrukturen verschlafen. Costa Rica war da cleverer.

Matagalpa Zentrum

Bonanza

Bonanza Airport

Riecht so ein Flughafen nicht nach Abenteuer? Ist doch alles da: Empfangsgebäude, Tower, Runway, Zoll für die International Flights, Ticketverkauf bei Regen im Wrack! Jedenfalls hat das Fliegen hier mehr Spaß gemacht, als einer von einer Million Reisenden in London Heathrow zu sein, wo regelmäßig das Gepäck verloren geht.

Hier zog man sich seine Reisetasche noch selber aus dem Frachtraum heraus und verabschiedete sich von den beiden Piloten per Handschlag und sah ihnen hinterher, wenn sie die 12-Zylinder-Sternmotoren auf Touren brachten und, bevor sie von der Bremse gingen, noch schnell das Kreuz schlugen.

Bonanza - der Name sagt es fast: Hier gab/gibt es Gold. Außerdem Zink, Zinn und andere Erze in hoher Konzentration. Mitten im Urwald ohne Straßenanbindung wurde nach Gold geschürft. Damals hatte eine amerikanische Mining Company eine License und 12 Leute deutsch-amerikanischer Herkunft arbeiteten im Bergwerk. Einige hatten ihre Familien hier.

Über Radio angekündigt wurde der Besucher freudig am Airport empfangen, so froh waren sie über die Abwechslung im Dschungelcamp. Sie brauchten dann nicht das viele Bier alleine trinken. Irgendwann wurde

dann gesungen - und die Gastgeber waren enttäuscht. Sie kannten auch noch von dem ältesten deutschen Volkslied selbst die allerletzte Strophe währende die echten Deutschen maximal mit der Titelzeile klar kamen.

Klar, dass am nächsten Tag die ganze Anlage gezeigt wurde und es auf 1700m unter NN hinunter ging, mit Helm und Grubenlampe. Verblüffend: Der Korb lief ratternd in Holzbalken in die Tiefe. Alles Eisenholz der Gegend war zum Schachtbau verwand worden, die Balken wurden mit Eisenklammern zusammengehalten.

Aber um die Klammer überhaupt in das härteste aller Hölzer schlagen zu können, mussten diese rotglühend gemacht werden. Die 2. Überraschung auf der Sohle: Der Gastgeber steckte sich erst einmal eine Zigarette an! Keine Schlagwetter im Erzbergbau war die Erklärung!

Das gewonnene Erz wurde per Flugzeug weggebracht und natürlich wollte man über Ertrag, Steuern usw. nichts verlauten lassen. Aber irgendwie klang es so, als würde keine Steuer gezahlt. Dafür könnte, ganz vorsichtig ausgedrückt, so ein kleines Drittel in der Privatschatulle von Somoza versickert sein....

Diriamba

Basilika de San Sebastián in Diriamba

Diriamba ist berühmt für farbenfrohe Fiestas. Es ist so etwa wie die lokale Hauptstadt für Folklore. Hier wird gerade eine Fiesta für Kinder von 4 - 10 Jahren gefeiert, mit allem nötigen Ernst.

Die kleine Stadt liegt an der Carretera del Sur in der Mitte zwischen Managua und Rivas. Der Verkehr in Richtung Süden geht rechts an ihr vorbei...

San Juan del Sur

Die Bucht von San Juan del Sur

Sollte wirklich einmal der neue Kanal zwischen dem Pazifischen und dem Atlantischen Ozean gebaut werden, würde er hier in San Juan del Sur den Pazifik erreichen. Der kleine Fischerort und selbst die Felsen rechts und links der Bucht müssten weichen.

Die Küste um den kleinen Fischerort herum ist felsig und gehört zu dem schönsten Teil der Pazifikseite des Landes.

Früher waren die einsamen Buchten kaum mit dem Auto zu erreichen und wenn, wurden die Zufahrten wie ein Geheimniss gehütet. Auch waren sie schwer wiederzufinden weil die Spuren schnell wieder zuwuchsen.

Fischen

Fischerboot vor San Juan del Sur

An einem Sonntag jeden Monat wurde in San Juan del Sur ein Fischerboot diesen Typs (nur ohne das Fanggeschirr) gemietet um den Nahrungszettel mit Fisch zu bereichern. Und um Abenteuer zu erleben.

Die Fischer fuhren ja am Sonntag nicht raus und so waren die Boote für 100 US$ zu mieten. Sie hatten mit Blech ausgeschlagene große Eisboxen für den Fang denn die Boote blieben oft eine ganze Woche auf dem Meer. Auch schon Mitte der Siebzigerjahre, so beklagten sich die Fischer, mussten sie immer weiter hinausfahren, um an den besten Fisch,  Rotbarsch , zu kommen.

Fisch auf dem Mercado

Lohnt sich doch, oder?

Jetzt ist der Ozean vor der Küste leergefischt. Wenige Kilometer weiter im Süden, im gleichen Gewässer vor  Costa Ricas Küste, war im Februar 2005 nicht mal mehr ein Fischschwanz zu sehen und hauptberufliche Fischer gab es auch nicht mehr.

Fisch gab es in Managua nur, wie auf dem Bild zusehen, auf dem Markt zu kaufen. Er lag in praller Tropensonne ohne jede Kühlung. Dabei liegt die Stadt keine 30 km Luftlinie vom Ozean entfernt.

Jedenfalls wurden in der Eisfabrik in  San Juan del Sur Stangeneis gekauft, allerdings nicht in erster Linie für den noch zu fangenden Fisch, sondern erst einmal um Bier

und Cola für den  Flor de Caña zu kühlen. Meist kam sofort nach der Abfahrt aus der kleinen Bucht die ersten Fische hinzu.

Schleppfischen

Die Fahrten gingen immer nach Süden, oft in die Gewässer vor Costa Rica. Gefischt wurde mit Handleinen aus Plastik mit ca. 200kg Reisskraft. Ein kräftiges Vorfach, manchmal mit großem Blinker oder ein großer Haken mit buntem Plastik - mit oder ohne Fischkopf - brachten beim Schleppangeln viel erfolg. Der beste Fisch, der dabei Anbiss, waren die  Delpfinfische (span.:  Dorado ). Die sprangen 2m aus dem Wasser bei dem Versuch, den Haken wieder los zu  Delpfinfisch und es dauerte lang, sie an Bord zu bekommen. Bissen sie an, schnitt die Leine hart in die Hände.

Der erste Fisch mit festem Muskelfleisch, und nichts war da besser als der  Delpfinfisch,  wurde roh gegessen. Na ja, nicht ganz. In einer Salza aus Limonensaft, Chili, Zwiebeln, Pfeffer und Salz wurden die in Würfel geschnittenen Filettes eingelegt und eine Stunde in die Sonne gestellt -  Ceviche schmeckt hervorragend.

Reicht ja für diese Woche:  Grouper (Weißbarsche)

Beim Schleppfischen im Blauwasser bissen sehr oft Makrelen an, herrliche grüngold schimmernde, bis 80 cm lange Tier: Die  Kalifornische Goldmakrele . In küstennähe oder um kleine Felseninseln herum waren es  Barracudas . Groß und stark waren die  Bonitos (fälschlich als "Falscher Thunfisch" bezeichnet). Sie wurden nicht so gerne genommen. Sie haben ein rotes Fleisch und schmecken nicht so gut. Aber einen 3 oder 5 kg schweren, dicken und rundlichen Fisch an der Leine zu haben, machte schon Spaß.

Gelbflossenthunfische waren da schon begehrter aber auch seltener und viel größer. Die Maschine musste dann gestoppt werden und alle anderen Leinen waren einzuholen, sonst hätte es nur Knoten gegeben. Wehe, die Leine war beim Anbeißen als Schlaufe um die Hand gelegt. Da floss schon mal das Blut.

Unerwünschter Beifang

Warf man danach den Blinker in hohem Bogen wieder in die See, kam es schon mal vor, dass ein  Fregattvogel herabstieß und man unerwartet einen großen, schwarzen, furchtbar nach Fisch riechenden Vogel an der Angel hatte. Der  Fregattvogel saß dann ziemlich erschrocken auf der Holzreling, erholten sich aber schnell wieder und flogen von dannen.

Hatte die See eine undurchsichtige, flaschengrüne Färbung, gab es den meisten Fisch. Dann war alles voll Plankton. Nach Weihnachten reichen die Stömungüausläufer des kalten Humboldtstromes bis an die Küsten Nicaraguas. Der Strom aus der Tiefe des zentralen Pazifiks trifft auf die Küste von Perus und Ecuadors, brachte dort Jahrhunderte lang den größten Fischreichtum der Welt, löst dort das Wetterphänomen El Niño aus. Die kalte Strömung teilt sich, bringt im Süden Chiles Küste Trockenheit und Wüste und reicht eben manchmal im Norden bis nach Mittelamerika.

Einmal tauchte ein riesiger  Blauwal auf. Der Teil des Rückens, der als Buckel aus dem Wasser schaut, war größer und breiter als das Boot. Natürlich setzten sich alle sofort die Taucherbrillen auf und Flossen an und sprangen, ohne noch groß auf Haie zu achten, ins Wasser. Aber außer einer grauen Wand war nichts zu erkennen. Das Wasser bot kaum mehr als 3 m Sicht.

Ein andermal sprang kurz hinter den Schleppleinen ein 5 m breiter Rochen senkrecht aus dem Wasser und donnerte krachend auf die aufspritzende Oberfläche, so dass einem vor Schreck die Bierflasche aus der Hand fiel. Es war ein  Teufelsrochen,ein Manta birostus.

Wenn irgendwo auf der See in der Ferne viele Vögel über einer Stelle kreisten, gab es nur eines: Mit voller Fahrt dort hin! Die Fischer machten dann schon den Gasherd an und holten eine große Pfanne raus, erhitzten Speiseöl. Die Vögel hatten verraten, wo sich ein  Sardellenschwarm aufhielt. Sie warfen eine Pütt ins Wasser und zogen den Eimer voller Sardinen heraus. Aus dem Eimer kamen die kleine Fische so wie sie waren ins Öl. Salzen und essen, so wie sie aus dem Meer kamen - köstlich!

Pelikane , Fregattvögel , Seeschwalben , Möwen fraßen den Schwarm von oben auf. Thunfische, Haie, Makrelen und alle anderen Räuber fraßen den Schwarm von unten auf. Bei der Ankunft hatte der Schwarm noch eine Kugelform, war vielleicht 10 qm groß. Warf man den nackten Haken hinein, wimmelte das Bootsdeck in Minuten von großen Fischen den aus allen Öffnungen kleine, zappelnde Fische herraus rutschten.

Grundfischen

Einfahrt in den Naturhafen von San Juan del Sur

Eigentlich fuhr man ja zum Angeln in der Tiefe hinaus, um an den besten Fisch zu kommen, den das Meer hergibt: Rotbarsch.

Nun waren die Fischer die Woche über ebenfalls hinter Rotbarsch her und dachten beim Teufel nicht daran, die wilden Angler zu guten Fanggründen zu fahren. Aber zu irgend einer nur 30 bis 50 m Untiefe weit vor der Küste fuhren sie schon.

An die Leine kam ein Blei von mehr als einem halben Kilogram und ein Köder aus möglichst heller Farbe und trotzdem dauerte es lange, bis alles auf dem Grund ankam.

Strömung, die Bootsbewegung und die lange Dühnung des Stillen Ozeans, Felsen auf dem Grund: man hatte zu tun während die Spannung steigt.

Irgend etwas biss immer an, aber Rotbarsch gab es nicht all zu oft. Der Fisch wird über 100kg schwer, kommt dann aber aus 200m Tiefe. Da er zu den Skorpionsfischen gehört, sind seine Stacheln giftig und der darf deswegen z. B. in Deutschland nur als Filet verkauft werden. Die Rotbarsche aus diesen Tiefen hier waren um die 4 kg schwer.

Egal, was man aus der Tiefe empor zog, den Fischen quoll die Schwimmblase aus dem Maul heraus. Oft war jeder 2. Biss ein Hai, mehr oder weniger groß. Spürte man nichts an der dicken Leine, keinen Ruck, kein Aufsetzen auf dem Grund, war garantiert ein Hai dran. Zog man die Leine ein, schwammen die Haie hinter her. Offensichtlich verspüren sie Schmerzen. Schlimm war, das man die schönen Tiere herausholen musste - die nächsten 1ser Haken gab es nur in den USA zu kaufen.

Kurz unter der Wasseroberfläche legten die Hai dann los und schlugen mit den Schwänzen verdammt kräftig um sich. Meist bissen kleinere  Hammerhaie an. Es waren aber auch 3 m lange  Graue Riffhaie dabei. Dann dauerte es lange, bis man den wertvollen Haken wieder hatte.

Häufig war eine  Riesenmuräne am Haken, die überall im Pazifischen und im Indischen Ozean vorkommende Gymnothorax javanicus . Da traute sich keiner heran, die Leine wurde gekappt, Haken und Vorfach war dann verloren. Sogar ein großer  Krake samt Felsen kam mal an Bord. Der Motor musste angeworfen und die Leine freigeschleppt werden. Erst kurz vor der Oberfläche ließ er seinen Stein los. Auf dem Achterdeck war alles voll schwarzbrauner Tinte aber irgend wann glitt er wieder über Bord und verschwand in der Tiefe.

Der häufigste Speisefisch, der als Filet mit nach Managua kam, war der Grouper, ein Weißbarsch.

Es gab auch Tage, da biss nichts, absolut nichts. Nie gelang es uns zu merken, wann es war: vor Neumond oder bei Vollmond? 3 Tage vorher/nachher? Egal. Auch diese Tage auf dem Meer waren einfach herrlich. Das Licht, die Stimmung, das unendlich weite Meer, die langgezogenen Wellen - es gibt nichts schöneres als auf dem Pazifik weit draußen vor der Küste umherzuschippern.

San Juan del Sur am Pazifik im Südwesten Nicaraguas. Mittags. Die Sonne glaast. Mit der Canon F1 und dem Normalobjektiv voll reingehalten. Der Agfa-Diafilm mit 100 ASA kam bei einer 1/2000 sek und Blende 32 nicht mit: Er belichtet nur die Silber- und die Goldtöne. Eine fotografische Spielerei also.

Sumu - Indianer am Río Coco

Nur ca. noch 3 % der Bevölkerung Nicaraguas (4 Mio.) sind Indianer. Die Mískiots und die Ramas leben an der Ostküste, die Sumus fast in der Mitte des Landes am Rio Coco, dessen nördliches Ufer zu Honduras gehört. Den Indianern geht es schlecht; seit Jahrhunderten schon.

Vielleicht war das der Grund, warum der damalige Deutsche Botschafter, Götz Freiherr von Houwald, sich der Indianer - genauer: der Sumus - annahm. Er erlernte die Sprache und veröffentlichte das erste Wörterbuch Sumu-Spanisch, Spanisch-Sumu, adoptierte einen Jungen, dem er in Managua eine Schulausbildung ermöglichte. Mit 68 Jahren promovierte der Botschafter nach dem Ausscheiden aus dem Diplomatischen Dienst an der Universität Köln/Bonn über die Geschichte der Sumus.

Derzeit leben ungefähr 7000 Sumu-Indianer in 30 Dörfern. Sie selbst nennen sich Mayangna was wohl "Wir" bedeutet. Nicaragua hat ihnen und den Mískioto-Indianern angeblich 7500qkm Wald zugesprochen. 500 Jahre Unterdrückung haben sie ja schon hinter sich...

Versehen mit einem Flugticket nach Puerto Cabeza, vielen Preisinformationen und einem Brief des Herrn Botschafters dauerte die Anreise zu den Sumus von Managua aus nur zweieinhalb Tage.

Literatur

Conzemius, Eduard. Ortsnamenlexikon der Mosquito-Küste.

                                Hrsg. aus dem Nachlass und vermehrt von Götz Freiherr von Houwald und Berthold Riese.

                                1997. 280 S. 29,80 Euro. 16,5 x 24 cm. 3-88345-729-9.

Götz Freiherr von Houwald: Kulturwandel bei den Mayangna (Sumu) in Mittelamerika

Haberland, Wolfgang, Buchbesprechung zu: Götz Freiherr von Houwald. Mayangna = WIR: Zur Geschichte der Sumu-Indianer in Mittelamerika, in: Mesoamerica, Nr.23, Antigua/Vermont, 6/1992, S. 217-218

Götz Freiherr von Houwald in "Deutsches Leben in Nicaragua",

Rio Coco. Grenzfluss zwischen Nicaragua und Honduras (am anderen Ufer).

Einbäume

Länge läuft

Der lange Einbaum war schnell gefunden, der Mann mit einem Motor, den Orts- und Spanisch-, Englisch- oder Sonstwaskenntnissen auch. Wertvoll die Preiskenntnis. Er verlangte zuerst glatt das Doppelte.

Die Sprachkenntnisse stellten sich nicht als wichtig heraus. Der Bootsführe wusste was er zu machen hatte und sprach nie wieder. Er war ein Profi. Sein wichtigster Besitz war eine leicht rostige Blechbüchse mit weichen Holznägeln.

Neuen Nagel bitte...

Mindest 2 Mal die Stunde blieb die Schaube an unter der Wasseroberfläche treibendem Holz hängen und der Scherstift brach ab. Dann war wieder ein neuer Nagel fällig.

Der Motor hatte 17 PS. Jeder, der schon mal richtig auf dem Wasser war, weiß: Länge läuft! Der Outborder brachte den Baumstamm auf 30 km/h. Vorteil: Die Moskitos kamen nicht mit. Nachteil: Der Fahrtwind pfiff um die Ohren, machte den Schweiß auf dem Rücken eiskalt.

Viel war nicht los auf dem Fluss. Hin und wieder standen Leute am Ufer und wollten mit. Waren es nur ein oder zwei, durften sie, und das Boot ohne Tiefgang schwankte gefährlich beim Einsteigen.

Die Frage, ob er sie mitnehmen durfte, wurde durch nicken gestellt - und beantwortet. Ein ausgestreckter Arm der zugestiegenden beendete deren Reise und beim Ablegen wechselte etwas ins Heck, in die Hand des Bootsmannes.

Ohne jede Pause knatterte das Boot pfeilschnell über den Fluss der keine erkennbare Strömung zeigte. Sieben Stunden schon. Unterbrochen nur für das Wechseln der Scherstifte und Nachtanken aus den Kanistern, zwei- oder dreimaliges Zusteigen von ebenfalls stummen Reisenden.

Begegnung

Sehr enttäuschend die Tierwelt an den grünen Ufern: Es gab gar keine! Nicht einmal Kuhreiher, geschweige denn große Iguanas oder gar Kaimane. Auffällig auch das Fehlen großer Bäume in ufernähe, aber, je weiter es den trägen Rio Coco hinauf ging und damit ins Landesinnere, je dichter wurde die Vegetation.

Neubau

In der Lichtung das Dorf der Sumu

Übernachtung

Den Nachmittag über hatte es sich eingetrübt und als sich das Boot mit dem letzten Licht ein paar Hütten nährte, hingen schwere Regenwolken tief am Himmel. Das es ein etwas größeres Dorf sein musste, war nur an dem festen Anleger zu erkennen.

Der Bootsmann ging auf den größten Bau zu, einer Tienda auf Holzpfählen mit weit heruntergezogenem Wellblechdach und einer Verander drumherum. Alles war vollgestellt mit Waren und es roch stark nach Schmierseife. Das Haus hatte nur den einen Raum. Wo man hier schlafen sollte, war nicht zu erkennen. Kein Quadratzentimeter unter dem Dach war frei.

Was der Bootsmann den ganzen Tag über nicht gesagt hatte, holte der Chef des Ladens mit dem Vollsortiment für Waldbewohnern in wenigen Minuten nach. Er plapperte ununterbrochen - nur: in einer nie gehörten Sprache.

Der beste Schaukelstuhl auf der Verander wurde freigeräumt, mit Fußtritten einige Hühner vertrieben, man bekam ein herrlich kaltes Bier in die eine und einen Blechteller mit "arroz con pollo" in die andere Hand gedrückt. Zusammen mit den scharfen "salzas" von der Holzkiste ein prima Essen nach dem langen Tag wo es nur mal eine Cocosnuss gegeben hatte.

Es war dunkel geworden und regnete. Ein Generator ratterte ganz in der Nähe und eine einzige Glühbirne von mindestens 40W beleuchtete das ganze Haus. Die grünen Spiralen (Tiger Coils) glimmten vor sich hin aber die Tausende von Moskitos müssen das irgendwie falsch verstanden haben.

Es regnete stärker. Noch einige Aguila - Biere und die Frage der Schlafstätten wurde aus das simpelste gelöst: Na klar, Hängematten! In den Dingern muss man allerdings schlafen können. Zumal, wie hier, wenn keine Querstäbe das Geflecht auseinander halten. Sich diagonal reinzulegen ist das Geheimnis. Dann liegt man fast gerade und am nächsten Morgen ist der Rücken und das Genick nicht so krumm wie der Panzer einer großen Schildkröte.

Es regnete noch stärker. Im Nu waren in dem Luftraum über den Waren gekonnt 7 Hängematten gespannt. Nur der zahlende Gast bekam ein extra Seil über die Hängematte damit ein Moskitonetz ihn schützen sollte. Der Generator wurde ausgeschaltet und um halbneun kroch jeder

in seine Matte, so wie er war. Aber die Geräuschbelästigung verschwand nicht - im Gegenteil: sie wurde lauter.

Telekommunikationseinrichtung: Bambustrommel

Denn jetzt regnete es richtig. Es trommelte auf das Blechdach so laut, dass das kaputte Stromaggregat als Hintergrundmusik durchgegangen wäre. Immer, wenn man sich keine Steigerung des Regens mehr vorstellen konnte, kam noch mehr Wasser vom Himmel herunter. Es war so dunkel, dass die Fenster- und Türöffnungen nicht mehr auszumachen waren.

Die Luftfeucht war extrem hoch. Es zog. Die Matte schauckelte leicht, Mücken summten und stachen von unten. Das Wellblechdach spielte ein auf- und abschwellendes Schlaflied, die Nase gab es auf, die 1000 Gerüche auseinander halten zu wollen, draußen das langgezogene Heulen eines unbekannten Tieres - kann man irgendwo auf der Welt besser schlafen?

Frühstück

Dorfmitte mit Trommel aus Bambusrohren

Großfamilie

Peinlich. Wachwerden durch die Stimmen der ersten Kunden in der Tienda. Von den anderen Hängematten keine Spur. Die Sonne scheint hell. Noch peinlicher: Beim Versuch, elegant auf zu stehen, auf den Boden zu knallen. Kennt es noch jemand, wie schnell man aus so einem Ding herausfällt?

Der Blechteller vom "Reis mit Huhn" lag noch auf dem Boden der Verander. Blitzblanksauber. Wer war das? Die Hunde, Schweine, Hühner? Eine dicke Alte sammelte Teller und Löffel ein und kam verdächtig schnell damit wieder zurück.

Ein riesiger Berg  gallo pinto , 2 Spiegeleier, Avocado, Tomate, einige Stücke Yuka waren darauf. Fürsorglich wischte sie den Löffel noch mal am Hintern ab, zeigte grinsend alle beiden Zähne, einen rechts, den anderen links unten.

Überall bei den schwer Arbeitenden in Lateinamerika gibt es  gallo pinto (Hahnentritt, Pepita, Salz und Pfeffer, Weiß und Schwarz oder was auch immer: Reis mit Schwarzen Bohnen) zum desayuno. Meist die einzige Mahlzeit vor dem Abendessen.

Muss man  gallo pinto nicht immer essen - so 1-2 mal im Jahr - kann es ganz gut schmecken. Das viele Öl in der Pfanne sollte dann allerdings nicht aus einem alten Motor stammen. So wie hier hat man nur eine Chance: es höllich scharf zu machen und einen richtig großen Hunger zu haben.

Sumu

Der Skipper drosselte nach ein oder zwei Stunden die Geschwindigkeit und suchte aufmerksam das linke Ufer ab. Dann ging es langsam in einen Zufluss hinein. Es wurde immer dunkler unter den Baumkronen und der lange Kahn bekam Schwierigkeiten im schmaler und flacher werdenden Fluss. Vorallem in den Biegungen. Das Wasser war nur knietie, kristallklar und angenehm frisch im immer dichter werdenden feuchten Urwald. Sonst sind überall in Centro America alle großen Flüsse lehmbraun, undurchsichtig-unheimlich. Der Einbaum lies sich ganz leicht mit einer Hand ziehen.

Als es gar nicht mehr weiterging deutete der Bootsmann mit ausgestrecktem Arm auf einen kaum sichtbaren Pfad, der eine lichtere Uferböschung empor führte. Heute hatte er überhaupt noch nicht gesprochen. Auf das "Buenos dias" hatte er nur freundlich genickt.

Die Schönheit und Ruhe der Lichtung, in der das Dorf lag, nahm einem den Athem. Es ist einer der unvergessen und schönsten je erblicken Orte in der Welt und so in Erinnerung geblieben. Auf dem Foto oben nicht darzustellen. Ein kleiner Bach musste noch überquert werden und dann stand man mit schlechtem Gewissen mit zwischen den ärmlichen Hütten.

Was würden wir sagen, ginge plötzlich zuhause einfach unerwartet die Wohnungstür auf und ein Japaner trampelte grinsend mit Fotoapparat vor der Nase mitten durch das Wohnzimmer?

Und die Sumu - Indianer? Die Männer waren wohl alle im Wald und bei dem Rest sollte man sich noch nachtäglich entschludigen.

Adiós Río Coco