Brandenburg

Neuer Garten Potsdam

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Der Park, Heiliger See, Marmorpalais, Schlossküche, Pyramide, Grünes Haus, Rotes Haus, Obelisk, Meierei, Orangerie, Eremitage, Gotische Bibliothek

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Orangerie, Holländisches Etablissement

Der Park

Einer der schönsten Seen Brandenburgs: Heiliger See. Im Hintergrund die Havel. Der letzte FKKler friert sich was ab - es ist der 26.09.2009

Achtung: Mammut!

Der Park im Oktober 2008

Zwischen 1787 und 1792 kaufte Friedrich Willhelm II - er war da noch Kronprinz - das ehemalige Gut und erweiterte es mit der Zeit auf 102 ha.

 

Englische Landschaftsgärten waren in Mode gekommen. Er kannte die Anlagen in Wörlitz (im damaligen Fürstentum Anhalt-Dessau) und wollte ebenfalls etwas Neues schaffen, die Neuen Gärten eben.

 

Sie sollten sich von den barocken Anlagen Sanssoucis abheben, den neuen Zeitgeist verkörpern.

 

Zum richtigen englischen Landschaftsgarten mit den heute noch bestehenden Sichtachsen zum Schloss Babelsberg, Glienicke, zur Pfaueninsel und nach Sacrow gestaltete den Park erst Peter Joseph Lenné um. 1816, noch als Gartengeselle, bekam er den Auftrag dazu

 

Die ganze Anlage war verwildert, gezeichnet von der Viehhaltung. Lenné pflanzte wohl auch Bäume in Dreiergruppen (s. Bild).

 

Dafür sollte er posthum den Nobelpreis bekommen - so schön ist keiner mehr mit Natur seitdem umgegengen

 

Es ist ein sehr schöner und gepflegter Park, geschützt von uniformierten Parkwächtern....

Garantiert: Lenné hat diese Edelkastanien anno 1816 gepflanzt!

Im Park

Heiliger See

1,33 km lang, ungefähr 300 m breit, vor einigen Jahren noch 14 m tief und glasklar kippt dieser schöne See jetzt an heißen Tagen um.

Er ist nur noch 10 m tief, Laub verfault in der Tiefe und die Zeiten, wo Aale und Hechte zum Laichen aus der Havel hier her kamen, sind vorbei.

Baden ist zwar verboten, wird aber vor dem Grünen Haus geduldet. FKK ist angesagt im gepflegten Park, aber fast nur gepflegte Männer lassen da gemächtig was hängen...

Heiliger See im September 2009

Marmorpalais

Das Marmorpalais im April 2010

Zwischen 1787 und 1792 wurde das Marmorpalais im Stile des Frühklassizismus von Gontard und, 2 Jahre später, auch von Langhans, dem Erbauer des Brandenburger Tores, erbaut.

Von hier aus konnte der Kaiser selbst das Schloss Charlottenburg bequem über das Wasser erreichen. Per ratternder Kutsche war das ja fast mehr als eine Tagesreise.

Die Kaimauer vor dem Palais wird gerade restauriert.

Frisch renoviert für 15 Millionen Euro im Sommer 2009. Aufnahmen vom April 2010.

Schöne Details

Die Terrasse

Die Wirtschaftsgebäude des Marmorpalais
Schlossküche

Ein versinkende Tempelruine als Küche für das Marmorpalais

Im Jahre 1788-1790 wurde auch von Carl von Gontard die Küche in Stil eines versunkenen Tempels westlich vom Marmorpalais direkt am See gebaut. Durch einen unterirdischen Gang sollten die Speisen warm auf den Tisch kommen ohne von Essensgrüchen beläßtigt zu werden.

Als versinkende Tempelruine gebaut war hier die Schlossküche untergebracht

Pyramide

Wer sich in diesen Teil des Parks verirrt, ist mindestens verblüfft, plötzlich und unerwartet auf eine Pyramide zu treffen: Der Sinn und Zweck erschließt sich nicht von alleine.

Es ist ja auch nicht leicht für Außenstehende, den Gedanken der Logenbrüder der Freimaurer vom Geheimbund der Rosenkreuzler zu folgen. Deren Mitglied war der Bauherr Friedrich Wilhelm II.

Die Pyramide ist 5 m tief unterkellert: Es war die Speisekammer des Mamorpalais

Die Pyramide wurde 1791 bis 1792 errichtet und ihre Funktion sollte, wie alle anderen Bauwerke auch, von außen nicht ersichtlich sein. Die Freimaurerregeln wollen es so.

Carl Gotthard Langhans und Andreas Ludwig Krüger überbauten also den 5 m tiefen, nur 2 qm großen Eiskeller mit einer Pyramide, die Küche als versinkende Tempelruine und die Bibliothek wurde gotisch ausgelegt.

Im Winter wurde Eis aus dem See gesägt und in die Speisekammer gebracht, aus der die Bewohner des Sommerschlosses versorgt werden konnte.

Die Pyramide im Frühling 2010. Ob noch Eis im Keller lagert? Und Käse aus der Meierei? Kann ja eh keiner mehr bezahlen!

Meierei

Die Meierei im Morgenlicht eines Frühlingstages im April 2010 von der Eremitage aus gesehen

Mit dem Ende des Barocks (17./18. Jh.) und des Rokokos (ca. 1740-1770), beides liebte Friedrich der Große, wandte man sich im Klassizismus (ca. 1760-1840) wieder dem Landleben zu. In dem heute so gepflegten Neuen Garten weideten Kühe, Schafe, Ziegen. Eine Meierei musste her, gehörte zu jedem Schloss. Fast in Sichtweite, neben dem Schloss Babelsberg, gibt es eine weitere.

 

Die Meierei entstand um 1790. 1844 wurde sie von Ludwig Persius festungsähnlich in Stile der Normannen um. Ein Pumpwerk förderte Wasser auf den Pfingstberg, bewässerte den Neuen Garten. Ab 1861 wurde Bier gebraut und ein Biergarten mit 1500 Plätzen entstand. Er war bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges sehr beliebt.

 

1945 brannte das Anwesen aus, lag danach unbeachtet im Grenzbereich. Seit 2003 ist es wieder eine Gaststätte.

Wohngebäude
Grünes Haus
Rotes Haus

Das Rote Haus im Herbst 2009

Das Rote Haus im Frühling 2010

Schindelhaus

Das Schindelhaus von 1790 mit dem unvergleichlichen Dach

Obelisk

Der Obelisk aus bläulichem Marmor wurde 1793/94 nach einem Entwurf von Carl Gotthard Langhans errichtet. Im Sockel sind reliefartig die vier Jahreszeiten dargestellt.

 

Es ist einer von 4 weiteren Obelisken in Potsdam.

Der Obelisk im Neuen Garten

Eremitage

Die Südseite

Die Westseite

Die Nordseite

Gotische Bibliothek

Die Landzunge im Jungfernsee - von der Havel durchflossen - nennt sich "Quapphorn". Hier ließ Friedrich Wilhelm II 1796 ein seltsames Gebäude errichten, eine Einsiedelei oder eben eine Eremitage.

 

Carl Gotthard Langhans und J. G. Brendel hatten ein kleinen Holzbau zu errichten, seltsamer Weise ohne Fenster und mit einer kaum sichtbaren Tür. Licht fällt nur durch einen ovalen Dachaufbau ein. Die Wände außen waren mit Eichenborke verkleidet.

 

Der Pavillon stand und steht auf einem Sockel von 7,33 m Länge und 5,77 m Breite. Der Fußboden war mit einem Mosaik aus weißem und schwarzem Marmor ausgelegt der in der Mitte eine Weltkarte darstellte.

 

Die Wände waren vertäfelt mit Schnitzerein und Furnieren, 3,40 m hoch, nach einem Entwurf von Langhans. In den vier Ecken standen ca. 1,5 m hohe Gipsfiguren auf Sockeln. Die kuppelförmig, ovale Decke war prachtvoll mit astronomischen Motiven ausgeschmückt.

 

Als Möbel gab es wohl nur zwei mit blauer Seide bezogene Sofas und zwei kleinen runden Tischen.

 

Die Eremitage hat zwei Weltkriege überstanden und den Einmarsch der nicht zimperlichen Russen. Die DDR riss alles im Zuge des Mauerbaues ab, 1964, Grenzgebiet, freies Schussfeld und so ein Quatsch...

 

Einen Tag vor dem Abriss konnten Teile der Innenausstattung noch von der Schlösserverwaltung gerettet und eingelagert werden, befinden sich aber in schlechtem Zustand.

 

Der Rotary-Club betreibt mit Spendengeldern seit 1995 den Wiederaufbau, vorerst ohne Inneausstattung.

 

Wohl nur zu Gartenverzierung, eine Mode im 18. Jh., errichtet möglichst abgelegen im Wald, eine Wohnung eines Einsiedlers nachahmend.

Die Gotische Bibliothek in der Morgensonne. Im Hintergrund das Marmorpalais.

Friedrich Wilhelm II. lies die Gothische Bibliothek 1792-1794 nach einem Entwurf von Carl Gotthard Langhans errichten.

 

In unteren Stockwerk fanden die französischen, im oberen die deutsche Bücher ihren Platz.

 

Seine geheime Bibliothek bewarte der Geheimbündler  Friedrich Wilhelm II. lieber im Marmorpalais auf.

Welch eine schöne Treppe! Pure Gotik

Viele Bücher gingen in diesen Prachtbau ja wohl nicht rein

Die Gotische Bibliothek von der Seeseite aus gesehen

Sonstige kleinere Anwesen am Heiligen See

Am südlichen Ufer des Heiligen Sees haben sich nach der Wende einige Leute gut eingerichtet

Oh, der Herr ist zuhause!