Afghanistan
 

Es war eines der schönsten Länder der Welt

Von Kabul aus in Richtung Norden

 

Auf vielen Fahrten zu Einsatzorten im Norden des Landes musste der Hindukusch zu jeden Jahreszeiten

überquert werden. Es war jedes Mal ein Erlebnis, dort mit dem Auto herumzufahren, wo in Europa die Berge

aufhören. Senkrecht nach oben geschaut, zeigt sich hier der Himmel fast schwarz. Klar, dass die Neugier einen

auch in die befahrbaren Nebentäler trieb, von denen man später nur noch aus der Kriegsberichterstattung etwas

hörte und danach nie wieder.

Paghman

Das sommerliche Ausflugsziel der Kabuler liegt nur knapp 30 km nordwestlich der Stadt am Hang des

Hindukuschs. Die Paghmankette ist hier 4300 m hoch und der Ort liegt auf 2000 m. Hier oben gab es wirklich und

wahrhaftig - Bäume! Etwas, was es 2006 in dem Land 3 mal so groß wie Deutschland, wohl nicht mehr gibt.

König Amanullah hatte hier um 1920 seine Sommerresidenz und daher stammt auch der Triumphbogen.

Irgendwann gab es eine Aufnahme vom Bogen im Fernsehen und zeigte nur noch total zerbombte Reste. Nur

weil die Idioten vom Land hinter der Nordgrenze den Hals nicht voll genug bekommen konnten. Der Einmarsch in

Afghanistan dürfte allerdings mit zum Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs entscheidend beigetragen haben.

Welch eine Rache!

Links, die Nussbäume auf einer Aufnahme von Januar 1971, rechts ein Bild vom Oktober 1979, 2 Monate vor der sowjetischen Okkupation. Man fuhr wirklich hier hoch, um mal Bäume zu sehen und frische klare Luft zu atmen.

 

Damals hatte Kabul so um 350.000 Einwohner und nur wenige Autos. Aber morgens und abends, wenn die Holzfeuer angingen um zu kochen, lag ein blauer Schleier über der Stadt. Im Winter, wenn geheizt werden musste, konnte der schon ganz schön dick werden.

Istalif

Räuberisches Bergdorf am Rande des Hindukusches? Es

kam einem jedenfalls so vor, wenn man an den abweisenden

Mauern auf den Lehmwegen des Dorfes entlangfuhr - so wie

es das Bild unten links zeigt - in einer anderen Zeit, in einem

anderen Jahrhundert.

 

Von Kabul aus musste man die einzige Teerstrasse nach

Norden nehmen, Richtung Salang. 40 km ungefähr und dann

links abbiegen. Sie führte durch das grüne Koh-e-Damantal,

knorrige Straßenbäume und uralte Weinstöcke gab es zu

sehen. Die Russen haben beides abgeholzt, um freies

Schussfeld zu haben. Macht ja nichts: in 2 oder 10

Generationen gibt es vielleicht wieder Bäume.

 

Von der Hauptstraße ging es dann nach Westen auf die

Paghmankette zu, 15km, und da klebte das Dorf am Berg. Es

war bekannt für seine seltsam leuchtenden blaugrünen

Keramiken. Vielleicht ließ man die Besucher nur deswegen

am Leben, weil man ja Käufer für die schönen Tonwaren

braucht.

 

Nein, Spaß beiseite: Jeder war hier in der Zeit vor der

russischen Okkupation sicherer als heute bei Dunkelheit am

Kölner Hauptbahnhof!

 

Istalif soll sich vom griechischen Wort für Traube (Stabphilae)

ableiten. Wie schon gesagt, gibt es hier 52 Arten Weinreben.

Wahrscheinlich verbreiteten sich die Reben von hier aus um

die Welt.

In Istalif findet man die typische

Architektur reicherer Dörfer mit den

Materialien Lehm, Stroh und

dünnen Pappelholzstämmen.

Man bekam ein richtig schlechtes

Gewissen hier mit dem Käfer

entlang zu fahren.

Dorfstraßen in Istalif

Die einzige Zufahrtsstraße nach Istalif. In der Ebene liegt der immer umkämpfte Militärflughafen Bagram und

links, nach Norden, führt die Strasse zum Salang.

 

Beim Verlassen des Dorfes ging der Blick runter ins Koh-e-Damantal und auf den Hindukusch im Norden. Die

Aufnahme ist von Mitte Februar 1971. Langsam wird alles wieder grün - je nach Höhenlage früher oder später.

Die Luft ist herrlich frisch und klar. Die Berge des Hindukuschs. im Hintergrund sind mindestens 100km weit weg.

 

Der Freitag (Djomar) neigt sich dem Ende entgegen. Die Familie hat sich einen Besuch in Istalif gegönnt und ist

auf dem Weg nach hause. Der Chef hat seinen besten Umhang an und den Sohn an der Hand, die Frau den

besten Chaddor. Sie läuft wirklich die drei Schritte hinter ihrem Herrn und Gebieter.

 

Wenn das Volk in den Jahrzehnten danach nicht so viel durchgemacht hätte, ständen jetzt hier einige (aus

unserer Sicht) witzige Bemerkungen.

Salangpass, 3366 m

Der zentrale Hindukusch aus dem Fenster einer DC 6 der Ariana Afghan Airline auf dem Flug Kabul - Masar-e-

Sharif - Herat gesehen. Diese Fünftausender muss die Straße von Kabul nach Masar-e-Sharif überqueren. Ein

fast unüberwindliches Hindernis für jeden Straßenbauer.

 

Wie alle Straßen in Nord-Süd-Richtung sind auch diese aus strategischen Gründen von der damaligen

Sowjetunion bezahlt worden: Die Straße versprachen den Zugang zum warmen Meer. Ein Traum der Russen, die

unheimlich lange planen. Die Planung begann am 21.06.1955 mit dem 2. Transitabkommen mit der UdSSR

(Inhalt: u. a. Ausbau der Salangstraße). Genau wie die Verbindung von Herat nach Kandahar - auf 60 Tonnen.

Tragkraft ausgelegt-für Panzer.

Aber da die Sowjets keine große

Erfahrung in alpinem Straßenbau

hatten, mussten auch hier wie in

der Tangi Garu die Deutschen und

Österreicher ran und die Straße

samt langem Tunnel planen.

 

1964 wurde der 3 km lange Tunnel

(plus 4 km Betongalerie) eröffnet.

Am 29.12.1978 marschierten sie in

Afghanistan ein und wollten die

Früchte ihrer Planung ernten. Das

bisschen Afghanistan putzen sie

weg - dachten sie!

 

Wie man sich doch irren kann!

Eine der vielen Mautstellen. Für ein

paar Afghanis durfte man

weiterfahren. Zahlte man nicht,

haute der Aska gnadenlos die

Sperre vor das Auto.

 

Man musste also aussteigen, in

eine kleine chonna gehen und

seinen geringen Obolus bezahlen.

Auf einem durchnummerierten

Block mit zwei gleichen Abschnitten

wurde die Autonummer

eingetragen und man bekam einen

Zettel ausgehändigt. Der wurde

dann mit den Reisekosten im

Projekt abgerechnet.

 

Papierkrieg also auch am

Hindukusch!

Langsam, fast unmerklich, beginnt

der Aufstieg. Die

Wasserbaumaßnahmen werden

immer größer um auf die

Schneeschmelze im Frühjahr

vorbereitet zu sein.

Yetis oder was?

 

War Reinhold Messner hier und hat

es verschwiegen? Fußspuren

führen ins Zentrum der mystischen

Figuren, die man im Winter an den

Hängen auf der Zufahrt zum

Salang sah.

 

Des Rätsels Lösung: Ein Bauer hat

ein Loch gegraben und Erde auf

den Schnee geworfen! Die Sonne

sollten die dunklen Partikel

erwärmen und den Schnee

schmelzen. Der Schnee schmilzt

hier nicht - er verdunstet! Die

relative Luftfeuchte liegt unter 5%.

Wo im Land etwas wuchs, wurde es

genutzt. An den Bächen am Salang

weideten die Ziegen das dürftige

Grün ab.

 

Wo heute was wächst, ist es wohl

eher Schlafmohn.

Nur an den Flussläufen die nach

Norden fließen, gab es Forellen.

Eine willkommene Abwechslung

des Speiseplanes. Die Jungen

standen mit den frisch gefangenen

Fischen am Straßenrand.

 

Eine genau Prüfung der Kiemen

und eine Geruchsprobe waren

allerdings dringend zu empfehlen!

 

Einmal, im beginnenden Frühling -

die Felsen am Bach waren noch

mit Eis überzogen - wollten wir

auch Forellen angeln. Im

kristallklaren Wasser sahen wir sie

stehen. Sie fraßen aber nicht. Um

Fisch zu haben - schossen wir sie

mit dem Gewehr und holten sie mit

dem Köcher raus. Nicht gerade

gentlemenlike. Sie trieben schon

oben, wenn die Kugel ins Wasser

einschlug. Bitte nicht weitersagen...

Von der südlichen Tunneleinfahrt des Salang nach Süden, also in Richtung Kabul - fotografiert. Einmal im

Sommer und einmal im Winter. Und da ist es hier oben besonders heimtückisch: Auf dem dunklen Straßenbelag schmilzt der Schnee Mittags doch mal - das Wasser rinnt in den Schatten und gefriert sofort.

Der Tunneleingang liegt auf 3400

m Höhe, bis 1973 der höchste

Autotunnel der Welt.

 

An den beiden Betonsäulen steht

das Jahr der Eröffnung: 1363 (nach

unserer Zeit: 1964) - nach dem

damaligen Mondkalender der

Afghanen, der nach unserer Zeit

am 16. Juli 622 beginnt, der

Auswanderung des Propheten

Mohammed aus Mekka.

 

Eine Lorry braucht durch den

Tunnel von Kabul nach Norden ca.

10h. Über Bamjan: 72h über

unbefestigte Gebirgsstraßen.

 

Dass der Tunnel nach der

Okkupation der Sowjets und auch

nach der Machtübernahme der

Taliban heiß umkämpft war, kann

man sich denken.

 

1983 ist im Tunnel ein Tanklaster

mit einem russischen Militärkonvoi

zusammengestoßen. Es soll 2000

Tote im Tunnel gegeben haben.

Wirklich nur ein Verkehrsunfall?

 

Die gelbe Wolke am rechten

oberen Rand ist kein Schimmel auf

dem Dia. Es sind die Abgase der

falsch eingestellten Dieselmotoren

der Laster.

Pul-i-Chumry

Pul-i-Chumry - was so viel heißt wie Brücke über den Chumry, dem Kunduzfluss, der in den Amu Daria fließt - ist

eine kleine Ansiedlung in einem Seitental nördlich des Salang. In den frühen 60ger Jahren haben die Deutschen

hier ein Kraftwerk gebaut. In der Folge siedelten sich eine Textilfabrik und ein Zementwerk (Bild) hier an.

 

Freiwillig kam hier nie einer her. Aber irgendwann stand das Telefonsystem still, kein Wunder bei dem

Zementstaub. Was da an grauem Pulver in der Anlage war, hätte glatt für den Bau eines kleinen Hauses gereicht.

 

So entstand das Bild des Zementwerkes.

Ein vollkommen unbedeutender Ort am Rande der Welt: Doschi

260 harte Kilometer nördlich

Kabuls erreicht man Doschi. Von

hier 100 km weiter nach Norden

kommt man nach Kunduz und nach

Nordwesten führt eine Straße nach

Masar - e - Sharif.

 

Jetzt kann man Doschi auch schon

wieder vergessen. Selbst in den

entlegensten Ecken Afghanistans

war ein so trostloser Flecken

selten.

Taschkurgan

Ein genauso trauriger Ort auf dem

Weg nach Masar-e-Sharif ist

Taschkurgan. Zwei Dinge retten

den Ort vor dem Vergessen: einmal

die Werkzeugherstellung und der

überdachte Bazar.

 

Hier stellten Handwerker die

schärfsten Messer des Landes her

- aus dem Stahl alter

Lastwagenfedern.

 

Federstahl ist hart, rostet nicht und

lässt sich gut schleifen. Der

Lederriemen um die Achse des

Schleifsteines treibt ihn an und ein

Holzgriff ist schnell geschnitzt. Also

wurden immer von den Afghanen

an Bord, Messer in Doschi gekauft

und nach Kabul für Freunde und

Familie mitgebracht.

Eisenwarenhandlung mit

Selbstbedienung.

 

Das gesamte Sortiment der

landesweit berühmten Waren aus

Taschkurgan!

Der Kundenandrang nach der

Eröffnung des Warenhauses heute

morgen war wieder einmal immens!

Eigenartigerweise waren alle

Altertumsforscher schier verrückt

danach diesen Bazar zu sehen.

 

Es ist der einzige überdachte

Bazar von Afghanistan! Toll, was?

Dienstreise - man erlebt ja sonst nichts

Beinahe das endgültige Ende

einer Dienstfahrt.

 

Das endgültige Ende. Die Nacht in

der leichten Kleidung auf der

Straße zwischen Masar-e-Sharif

und dem Salang hätten die Drei

auf den Bildern nicht überlebt.

Es war der 23.Dezember und in

der Nacht vorher war der

Landrover in Masar bei -45°C

eingefroren. Der Frostschutz

reichte so bis -30° C.

 

Bei der Abfahrt in Kabul war noch

richtig schönes Herbstwetter und

wie das Wetter hinter dem

Hindukusch sein würde, war auch

für die Afghanen nicht zu erfahren.

 

Die Überraschung kam erst bei

der Ausfahrt auf der Nordseite des

Salangtunnels - da pfiff ein eisiger

Schneesturm. Da kippte die Mühle

das erste Mal auf dieser Reise

um.

 

Ein Bus hielt an, 20 Afghanen

sprangen heraus und der Wagen

stand wieder auf den Rädern ohne

auch nur in der Schneewehe eine

einzige Beule bekommen zu

haben.

 

In der Nacht vorher war es in dem

ungeheizten Raum der

Vermittlungsstelle so kalt

geworden, dass vorsichtshalber

die Flasche Whisky mit in den

Schlafsack kam. Der friert nämlich

bei ca. -24° C ein. Masar hatte

alles, nur kein Stromnetz.

 

In dieser Nacht heulten auf dem

Hof die Wölfe. Man sah sie auch

am Tage in der Ebene zum Amu

Daria hin, kam aber auch mit dem

Auto nicht nahe an sie heran. Sie

kannten die Reichweite von

Gewehren.

 

Natürlich wollten wir Weihnachten

zuhause in Kabul sein - zumindest

der Europäer.

 

Aber am nächsten Morgen war der Landrover eingefroren. Der Fahrer mit der Schiebermütze wurde auf den

Bazar geschickt um Holz zu kaufen. Unter der Ölwanne wurde ein Feuer gemacht. Der Wagen sprang auch um

9, nicht um 10 und nicht um 11:00 an. Erst Mittags rumpelten die Zylinder, fast schon zu spät um noch über den

Salang zu kommen.

 

Wir fuhren doch noch los. Während der ganzen Zeit hatte Azzis telefoniert um herauszubekommen ob der

Salangtunnel offen ist. Vergebens.

 

Bis am frühen Nachmittag kam uns kein Bus, kein PKW, keine Lorry entgegen. Die Sonne schien warm. Die

Temperaturunterschiede zwischen Sonne und Schatten sind hoch in der trockenen Luft in Afghanistan.

Schmelzwasser lief in den Schatten, fror sofort, der Fahrer wollte bremsen, war aber schon auf dem Eis. Der

Wagen drehte sich mehrmals bei dem idiotischen Bremsmanöver und kippte um. Die Bereifung bestand

übrigens aus fast profillosen Wüstenreifen.

 

Nichts kaputt, keiner verletzt. Aber das Dach lag tiefer als die Räder und wir hatten keine Chance, den

tonnenschweren Eisenhaufen alleine wieder aufzurichten. Der Fahrer meinte, vor wenigen Kilometern wären wir

an verschneiten Häusern vorbeigekommen und lief los, Hilfe zu holen. Dämlicher Weise hatte er die Schlüssel in

der Tasche - der war halt so!

 

Doch dann kam ein Wolga angefahren. Wer das nicht gesehen hat, der glaubt es nicht: So viele Leute waren in

dieser Sammeltaxe!

 

Der Schatten kroch schon gefährlich ins Tal hinein und als er das Auto erreichte, kam auch der Fahrer mit dem

Schlüssel zurück. Vorsichtshalber ist sein Namen für immer vergessen...

 

In Doschi war die Strasse Richtung Salang gesperrt; nachts sowieso. Zum Übernachten gab es in dieser

Weltstadt auch nichts und so ging es die 100 km nach Kunduz weiter. Azzis als Cheftechniker des Wasirat-e-

Moqaberat (Postministerium) kam beim Bürgermeister unter, der mir zu Heiligabend eine Kola (bestickte, runde

Kappe) schenkte und eine nette ältere Schneiderin vom DED (Deutscher Entwicklungsdienst) freute sich,

unverhoffter Weise Weihnachten bei mittlerweile minus 50°C mal nicht alleine sein zu müssen.

 

In der trockenen Bergluft und im Sonnenschein benötigt man nicht mal Handschuhe. Dicker Schnee lag in

Kunduz beim Spaziergang mit dem Bürgermeister am nächsten Tag. Pferde waren das Haupttransportmittel,

aber Pferde, die man noch nie gesehen hatte. Sie hatten ein goldfarbenes Fell - mit Locken. Kurze aber dichte

und geringelte Locken wie Karakulschafe sie haben. (Die Bilder aus dem Norden werden noch gesucht!)

 

Laut Reisebericht waren die als vermisst gemeldeten Personen am 27.12. wieder in Kabul - bei +20°C am Tage

und frostfreien Nächten!

Masar - e - Sharif

Masar - e - Sharif war und ist die heiligste Stadt im Land. Sie wird beherrscht von der jadegrünen Kuppel der

Moschee. Sie ist Ali gewidmet, dem Schwiegersohn von Mohammed. Aber vielleicht liegt hier nur der halbe Ali

begraben. Die Stadt Nadschaf im Irak behauptet nämlich, der wahre Hüter Alis zu sein. Wer wird sich da schon

einmischen wollen?

 

Unter der Haupthalle, die wir einmal dank der afghanischen Counterparts betreten durften, liegt der heilige

Schrein Alis, des 4. Kalifen. Dieser ist der Patron und das Heiligtum der Schiiten im ansonsten streng

sunnitischen Afghanistan.

 

Masar - e - Sharif war damals die viertgrößte Stadt (nach Kabul, Herat und Kandahar) des Landes: mit damals

sagenhaften 40.000 Einwohnern.

 

Alle Dias werden krampfhaft gesucht. Wo sind die nur? Kunduz, Masar, Balch - der gesamte fotografierte Norden ist im Archiv verschwunden - oder verloren gegangen.

Diese seltsame Starkstromleitung mit sandgefüllten, übereinander gestapelten Benzinfässern gab es nördlich von

Masar - e - Sharif auf dem Weg zum Amur Dari, dem Grenzfluss zum damals noch Sowjetischen Reich. Um da

hinzukommen und auch noch zu angeln brauchte man schon ein "maktub", einen Brief vom Gouverneur. Viele

durften da nicht angeln, auch keine Afghanen. Die Leute erzählten von wahren Monsterwelsen im wegen

andauernder Zwischenfällen nicht befischten Grenzfluss. Der hier gefangene Wels hat schon ausgereicht, denn

er hing an einer ganz dünnen Angelleine.

 

Aber wer hat schon im Kalten Krieg als Westberliner im Amur Dari geangelt?

Balch

Balch (oder auch Balkh - als Umschreibung der unnachahmlichen Kehllaute der Persischen Sprache) dürfte

heute so um die 12.000 Einwohner haben. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist Masar-e-Sharif. Das

dieses kümmerliche Dorf 20 km westlich von Masar-e-Sharif einmal eine der berühmtesten Städte, ja die "Mutter

aller Städte" auf der Erde war, ist schwer nachzuvollziehen.

 

Balch, damals Baktra genannt, war einmal die Hauptstadt Baktriens (900 v. Chr.). Die Gegend hier war so

fruchtbar und dicht besiedelt, dass es das "Reich der 1000 Städte" genannt wurde. Berühmt war Baktrien am

Rande der großen Steppen für seine Pferdezucht. Der große persische König Kyros II. eroberte es 538 v. Chr.,

Alexander der Große 330 v. Chr. Er heiratete hier aus politischen Gründen die wunderschöne Roxane, eine

Prinzessin vom Oxus (?). Hier gehen die Quellen auseinander. Die einen meinen, die Ehe wurde nie vollzogen,

weil er seine Soldaten vorzog, die anderen behaupten, es gab einen Sohn. Wie auch immer, Roxane, mit oder

ohne Sohn, wurde nach Alexanders Tod von den Diadochen ermordet.

 

In der ersten Hälfte des 1. Jahrtausend wurde wahrscheinlich Zarathustra hier als Sohn eines Landbesitzers

geboren und wirkte hier.

 

Um 2000 v. Chr. war es das Gebiet der Arianer. Sie kamen aus den im Norden liegenden unendlichen Steppen.

Die Afghanen waren immer stolz darauf, unsere Vorfahren zu sein, da wir uns den Ariern zurechnen. Von den

Arianern ist eine Sammlung (die "Vedas") von Gesängen und Hymnen überliefert. Nicht gesichert ist die

Annahme, dass es 3000 v. Chr. eine der ersten Universitäten in den riesigen Lehmmauern am westlichen

Stadtrand des heutigen Balchs gegeben hat.

 

Die zerfallende Moschee mit der grünen Rippelkuppel aus der Timuridenzeit (1363 bis 1506, 1365 bis 1405

beherrschte Timur-i-Lenks Mittelasien) ist im Vergleich zum historischen Balch oder Balkh 3000 v. Chr. fast schon

jung zu nennen.

 

Als 1979 die Russen einmarschierten, mussten die Ausgrabungen in Balch unterbrochen werden. Aber der

russische Archäologe Victor Sarianidi setzte sie fort und fand in einem Frauengrab soviel Gold wie in den

Grabbeigaben Tutanchamuns. 20.000 Gegenstände aus purem Gold. Das "Gold von Baktrien" verschwand in

Eile in den Kriegswirren Richtung Kabul und war verschwunden ehe dieser sensationelle Fund richtig

ausgewertet werden konnte.

 

Wie durch ein Wunder tauchte es 2002 wieder auf. Wächter der afghanischen Nationalbank hatten es vor den Taliban jn der Bank versteckt.

 

Mal sehen: Eintausend Jahre und 100.000 Morde weiter ist vielleicht Balch mal wieder Mittelpunkt der

Geschichte...

Eine besondere Geschichte

Was aussieht wie die Zelte reicherer Kutschis (Nomaden) ist schlichtweg ein - Puff! Freudenhaus kann man ja

nicht sagen - Freudenzelt? Angeboten wurden Mädchen so zwischen 10 und 13 Jahren, möglichst jung

jedenfalls. Muslime mögen es jung, vor allem Märtyrer wie jeder seit dem dänischen Karikaturenstreit von 2006

weiß.

 

Ist doch bekannt: Zwei Märtyrer kommen in den Himmel. Einer bekommt 2 und der andere 72 Jungfrauen. Die

Antwort nach der Beschwerde: Der kam ja auch in 72 Teilen da oben an. Schade, dass es keinen Humor im Islam

gibt! Diktaturen mögen auch keine Witze auf ihre Kosten. Ja, ja! Der Witz ist bewusst schlecht erzählt. Nicht etwa

aus Angst vor verbohrten Orthodoxen. Werden aber durch die vielen so sinnlosen Selbstmordattacken nicht doch

mal die Jungfrauen da oben knapp?

 

KANN DENN DEN JUNGS KEINER MAL SAGEN, DASS SEX MIT EINER REIFEN FRAU MEHR SPASS

MACHT ALS MIT EINER DÜRREN, UNERFAHRENEN JUNGFRAU?

 

Aber bei dem Zelt da auf dem Bild war alles anders als bei den vielen anderen Nomadenzelten im Lande:

Unverschleierte (die Frauen der Kutschis brauchen keine dämlichen Schleier tragen!) Frauen standen davor und

winkten heftig. Das hatten wir noch nie gesehen. Sie boten uns Tee und ein ganz junges, dürres Mädchen an,

grausam geschminkt und dreckig. Stolz zeigte uns die Kleine ihre glitzernde, billige Armbanduhr und den Tand,

den man ihr um den Hals gehängt hatte. War peinlich, da wieder raus zu kommen. Männer waren in der Gegend

übrigens nirgends zu sehen.

 

Doch etwas verwirrt bestürmten wir später unseren Counterpart. Assis Khan bestätigte uns dann, dass solche

Einrichtungen seit Jahrhunderten gang und gäbe waren. Weit außerhalb einer Stadt durften die Kutschis in

diesem Gewerbe ihre Zelte aufschlagen. Sie mussten nur weit genug weg sein, dass arme Leute aus der

nächsten Stadt die Zelte nicht zu Fuß erreichen konnten. Wer aber ein Pferd oder ein Reitkamel und damit Geld

besaß, der war herzlich im Zelt bei den kleinen Mädchen, die ja so "jungfrauenähnlich" waren, willkommen.

 

Darüber sollte man nicht richten. Eine Braut kostete viel Geld. Wie sollte ein Mann so viel Geld für eine Braut in

einem Land, das von karger Landwirtschaft geprägt war, zusammen bekommen? Seine Triebe vor dem 40sten

Lebensjahr konnte er sonst nur an einem anderen Mann auslassen. Was sagte ein afghanischer

Büroangestellter? "Endlich Frau, nur 6 Kinder, dann kaputt!" Er war so um die 50. Genauer wusste er es, wie

üblich, selbst nicht.