Afghanistan
 

Es war eines der schönsten Länder der Welt

Kabul - Viehmarkt

Afghanistan: Der

Viehmarkt am Kabul

River - die

Fleischversorgung der

(alten) Hauptstadt

Kabul, Fotos wie aus

dem späten

Mittelalter...

 

Stand: 03.12.2015

Kabul musste ja mit Fleisch versorgt werden. Einmal in der Woche

gab es dafür den Viehmarkt am Ostrand der Stadt am Kabulriver auf

der anderen Seite von Microjan.

 

Hier gab es nur große Tiere. Die Hauptfleischlieferanten waren die

Kamele, Ziegen und Wasserbüffel. Die kamen allerdings aus Pakistan

- mangels Wasser hier im Land.

 

Die teuersten und beliebtesten Tiere sind die Fettschwanzschafe. Die

Besitzer hatten sie mit Henna und mit anderen Farben

gekennzeichnet. Alle Aufnahmen sind von 1970.

Der kleine Batscha (Junge) und sein Schaf. Vielleicht sind beide gleich alt und garantiert zusammen

aufgewachsen. Es herrscht eine enge Vertrautheit zwischen ihnen. Beide wissen aber, was auf sie

zukommt. Und trotzdem, sie strahlen eine gelassene Ruhe aus. Kurz nach der Aufnahme wurde das

Schaf verkauft und der Batscha war sehr traurig.

Wie gesagt, zur Aufgabe

der Mädchen gehört es den

Dung zu sammeln. Da

bekommt man schon mal

richtig schmutzige Hände.

Aber Dung der Tiere ist

wertvolles Brennmaterial

zum Essen kochen.

Mama wird gesagt haben

(der Alte hat zuhause eh

nichts zu melden, ob er nun

als idiotischer

Mudschaheddin, Pasdaran,

Taliban oder Al Qaida

draußen rumgurkt oder

nicht):

"Wenn du was zum Essen

haben willst..."

In dem Land gibt es

praktisch keinen Abfall,

alles wird irgendwie

verwertet.

Teamwork

Es dauert lange, bis so ein Eimer voll ist.

Warten auf Nachschub

Gelassen dicke Bündel Afghanis zählen, plaudern und lange feilschen: Das ist es!

Da ist der Afghane so richtig in

seinem Element: Handel ist einfach

seine Sache!

Kabul - Viehmarkt: Karakulschafe

Die Farben sind

logischerweise

auswaschbar.

Man versaut

doch keine

wertvolle Wolle.

Aber zur

Kennzeichnung

auf dem damals

riesigen Markt -

er ersetzte ja die

Schlachthöfe

einer großen

Stadt - eignet

sich die Farbe

auf Hennabasis

hervorragend.

Nur keine

Streitereien.

Selbst in

Turbanen lässt

sich mühelos ein

Revolver

einwickeln, in

dessen Lauf

man seinen

Daumen

reinstecken

kann.

Schafe sind das

Haupthandelsgut

in dieser

Zeit. Natürlich

nicht irgendeine

Schafrasse,

nein, es muss

das

Karakulschaf

mit seinem

Fettschwanz

sein! Und

wirklich, da ist

etwas dran.

Der Markt war riesig. Schließlich wurden hier in den Siebziger Jahren 300.000

Menschen mit Fleisch versorgt. Im Hintergrund, auf der anderen Seite des

Kabulflusses ohne Wasser, die Russensiedlung Microjan im Bau.

Karakulschaf

 

Das Fleisch dieser Tiere können auch

die Leute essen, die sonst das

"Hammeln" nicht mal riechen können.

Alles Fett dieser Tiere ist im

Fettschwanz gesammelt und das

Fleisch wunderbar mager. Wenn es

dann noch einen Tag in Ziegenjoghurt

eingelegt und dann am Spieß gegrillt

wird - ein besseres Kebab gibt es

nicht auf der Welt.

 

Man musste nur noch schnell sagen:

"Bedune goschte zafed" - also ohne

weißes Fleisch. Sonst war der

Hammelgeschmack wieder da.

Was ein Afghane natürlich überhaupt

nicht versteht. Wenn er sich schon

mal Fleisch leistet, dann will er nicht

das trockene Zeug haben, das keine

Kraft gibt!

 

Diese Rasse ist anspruchslos,

widerstandsfähig und gut angepasst

an trockene Steppen- und

Halbwüstengebiete. Weniger ist es

für ein feuchtes Klima geeignet. In

Deutschland gibt es deswegen kaum

100 Tiere dieser Art.

 

Es ist eine Pelzschafrasse mit nur

mäßiger Wollqualität. Ein Bock bringt

um die 60 kg, ein Muttertier um 40 kg

auf die Waage. Hier im kargen

Afghanistan meist weniger.

Schwarz ist am häufigsten, graue und

braune Tiere sind relativ selten. Die

Lämmer werden schwarz, grau,

braun, goldfarben oder rosa geboren.

Sie haben breite und lange

Hängeohren. Böcke sind gehörnt,

Muttertiere hornlos.

 

Ursprünglich ist diese Rasse in

Westturkistan zuhause, wo sie seit

ca. einem Jahrtausend gezüchtet

werden.

Karakulschaf von hinten mit persönlicher Note des Besitzers.

Ist es auch fett genug?

Auch das ist eine Delikatesse die von Männern sehr geschätzt wird: Hammelhoden!

Wozu ein Turban doch gut ist. Man kann 3 Schafe zusammenbinden!

Schafe überall. Die Nomaden verkauften sie auf dem Markt ,als sie noch frei umherziehen konnten und kein

Krieg sie daran hinderte. Auch die drei Schafe sind mit dem praktischen Turban zusammengebunden.

Kabul - Viehmarkt: Kamele

Kamele murren, wenn sie aufstehen sollen, wenn ihnen Lasten aufgelegt

werden, wenn sie laufen sollen - verständlich.

 

Sie murren aber auch, wenn sie stehen bleiben sollen, wenn ihnen die

Lasten abgenommen werden und wenn sie sich hinlegen sollen - weniger

verständlich.

 

Kamele sind einfach immer schlecht gelaunt. Auch nach 3 Wochen engster

Bekanntschaft und freundlichster Behandlung.

Sehen die Drei nicht sü. aus? Sie erinnern doch stark an so manches

Sekretärinnenteam, dem man so im Leben begegnet ist. Weniger das

Aussehen, aber zumindest die Mine und auf jeden Fall die oben geschilderte

Verhaltensweise kommen einem bekannt vor!

Kamel? Dromedar? Ein Höcker?

Zwei Höcker?

 

Hand aufs Herz: Wissen Sie es

noch? Einfach ist es nicht.

In der Ordnung Artiodactyla gibt es

die Unterordnung Thylopoda, die

Schwielensohler und hier die Familie

Camelidae, der Kamele mit den 5

Arten:

 

Trampeltiere

Lamas

Alpakas

Vicunias

Dromedare

 

Hier in Asien gibt es natürlich nur die

Groß- oder Altweltkamele

Trampeltiere und Dromedare.

 

Weltweit gibt es ca. 19 Millionen

Camalidae und davon sind 90%

Dromedare! So um 15 Mio davon

leben allerdings in Afrika.

Fazit: In Afghanistan gibt es

sowohl Trampeltiere, als auch

Dromedare, aber alle sind Kamele

(aber bitte richtig auffassen!).

 

Durch den Fleischwolf gejagt werden

die Dromedare.

Trampeltiere

 

Das Trampeltier (Camelus ferus) ist ein

zweihöckriges Kamel. Hier wird

zwischen den Wildkamelen (Camelus

ferus ferus) und den Hauskamelen

(Camelus ferus bactrianus)

unterschieden.

 

Die Wildkamele gelten, bis auf vielleicht

einige Exemplare in der Wüste Gobi, als

ausgestorben.

 

Die Höcker der Hauskamele sind größer

und schwerer als die der Wildkamele.

Oft kippen dieHöcker um. Das ist kein

Zeichen von Hunger sondern eine

Bindegewebeschwäche.

 

Das Hauskamel hat sich nur wenig zu

seiner Wildform verändert. Es verträgt

Temperaturen von minus 30°C bis plus

50°C problemlos, mag dabei aber keine

Nässe. Es gibt sie noch hier in

Afghanistan, im Iran, der Mongolei, in

China und im zentralasiatischen

Trockengürtel.

 

Schon seit dem 4. Jahrtausend vor

Christus werden sie als Haustier genutzt

und zogen z.B. auf der legendären

Seidenstraße durch die Wüste

Taklamakan. Die Trampeltiere machten

das Überleben der Menschen in den

Wüsten erst möglich. Sie dienten als

Reit- und Lasttier oder als Fleisch-,

Milch- und Wolllieferant.

 

Sie fressen alles, was grün und

pflanzlich ist. Verblüffend, dass ihre

Zunge und ihr Maul mit den extremen

Stacheln, z. B. des Kameldorns, fertig

wird.

Dromedare

 

Dromedare (Camelus

dromedarius) sind einhöckrige

Kamele von denen man annimmt,

 

dass es keine Wildformen gab

sondern sie vom Trampeltier

abstammen. Ein Ansatz eines

zweiten Höckers ist nämlich nochvorhanden.

 

Man unterscheidet Last- und

Reitdromedare. Auf lange

Distanzen kann ein Reitdromedar schneller als ein Pferd sein.

 

Ein Pferd kann an einem Tag um die 30, ein Dromedar um die 80km zurücklegen und kommt ca. 15 Tage ohne Wasser aus. Dann braucht es mehr als 10min, um eine Badewanne mit über 120l Wasser auszusaufen.

 

Dromedare gibt es in Nordafrika,

Arabien und Vorderasien bis nach Pakistan und in den Wüsten Namibias. Verwilderte Herden leben in den Outbacks Australiens.

 

Die Tiere können dornige,

manchmal auch giftige und

holzharte Pflanzen fressen,stark

salzhaltiges und damit bitteres

Wasser vertragen sie auch. Sie

werden bis zu 40 Jahre alt.

Übrigens: Die jungen Tiere schmecken besser.!

Eine gewisse Würde kann man ihnen nicht absprechen!

Eine gewisse Schönheit auch nicht...

Story: Pfeffersteak

 

"Du musst übrigens im Bagh-e-

Balha mal ein saftiges

Pfeffersteak essen", bekam

damals jeder Neuankömmling zu

hören.

 

Die Steaks waren wirklich von

beeindruckender Größe, waren

auch saftig obwohl durchgebraten. Eigenartig.

 

Kratzte man die Soße zur Seite,

kamen kleine viereckige Löcher

auf der Oberseite des Fleisches

zum Vorschein.

 

Es war Kamelfleisch, dem man

mit einer Maschine die langen

Muskelfasern vor dem Braten

zerrissen hatte.

 

Manchen ist danach schlecht

geworden. Warum eigentlich?

 

Schmeckte doch.

Weiße Dromedare kommen eigentlich nicht in den Topf. Das hier hatte aber

einen gebrochenen Lauf.

Darf man hier "Kameltreiber" sagen?

Kabul - Viehmarkt: Wasserbüffel

Die Wasserbüffel sind aus Pakistan importiert und werden hier geschlachtet. Wenn sie Glück hatten,

kamen sie auf einem LKW. Waren sie aber vollkommen abgemagert, kamen sie auf eigenen Hufen die

fast 300km über den Khyberpass gelaufen.

 

Manchmal begegnete man solchen Trupps auf der glühend heißen Straße entlang des Kabulflusses. Die

Tiere waren dann arm dran. Aber so oder so: Wer das Fleisch essen muss, ist auch arm dran!

Wasserbüffel (Bubalis  bubalis)

 

Wasserbüffel gehören zu den

Rindern. Ihre Hörner sind aber

dreieckig statt rund oder oval.

 

Hauptverbreitungsgebiete der

Wasserbüffel sind: Indien, Pakistan, Bangladesh, China, Südostasien, große Teile Südund  und Südeuropa (Balkan).

 

Wasserbüffel werden in

unterschiedlicher Weise genutzt. Hauptgründe für die Nutzung ist ihr Einsatz als Zug- und Tragtier, Milch- sowie Fleischgewinnung. Wasserbüffel sind zwar langsam, besitzen aber eine

ungeheure Kraft.

 

Die hier auf dem Markt zu Schlachtvieh kaufenden Tiere kommen aus dem Norden Pakistans und werden geschlachtet. Sie waren hier eher mager. Das Fleisch ist verdammt zäh und muss ziemlich lange gekocht

werden.

 

Sie wiegen zwischen 300 und 600 kg. Stiere können 1000 kg, aber auch 1200 kg schwer werden. Die Widerristhöhe

schwankt von 100-160 cm.

 

Wasserbüffel sind im allgemeinen dunkelgrau bis schwarz. Es kommen aber auch gescheckte und reinweiße Tiere vor. Wasserbüffel besitzen große,

an das Leben im Sumpf angepasste Klauen.

Die Wasserbüffel, die hier verkauft werden, sind ausgesprochen kleine und,

wie man sieht, sehr abgemagerte Tiere, besonders deutlich zu sehen bei

dem Tier rechts hinten. Wahrscheinlich mussten sie 300 km von Pakistan

aus laufen. Auf den Seiten aus Bangladesh gibt es größere zu sehen.

Was gab es sonst noch?

Melonen! Vorne im „Geschäft“ Wassermelonen (Tarbusa) und bei der Kongurenz Honigmelonen (Harbusa)

 

Man stelle sich vor: Ein Land ohne

Coca Cola! Erfrischungen nahm man

in Form von Harbusa (Honig-) und

Tarbusa (Wassermelonen) zu sich.

Arme Esel

 

 

 

 

 

 

Schön war das Land vor den Revolutionen. Das Leben lief in ruhigen Bahnen. Mögen die Menschen nach unseren Definitionen zwar arm gewesen sein, aber hungern musste keiner in Afghanistan.

 

Schade, dass die Russen in ihrer Gier nach einem eisfreien Hafen hier eingefallen sind. Schade, dass religiöse Eiferer das Land ins Jahr 622 n. Chr. zurückbomben wollten und es beinahe geschafft hätten.

 

Schade, dass die Amis und die Deutschen den gleichen Fehler wie die Russen gemacht haben.

 

Schade um Afghanistan!.

Man konnte sich auch die Schuhe besohlen lassen.

Bei uns gibt es ein Sprichwort: Verbind dem Esel der da drischt das Maul nicht. In Afghanistan nicht.

Story: Tierliebe

 

Das schlimmste Schicksal, das einer Kreatur auf Erden widerfahren kann, ist als Esel in dieser Ecke der Welt leben zu müssen.

 

An einer Straßenkreuzung in Kabul brach ein Esel zusammen. Er hatte rechts und links auf dem

mageren Rücken je einen der typisch spitzen Säcke zu tragen - voll mit Mauersteinen aus Lehm. Der Treiber prügelte mit dem Stock auf den Esel ein. Der kam nicht hoch.

 

Der Stock hatte an der Spitze einen Nagel. Den stieß er dem Esel in die räudigen Flanken. Immer kam das Tier noch nicht hoch. Jetzt trat der Treiber ihm vors Maul.

 

Wir sprangen aus dem Auto und kippten die schweren Säcke auf die Straße - und sahen den

blutigen Rücken des Esels. Da lag keine Decke oder so etwas drunter.

Der Treiber schrie, die Menge wurde größer und größer. Die eine Hälfte der Afghanen gab uns recht, die andere aber wollte sofort mehrere Lahk (100.000) Afghanis für den armen Treiber von den unermesslich reichen Ausländern haben.

 

Zum Glück lief der Motor...