BERLIN - MITTE

  Berlin
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Von der Siegessäule zum Fernsehturm

Unter den Linden, Seite 4

Alles Mitte, oder was?

Neue Wache, Unter den Linden 4

Kronprinzenpalais         Maxim-Gorki-Theater        Palais am Festungsgraben         Alte Kommandantur
Auch das Kastanienwäldchen steht unter Denkmalschutz (Aug. 2015)
Schinkels schönster Bau: Die Neue Wache (April 2004)
Und sie wirkt doch: Die Neue Wache (April 2004)

Nutzung


Bis 1918 diente das Gebäude als Haupt- und Königswache.

Ab 1931 wurden die Gefallenen des Ersten Weltkrieges hier geehrt.

1945 zerbombt

1949 wollte die Berliner FDJ die Neue Wache abreißen. Waren die
Jungs schon schwer auf Linie! Ein sowjetischer Kulturoffizier,
Dymschitz, war da gebildeter und hat es verhindert.

1950 Ein Teil der Säulenvorhalle stürzt ein, die Ruine wird gesichert.

1955 wieder aufgebaut

1960 und 1969 wird ein Mahnmal hergerichtet für die Opfer des
Militarismus und Faschismus. Am Tage standen bis 1990 als
Ehrenwache zwei Soldaten des „Wachregiments Friedrich Engels“ vor der Neuen Wache.

Jeweils Mittwochs und Sonnabends Punkt 14:30 Uhr konnte man mit großem Dschingdarassabum, den man den Antimilitaristen, -faschisten und echten „Arbeitern und Bauern“ gar nicht zugetraut hat, die Ehrenformation zum „Großen Wachaufzug Unter den Linden“ aufziehen sehen (komisch: Wachen ziehen immer auf!). Hat die Neue Wache also auch überstanden.

Seit dem Volkstrauertag 1993 gilt die Neue Wache jetzt als
„Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer
von Krieg und Gewaltherrschaft“.
Käte Kolwitz: Mutter mit totem Sohn
Die Bauarbeiten begannen 1816 und am 18. September 1818 zog die erste Wache auf. Schinkel ließ das Kastanienwäldchen so auslichten, dass die Bäume wie Soldaten Spalier stehen, was nicht nur SM, sondern auch den Berlinern ausgesprochen gut gefiel. Die Kastanien stehen heute noch so da.

Der Bau strahlt eine klassische Klarheit aus. Es ist heute noch verblüffend, dass so ein kleines Bauwerk solch eine Monumentalität, Schlichtheit und Eleganz vermittelt. Sicher tragen die sechs dorischen Säulen dazu bei. Sie korrespondieren mit jenen im gegenüberliegenden Opernhaus und am Brandenburger Tor. Das Geld reichte nur für den Sandstein der Fassade und der Ecktürme. Die Seitenwände sind auch heute noch aus unverputzten Ziegelsteinen gemauert.

Neue Wache


König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise wohnten m
Kronprinzenpalais. Ihr Blick über die breite Allee Unter den Linden fiel auf ein verkommenes kleines
Kastanienwäldchen. Auf den morastigen Resten des
Festungswalls hatten sich Händler mit bunten Budeno niedergelassen. Kein schöner Anblick für König und Königin, die hier die schönste Zeit ihres
Lebens verbrachten. 

Schinkel erhielt den Auftrag ein Wachhaus für die Wachen des Königs im schräg gegenüberliegenden
Kronprinzenpalais zu entwerfen. Gleichzeitig sollte es eine Gedenkstätte für die Gefallenen der Befreiungskriege 1813 bis 1815, Ende der französischen Herrschaft, sein.

Viele Entwürfe musste Schinkel dem recht kunstsinnigen König vorlegen. Es war für Schinkel eine schwierige Aufgabe, zwischen den monumentalen alten Gebäuden
rechts und links, Zeughaus und Universität, und dem auf anderen Straßenseite liegenden Opernhaus und dem Kronprinzenpalais mit den wenigen Mitteln des nach den
Kriegen immer klammen Königshauses etwas Bleibendes
zu schaffen. Es sollte sein Meisterwerk werden.
Neue Wache 1945 Bundesarchiv, Bild 183-M1205-329 /Donath, Otto / CC-BY-SA
Blanke Ziegel auf der Westseite der Neuen Wache…
…und auf der Rückseite
Straßenfest 1991. Was für ein Fest das war, ist leider vergessen, aber der Osten war neu für uns im Westen und das ohne Eintritt und Vopos! Aufnahme von der Rampe des Kronprinzenpalais herunter.

Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3

Kronprinzenpalais im Dez. 2014
Kronprinzenpalais im Aug. 2015
Das Gebäude wurde 1693 als Privathaus für den
Staatssekretär Martitz errichtet. Von 1709 bis 1732 diente es als Sitz der Gouverneure der Stadtkommandanten von Berlin.

1732 als barockes Stadtpalais umgebaut, die Säulen und die Auffahrt kamen hinzu. Nomen est omen - die Kronprinzen wohnten wirklich hier. Vor allem Friedrich II., der spätere König von Preußen (Friedrich der Große, der Alte Fritz).

Am 10. März 1732 heiratete Friedrich Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (1715 - 1797). Sie war eine Cousine der Kaiserin Elisabeth Christine, der Mutter von Maria Theresia. Die Zweckehe blieb kinderlos. Als Friedrich II. 1740 König wurde, war er nur noch bei seinen Soldaten in Ruppin und kümmerte sich um div. Kriege, nicht aber um seine Frau. Seine Stadtwohnung war fortan im Berliner Schloss.

1742 übergab er das Kronprinzenpalais an seinen BruderAugust Wilhelm (1722-1758). Dessen Frau bewohnte es noch bis 1780.
1793, nach einer Renovierung, zog das Kronprinzenpaar Wilhelm und
Luise mit ihren Kindern hier ein. 1797 dann König und Königin. Hier schuf Schadow das berühmte und schöne Doppelstandbild von Luise und ihrer Schwester Friederike die "Prinzessinnengruppe". Im gleichen Jahr wurde hier der spätere Kaiser Wilhelm I. geboren. 

Schinkel wurde von Kaiser Wilhem III. beauftragt, eine Brücke zum
Nachbarhaus, dem Prinzessinnenpalais zu errichten. Dort lebten seine
drei Töchter. Nach dem Tod Wilhelm III. 1840 stand das Gebäude bis
1857 leer. dann wurde ein drittes Stockwerk aufgesetzt und Prinz
Friedrich Wilhem, der Sohn Wilhelm III. zog ein.

1859 wurde der letzte Deutsche Kaiser, Wilhelm II., hier geboren und
1888 starb Friedrich III., der 99 Tage Kaiser war. 1905 lebte in den
Wintermonaten noch der letzte Kronprinz Wilhelm und die Kronprinzessin Ceilie in dem großen Haus. In der Novemberrevolution 1918 wurden von der Rampe Reden an das Volk gehalten und Könige und Kaiser, Prinzen und Prinzessinnen gab es nicht mehr.

1919 gab der preußische Staat das große Haus an die Nationalgalerie.
Die richtete eine "Galerie der Lebenden", Skulpturem und Gemälde
zeitgenössischer Künstler, was ziemlich einzigartig für die damalige Zeit war. Es war ein Vorbild für das MoMA (Museum of Modern Art, New York).

Natürlich "säuberte" Reichskanzler Adolf Hitler die Ausstellung 1933. Die Gestapo verbrannte 1936 unliebsame Gemälde im Heizungskeller. 1937 wurde zwangsweise die Akademie der Künste hier einquartiert. Am 18. März 1945 wurde das Haus durch Bombentreffer total zerstört. Ost-Berlin riß 1961 die Reste ab und ab 1968 wurde es wieder neu aufgebaut. Es diente dem Magistrat von Ost-Berlin als Gästehaus. 1990 wurde hier der Einigungsvertrag unterschrieben und der Senat von Berlin übernahm das Gebäude.

Irgendwann sollten die Bundespräsidenten hier einziehen. Das
Opernpalais sollte hinzu kommen. Es gab einen Aufschrei in Berlin.
Keiner wollte das Opernkaffee vermissen. Richard von Weizäcker machte aber dann Schloß Bellevue zum Sitz der Präsidenten.

Seit 2012 ist das Haus im Besitz der Bundesanstalt für
Immobilienaufgaben und dient wechselnden Ausstellungen.
Die Prinzessinnengruppe in der
Entwurfszeichnung von Schadow, 1795. Luise, die Ranghöhere, steht etwas weiter vorne und hat hier noch
einen Blumenkorb in der Hand.
(Bild gemeinfrei, Wikipedia)

Maxim-Gorki-Theater, Am Festungsgraben 2

Maxim-Gorki-Theater (April 2007)
Hinter dem Kastanienwäldchen das Maxim-Gorki-Theater (April 2014)
Maxim-Gorki-Theater (April 2007)
1952 sollte das Haus mit eben Maxim Gorkis „Nachtasyl“ eröffnet werden. Das Thema war
den streng stalinistischen Kulturoffizieren aber zu heikel. Das Stück einsprach nicht dem
sozialistischen Realismus! Die meinten ernsthaft, es entspräche nicht der „Pflege
russischer und sowjetischer Theaterkunst.“ - und Berthold Brecht lachte sich im Berliner
Ensemble ins Fäustchen.

Die Sing-Akademie zu Berlin besteht bis heute. 1990 wollten sie natürlich Gebäude und
Grundstück wiederhaben. Der ganz normale Wahnsinn: Streit vor Gericht von 1990 bis
2012! Verwaltungsgericht, Landgericht, Berliner Kammergericht, Bundesgerichtshof.

Der Senat von Berlin meinte, der Chor sei rechtmäßig enteignet worden, ein Gericht
entschied so, das nächste wieder nicht.

Am 7. Dezember 2012 entschied der Bundesgerichtshof zu Gunsten der Sing-Akademie zu Berlin. Sie ist wieder der rechtmäßige Eigentümer und im Grundbuch eingetragen. Das Land Berlin mietet das Gebaäue für 25 Jahre für das Maxim-Gorki-Theater an. Die Jahrespacht beträgt 315.000 Euro.
Die Pläne des Gebäudes mit der
tempelähnlichen Fassade im
klassizistischen Stil, geht, wie sollte
es anders in Berlin sein, auf Karl
Friedrich Schinkel zurück. Es ist
das älteste Konzerthaus Berlins.

Es wurde in den Jahren 1825 bis
1827 erbaut. Im Jahre 1791 hatte
sich die Sing-Akademie zu Berlin
gegründet, die älteste gemischte
Chorvereinigung der Welt. Sie
nutze das schöne Haus bis zum
Ende des Zweiten Weltkriegs
.
Alexander von Humboldt hielt hier
1827 und 1828 die berühmten
Kosmos-Vorlesungen für alle
Volksschichten. Felix Mendelssohn Bartholdy wirkte hier. 1848 tagte die Preußische
Nationalversammlung in dem
rechteckigen Bau.

1945 beschlagnahmte die
sowjetische Besatzungsmacht die
stark beschädigte Sing-Akademie.
Das benachbarte Gebäude war da
schon „Haus der Kultur der
Sowjetunion“ (heute Palais am
Festungsgraben) geworden und
dem sollten ein Theater
angegliedert werden, dass Maxim-
Gorki-Theater (Eigenschreibweise
ohne Bindestriche).

Palais am Festungsgraben, Am Festungsgraben 1

Palais am Festungsgraben (Oktober 2014). Architekten müsste doch heute schlecht werden wenn sie so eine schöne Fassade sehen.
wurde 1751 und 1753 von Johann
Gottfried Donner erbaut. Das
Grundstück mitten im Zentrum
bekam er von König Frriedrich II.
geschenkt - man halte sich fest -
Donner war der getreue
Kammerdiener des Königs!

Donner war einer der ersten, die
Mischnutzung eines Gebäudes
einführte. Es war ihm wohl zu groß
geraten und er brauchte
Einnahmen. So gab es im Hof eine
Holzhandlung, er nahm Mieter auf,
 Getreidelager.
Maxim-Gorki-Theater und Palais am Festungsgraben (Aug. 2015)
Theaterstücke wurden aufgeführt. Donner verkaufte sein "Donnersches Palais" 1787 an den
Staat. Der richtete eine Zoll- und Finanzbehörde hier ein. Aber vorher hatte Donner noch die
Fassade im Renaissancestil herrichten lassen und das Säulenportal angebaut.

1808 zieht das Finazministerium hier ein. 48 Minister leisten nacheinander ihren Dienst hier.
Der berühmteste war Karl Reichsfreiher vom und zum Stein.

1947 hatten die Sowjetischen Besatzer das Haus konfiziert, die Kriegsschäden wurden
beseitigt und das Palais nannte sich bis 1950 “Haus der Kultur der Sowjetunion" und dann
"Zentrales Hause der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft".
Das Palais am Festungsgraben, Eingang (Aug. 2015)
Nach der Wiedervereinigung heißt es jetzt Palais am Festungsgraben und gehört dem Land
Berlin. Man versucht, wieder mit Mischnutzung, Geld einzunehmen. Eine Eventargentur
organisiert Hochzeiten, Ausstellungen, das Thater im Palais und vieles mehr.

Denn eine große Kostenlawine rollt auf das Land zu. Selbst die Grundmauern sind marode.
Schließlich steht das Gebäude im Morast des zugeschütteten Festungsgraben, der einst Berlin und Cölln umgab.

Auf eines kann man getrost wetten: es wird doppelt so teuer und dauert doppelt so lange wie
geplant. Warum soll sich plötzlich in Berlin was ändern?

Repräsentanz Bertelsmann

(Alte Kommandantur), Unter den Linden 1

Heute ist es die Repräsentanz von Bertelsmann. Die bauten die Alte Komandentatur mit gequaderter Fassade unter Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen wieder auf. Rechts im Bild vom Januar 2005 die Fassade des Zeughauses. Man kann es sich kaum noch vorstellen, hier keine Kräne zu sehen.
Die jährliche Weihnachtsbeleuchtung. Passt das hier her? (Dez. 2006)
Unvorstellbar: Keine Baustelle - nur rechts und links! (Okt. 2008)
Keine Angst: Bleibt bis 2020 so! Und dann muss bestimmt renoviert werden! (Mai 2014)
Anno dunnemals hatte ein Kurfürst
einen Festungsbaumeister. Zumal
der "Große Kurfürst " Friedrich
Wilhelm von Brandenburg.

Sein Festungsbaumeister war
Johann Georg Memhardt. Er sollte
ein neuen Stadtteil entwerfen,
Friedrichswerder. Er zeichnete auch den ersten Stadtplan von
Berlin/Cölln.

Für seine Verdienste bekam er das
Grundstück gegenüber dem
Schloss an einem breiten,
unbefestigten Feldweg überlassen -
heute unter den Linden.

Dort baute er um 1653 sich das
erste steinerne Haus im neuen
Stadtteil Friedrichswerder.
1795 war das Haus so baufällig,
dass der Hof hier ein palastählichen Neubau mit vielen Wihnungen und einem Stall hier errichtete.

1799 zog der Stadtkommandant der Berliner Garnison hier ein.

1873/74 wurde das barocke
Walmdach durch ein Flachdach
ersetzt und ein Stockwerk kam
hinzu. Die Fassade erhielt eine
aufwendige Putzquaderung.

8 große Adler aus Terrakotta
wurden, je eine halbe Tonne
schwer, auf dem Dach aufgestellt.
Mit ausgebreiteten Flügeln sollten
sie florentinisches Flair verbreiten.