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¿La pura vida?

Angeln am Playa Hermosa

Playa Hermosa - der schöne Strand - 7 km südlich von Jacó, von der Costarena aus gesehen. Ganz hinten, wo die Bucht den Bogen macht. Da ist man fast immer alleine. Es sind 4 km Staubweg bis zu den Palmen und der Flussmündung.
Some times friendly----
... some times wild and free

Springflut

Es ist Neumond und das Wasser auf dem Bild oben (21.02.2015) ist so hoch wie nie gesehen. Es müssen 3 m mehr sein als sonst. Beim Versuch, in die auslaufenden Wellen reinzugehen, gibt es eine böse Überraschung.
Das Meer hat sich Treibholz vom Strand geholt. Das hat ein Hurrikan vor 10 Jahren dort abgelegt und seitdem rottet es so vor sich hin. Bohrwürmer haben an jedem Stamm unzählige Löcher hinterlassen. Das Holz ist nicht mehr schwimmfähig.
Es wird aber in der so harmlos aussehenden Gischt kurz über dem Boden mit erstaunlicher Wucht umher geschleudert und ist, durch den aufgewirbelten Sand, unsichtbar. Bekommt man so einen 3 m Stamm vor das Schienbein geknallt...
Kein Wunder, dass keine Angler und der gesuchte Junge nicht zu sehen sind. Das mit dem Jungen war nämlich so:
Der Junge
2014
Im vorherigen Jahr (2014) waren an diesem Strandabschnitt Vater und Sohn beim angeln. Nichts ungewöhnliches also. Sie waren wohl jedes Wochenende hier. Der kleine Kerl aber fiel auf. Er wetzet mit der Angel den Strand auf und ab, verschwand aus dem Blick am Horizont. Da es an dem flachen Strand sonst nichts abzulichten gab, war er halt dran.
 
In typischer Fotografenmanier läuft man auf ein flüchtiges Motiv - sei es Mensch, sei es Tier - immer wieder die Kamera auslösend zu, um vielleicht doch zum perfekten Foto zu kommen. Hier hat es funktioniert. Keiner hat sich davon gemacht und das letzte Bild war es dann...
Doch dann kamen sie mit einem kapitalen Fang wieder vorbei. Papa hat den riesigen Rotbarsch mit dünner Schnur aus der Brandung gezogen und Sohnemann war mächtig stolz.
Er konnte den schweren - und sehr giftigen Fisch kaum noch halten. Die Rückenstacheln sind voller Gift, schließlich sind sie aus der Ordnung der Panzerwangen. Zu denen gehören u. a. die Stein- und Rotfeuerfische.
 
In Europa dürfen die Rotbarsche deswegen nur als Filet verkauft werden. Er aber wüsste, das diese Barsche "peligroso" sind.
2015
Vor einem Jahr wurde also der kleine Kerl mit Papas Jahrhundertfang ganz am Ende des Strandes von Hermosa fotografiert. Gewöhnlich kommt hier hinten kaum einer her.
 
Dieses Jahr war das auf DIN A4 ausgedruckte und laminierte Bild dabei. Wie aber den Jungen finden? Kein Name, kein Wohnort war bekannt. Drei Wochen lang wurden Bauarbeiter und Campesinos an der Küste befragt, das Bild an der Heckscheibe festgemacht. Ein Arbeiter zückte gar sein ziemlich schmutziges Smart Phone und machte ein Bild vom Bild. Nutzlos.
 
Dann die Eingebung. Sonntagabend, wenn Papa frei hat, würden sie bestimmt fischen gehen. Und richtig. 3 Figuren standen in den Wellen und angelten mit Handleinen und Blinker. Mama, Papa und Sohn. Mit dem Foto hinterher ins knietiefe Wasser, ja, die gleichen schwarzen Augen und Haare. Dann das Bild umgedreht und ihn gefragt, ob er den Jungen kenne. Ihm klappte der Kiefer runter, er konnte nur nicken und sich mit dem Finger auf die Brust tippen. "Si, soy yo!"
 
Wenn er fertig sein sollte, könne er sich ja das Bild dort am Baumstamm abholen. Nach 3 Minuten war er da. Er strahlte und plapperte munter drauf los. Nein, so einen schönen pargo rojo hätten sie nie wieder gefangen, aber einen gleich großen, silbrigen Zackenbarsch. Wie ich den hieße, wo man denn herkomme, nein, Berlin hatte er noch nicht gehört. Wenn er denn mal schreiben könne, würde er eine Mail schicken, die Adresse stand ja hinten drauf.

17:46 Uhr

So viel Freude ist selten über so ein kleines Geschenk zu erleben. Die Familie hatte ihre Sachen 100m weiter abgelegt. Auf dem Weg dorthin sah er sich ununterbrochen das Bild an.
 
Dann ging er wieder angeln. Kurz vor Sonnenuntergang um !7:45 Uhr winkte er mit seinem Käppi hinterher, draußen im flachen Wasser am endlosen Strand, die kleine Figur im Gegenlicht.

Am Playa Hermosa. Mit dieser Wolkenformation änderte sich das Wetter für eine Woche

Angeln in der Jacó Bay

Die Pelikane zeigten es an, a. wann das Wasser aufzulaufen begann und b. die Fische kamen.

Alles griff dann zur Handleine. Und hatte meistens auch Erfolg.

Jahrtausend alte Fischfangtechnik mit dem Rundnetz - mangels Fischschwärmen nur noch selten erfolgreich.

Endverbraucher
Neben dem bekannten Fischrestaurant 4 km südlich von Tárcoles landen manchmal Fischer ihren Fang an
Fishermen

Mit dem Boot war man 8 Tage unterwegs. Der Ausbeute passte ins Beiboot. Der Fischarten nach scheint man per Leine in nicht zu tiefen Gegenden gefischt zu haben.

Als man für Witze über bärtige Zausel noch nicht erschossen wurde, Sarotti mit einem Mohr warb und man das grausige Zigeunerschnitzel in der Kantine trotz des Namens essen musste, hätte man - ohne Rassist zu sein - mal einen coolen Witz gemacht.

Man hätte hier mal "Technigger" gesagt, kurz gelacht und es wieder vergessen.

Aber das darf man ja nicht mehr.

Wäre er nicht mitgefahren, hätte es bestimmt eine Kiste Fisch mehr gegeben...

Der Fang

Im Gespräch mit dem Chef (an der Tür) kamen die Fakten heraus. Angesprochen auf den immensen Fischreichtum früherer Jahrzehnte, lachte er nur bitter und meinte, das hätten sie an einem Vormittag gehabt.

Natürlich heißen die kaum roten Fische hier auch "Red Snapper". Es sind aber wohl keine Rotbarsche, sondern, wenn die Maledivenerfahrungen nicht täuschen, Soldatenfische.

20 Kisten Fisch sind es geworden. Der ganze Fang gehört dem Händler, die Fischer selber dürfen nichts verkaufen. Die Kisten werden am LKW gewogen und in die Eisboxen gekippt. Rund 40 kg sind in jeder Kiste, also ca. 800 kg Fisch.

Eine Barschart, na klar. Aber rund ein Drittel aller Fische gehören zu den Persiformes, den Barschartigen.

Die hier und die im nächsten Kasten sehen aus wie Seezungen...

... wenn das stimmt, ist es der wertvollste Teil des Fanges.

Das scheinen Stachelmakrelen zu sein und zwar in dieser Familie Querstreifenmakrelen. Der schlanke Schwanzstil, der spindelförmige Körper und, wenn die Todfärbung nicht täuscht, die Querstreifen eben, deuten darauf hin.

Der Händler

Er hier hat alles im Griff. Wenn die Fischer Glück haben, bekommen sie vom Verkaufserlös sogar was ab.

Seit die Japaner mit 45 km langen Netzen alles rausholen was Flossen hat, gibt es im Ostpazifik kaum noch Fisch. Entsprechend ist er teuer geworden.

Gab es 2006 und 2007 noch an jeder Strandbude Rotbarsch im Ganzen frittiert, gelang es 2015 nur ein einziges Mal, einen zu ergattern.

Der Fang wird aus den Kisten in die Eisboxen gekippt. Eine davon wurde voll. Erst dann konnten die Leute unten ein paar Fische davon kaufen.

Die Kunden

Und sie warten schon.

Vielleicht 10 Käufer hatten sich eingefunden.
Alles Gold was glänzt?

Wer Fisch kauft, muss Geld haben...