I R A N
ab 1980
1964-1979

Bam

Zufall

Weihnachten, am 2. Feiertag 2003, regnete es. Im Hintergrund lief das Radio. Verwandte waren auch nicht in Sicht. Endlich, so lange nach der Reise, sollten die Bilder von Bam eingescannt werden. Die ersten waren gerade im Kasten, da kam im Radio die Meldung: Bam total zerstört. Schweres Erdbeben.

 

Erinnerungen an den Besuch kamen hoch und richtige Trauer. Denn es war wie nirgends auf der Welt: nie erlebt, etwas unheimlich und wunderschön.

Die Zitadelle - Arg-e Bam

Bam und die Zitadelle, Arg-e Bam auf persisch, sind/waren die größten Lehmziegelbauten der Welt. Das Erdbeben vom 26.12.3003 um 5:26 Ortszeit zerstörte alles. Es gab 43.000 Tote. Ein zweites Erdbeben am 21. Juni 2004 brachte auch die Hilfsbauten aus aller Welt zum Einsturz.

 

Im gleichen Jahr wurde die Zitadelle von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und gleichzeitig auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbe gesetzt. Der Wiederaufbau soll so gefördert werden.

 

Eigentlich fehlt nur Geld für die Arbeitskräfte. Seit Jahrtausende werden die sonnengetrockneten Lehmziegel mit den hier zu findenden Materialien ja schon hergestellt: Lehm, Wasser und Stroh.

 

Der Iran erlebt 2016 einen Touristenboom ohne Gleichen. Viele Gebiete sind weltweit für Touristen  ja ausgefallen. Doch Bam bekommt nichts davon ab. Das Auswärtige Amt hat für die Gegend eine Reisewarnung ausgesprochen. Die Entführungsgefahr der IS aus Pakistan ist zu groß.

 

Aber der Aufbau geht voran. Es ist eine willkommene „Arbeitsbeschaffungsmassnahme“ für die Gegend.

Reisewarnung Auswärtiges Amt vom November 2016:

 

Von Reisen in den Osten der Provinz Kerman und Sistan-Belutschistan sowie in  die Grenzgebiete Irans mit Pakistan und Afghanistan wird dringend abgeraten. In diesen Gebieten besteht ein erhebliches Entführungs- und Anschlagsrisiko. Dies betrifft insbesondere das Gebiet im Dreieck zwischen den Städten Zabol, Bam und Chabahar.

Unheimlich

Kein einziger Mensch war während des Aufenthaltes zu sehen. Wo auf der Welt hat man ein (späteres) Weltkulturerbe ganz für sich alleine? Kein Eintritt, keine Verbotsschilder - nichts. Nur diese leerstehenden verfallenen Lehmbauten. Das Areal ist riesig.

 

Ein seltsames Gefühl überkommt einen. Man grübelt. Was macht einen so befangen, wo kommt die Spannung her? Erst ganz langsam merkt man, hier ist etwas anders. Erst ist man noch mit fotografieren und staunen zu beschäftigt. Ganz allmählich dämmert die Erkenntnis, dass man noch nie an so einem toten Ort war.

 

Man sieht keinen Vogel. Auch beim gezielten Suchen ist kein Käfer, keine Echse, keine Maus, ja nicht mal eine Ameise zu sehen. Der Ort ist so tot, dass es nicht mal die allgegenwärtigen Ratten gibt, auch nicht nachts im Fernlicht des Autos. Dann, noch erstaunlicher, es gibt auch keine einzige Pflanze.

 

Irgendwo im Schatten, in einer Ritze, muss doch ein Grashalm oder ein Unkraut wachsen. Selbst in der Steinwüsten gibt es Kameldorn oder Salbei, Moose, Flechten. Hier gibt es nichts! Fehlte nur noch, dass der Wind schaurig durch die toten Fensterhöhlen heulte…

Unheimlich diese gespenstische Leere

Geschichte

Das die Besiedlung in Bam bis 2000 v.Chr. zurück geht, hat man erst vom Satelliten aus gesehen, als man das Erdbeben von 2004 untersuchte. Man weiß, dass die Oasenstadt Bam 642 n. Chr. von den Arabern besetzt wurde. Gegründet haben sie die Sassaniden.

 

Mit Feuer und Schwert kam der Islam her. 650 wurde die erste Moschee gebaut. Durch Textilherstellung und Handel an der Seidenstraße erlangte die Oase eine gewisse Bedeutung im 7. Jhdt. Das lockte räuberische Völker wie Afghanen und Belutschen an. Die Zitadelle stammt aus dem 10. Jahrhundert.

 

Um 1720 hatten die Afghanen für 3 Jahre Bam eingenommen und den letzten Shah Persiens aus der Zanddynastie endgültig geschlagen. Um 1850 wurde die Zitadelle aufgegeben, diente aber noch bis 1900 dem Militär. Es ist nicht herauszubekommen was der Grund war. Bam wurde 2 km weiter südliche neu gegründet.

Lehmziegel

Die Technik, mit Lehmziegel zu bauen, ist Jahrtausende alt. Besser sollten sie eigentlich „Luftziegel“ heißen, denn sie werden entweder im Schatten oder auch an der Sonne in der Luft  getrocknet. Wer nun denkt, er könne eine Kanne Wasser nehmen, Lehm suchen und sich in der Wüste ein Haus bauen, der muss ganz schön experimentieren.

 

Der berühmte Baumeister und Gelehrte der alten Ägypter, Imhotep, um 2700 v. Chr., der erste große Baumeister des alten Reiches, hat es gemacht. Bis er hochbelastbare Ziegel sogar für Großbauten herstellen konnte.

 

Das erreichte er erst, als er tagelang eingeweichtes Schilf in der richtigen Mischung dem Lehm, Wasser und Sand hinzufügte. Heute weiß man, dass die Cellulose dem Lehm eine ungeahnte Festigkeit gibt. Kameldung und Kuhfladen werden auch genommen, wo sie nicht zum Kochen gebraucht werden oder Gräser und fasrige Pflanzen - was man so hat.

 

Wie immer im Leben kommt es auf die richtige Mischung an. Ist zu viel Sand drin, zerbröselt der Ziegel, trocknet er zu schnell, mit zu viel Wasser drin, reist er. Die Masse muss gut durchmischt werden und wird dann in eine Form ohne Boden gedrückt. Ist alles angetrocknet, wird die Form entfernt und der Ziegel trocknet dann weiter, hoffentlich ohne zu reißen. Es gehört also viel Erfahrung mit den Materialien der Gegend dazu.

 

Lehmziegel isolieren einerseits gegen Kälte sehr schlecht, speichern aber Wärme gut. Ideal für die kalten Wüstennächte. Natürlich fürchten sie Regen wie der Teufel das Weihwasser. Deswegen sind Lehmziegelbauten auch nur für Wüsten- und Trockengegenden geeignet. Wie hier eben.

Für die Touristen ist die Zitadelle 1975 renoviert worden. Mit Wasser und Lehm.

Bam

Die Oase Bam. 2 km südlich der Zitadelle Arg-e Bam.

Runddach gegen die Sonne in Bam

Nährt man sich dem Ort Bam, sieht man dass er an einer oder mehreren Oasen liegt. Trotz des mörderischen Klimas im Winter wie im Sommer wachsen hier Dattelpalmen.

 

Kurvt man durch den Ort - viele Wege sehen so aus - sieht jeder schnell, dass die Entscheidung, gar nicht erst nach einer Übernachtungsmöglichkeit gesucht zu haben, richtig war. Auch gut, genug zum Essen und Trinken dabei zu haben wenn man entlang von 2 Wüsten fährt.

 

Das Schlafen auf den heruntergeklappten Sitzen im Auto geht schon mal für eine Nacht. Die war allerdings recht kalt im Mai. Aber in der Wüste ist es nachts immer kalt.

 

Bam hatte 1978 ungefähr 60.000 Einwohner. Die Stadt wurde durch das Erdbeben am 26.12.2003 zu 70% zerstört. Es hatte eine Stärke von 6,6. auf welcher Skala auch immer. Es verwundert ein wenig, dass die Opferzahl mit 43.000 Toten und 30.000 Verletzten (bei den wenigen Lehmhäusern hier) angegeben wurde.

Bam liegt auf dem 30° Nord auf 1000 m. Die Berge sind 4000 m hoch. Das Klima zwischen den beiden Wüsten ist im Sommer wie im Winter mörderisch. Wer es nicht erlebt hat, kann es kaum erfassen.

Adios, Bam!