Handbuch der Malediven

Handbuch der Malediven

Kapitel 5: Weichltiere

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Wirbellose - Invertebrata

Unterabteilung Zweiseitentiere - Bilateria

Stamm Weichtiere - Moluska

Klasse Kopffüßler - Cephalopoda

Ordnung Achtarmige Kopffüßer - Octopodea

Weltweit: ? Arten, hier beschrieben: 1 Arten mit 3 Fotos, im Archiv:3 Fotos

Größe des Kopfes: ca. 45 cm, Tiefe: 2 m    Embudu, Süd-Male-Atoll, 2003

Ein Warziger Krake  Octopus rugosu s nach Einbruch der Dunkelheit umgeben von  

Gelbflossen-Juwelenbarschen Variola louti: Da muss es etwas zum Fressen geben! Und damit ist der Krake so beschäftigt, dass er keine seiner vielen Warzen für eine Tarnung aktiviert.

Klasse Kopffüßer  Cephalopoda

Die Klasse der  Cephalopoda ist in 4 Ordnungen unterteilt, die alle bekannte und unverwechselbare Tiere enthalten. Die Ordnung der Perlboote hat nur eine einzige Gattung und eine einzige Art: Nautilus. Es ist der einzige Kopffüßer, der eine äußere Schale hat. Die Schale ist in Kammern unterteilt die ein hydrostatisches Organ bilden und es dem Tier ermöglichen, in Tiefen zwischen ungefähr 50 und 550m zu schweben.

Die anderen 3 Ordnungen sind: Die Sepias oder auch Tintenschnecken oder Tintenfische in der Ordnung  Sepiodea , die Kalmare mit ihren 10 Armen in der Ordnung  Teuthoidea und die achtarmigen Kopffüßer mit der Familie der Kraken in der Ordnung  Octopoda .

Die Tintenschnecken haben eine innere länglich-ovale kalkige Schale, den Schulp. Diese weißen Schalen in der Form einer Bischofsmütze sind oft am Strand zu finden. In deutschen Tierhandlungen werden sie zum Wetzen der Schnäbel von Kanarienvögeln angeboten. Bei Kraken fehlt eine Schale ganz.

Kalmare sind große, in der Hochsee lebende Jäger. Sie haben wie die Sepias 8 kurze Arme und 2 lange Fangkeulen. Kraken haben 8 gleichlange Arme. Am Fuß der Kopffüßer sind die Fangarme ringförmig um den Trichter, die Ausströmöffnung aus dem Mantel, angeordnet. Die Arme tragen alle Saugnäpfe. Die können bei den Sepias und bei den Kalmaren auf kleinen Stielen sitzen und mit Hornringen versehen sein. Bei den Kraken sitzen sie flach auf der Unterseite der Arme auf.

Sepias und Kalmare haben an den Seiten kleine Flossensäume mit denen sie gut manövrieren können. Große Geschwindigkeit erreichen sie aber über einen scharfen, aus dem Trichter ausgestoßenen Wasserstrahl. Nach dem Rückstoßprinzip leiten sie so ihre Flucht ein. Die großen Hochseekalmare jagen so auch ihre Beute. Sepias und Kraken bewegen sich so ruckartig und je nach Gefahr zusätzlich unter dem Ausstoß von Tinte davon. Sie sind aber nach einigen Stößen total erschöpft. Kraken schaffen es nach eigenen Beobachtungen, 5-6 mal ihren Rückstoß einzusetzen. Dann sind sie erschöpft.

Fast alle Arten können über muskelgesteuerte Chromatophoren schnell die Farbe wechseln. Sie können sich perfekt der Umgebung anpassen oder aber auch Stimmungen oder Signale wie Wut, Drohung oder Balzbereitschaft ausdrücken. Dasss die Cepalopoden zweifelsfrei die intelligentesten Wirbellosen sind, zeigen die hervorragend entwickelten Sinneorgane, vor allem die Augen. Sie können Farben erkennen und wohl auch dreidimensional sehen. Wenn sie auch entwicklungsgeschichtlich einen anderen Weg genommen haben, sind sie doch den Augen von vielen Wirbeltieren gleichzusetzen. Könnte man nur jedem der vielarmigen Tiere in die Augen schauen, wäre zumindest die Einordnung in die Ordnungen ein Kinderspiel: Die Pupillen bei Sepias sind wie ein „W“ geschwungen, die der Kalmare rund und die von Kraken rechteckig! Aber auch das Gehirn ist gut entwickelt. Die Intelligenz entspricht in etwa der einer Ratte.

Alle Cephalopoden sindnachtaktiv und leben räuberisch von Krebsen, Fischen und Weichtieren. Kraken spritzen ihren Opfern eine Flüssigkeit ein. Sie verdauen also außerhalb ihres Körpers und saugen die so verflüssigte Nahrung ein. Bei einer Art kann dieses Sekret sogar für Menschen tödlich sein: beim Blaugeringelten Kraken  Hapalochlaena maculosa, der aber nur von Indonesien ostwärts bis Australien vorkommt.

Kraken kann man vor Sonnenaufgang über intakte Riffe Richtung Wohnspalte nach hause stolzieren sehen: halb schwebend, halb laufend oder schwimmend gleiten sie in unwahrscheinlich kleine Spalten hinein. Diese sind meist gut durchströmt und oft von vielen Muschelschalen umgeben. Im Mittelmeer, wo mangels Korallen die milliardenfachen Versteckmöglichkeiten fehlen, saugen sie die umliegenden Geröllstücke an und halten sie vor ihren Körper.

Krakenfreundschaft

Spannweite: ca. 2,00 m, Tiefe: 2 m    Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1988

Einmal schloß ich mit einem großen Kraken Freundschaft. Am späten Nachmittag begegneten wir uns in einem Korallengarten wo das Wasser ruhig und so um 1 1/2m tief war. Ich schnorchelte ruhig um einen Korallenblock und plötzlich "standen" wir uns gegenüber. Sein Kopf erschien mir fast so groß wie mein Oberkörper und er stand auf seinen 8 Beinen. Er lief rot an und zeigte aber sonst keine Fluchtbereitschaft. Vorsichtig streckte ich meine Hand nach ihm aus und er „floß“ an den Fuß einer Koralle und dann um sie herum.

Es ist nicht das Tier der nebenstehenden Geschichte, aber ähnlich groß war es auch wie dieser Gemeine Krake Octopus  vulgaris hier auf seinem Nachtspaziergang zur Nahrungssuche.

Spannweite: ca. 2,00 m, Tiefe: 2 m       Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1988

Ich tauchte ihm nach um ihn nicht zu verlieren, sah ihn aber nicht mehr. Als ich Luft holen musste, sah ich ihn oben auf der Koralle. Er hatte interessiert zugesehen, was ich dort unten machte. Ich streckte ihm wieder meine Hand vorsichtig entgegen und einer seiner unendlich feinen Armspitzen tastete nach meiner blitzenden Armbanduhr. Ein zweiter Arm glitt sanft über meine Haut, saugte sich leicht fest und ich zog meinen Arm zurück. Erschrocken ließ er los.

Das Spiel wiederholten wir einige Mal und dann versuchte ich, seinen Arm festzuhalten: Er glitt mir wie Sand durch die Finger. Wir spielten regelrecht. Er folgte mir und ich ihm. Im Nu war eine Stunde vergangen und ich beschloß, am nächsten Tag wiederzukommen.

Er war da. Alles wiederholte sich. Nur dieses Mal hatte ich ein gekochtes Ei mitgebracht. Neugierig wie er war, nahm er es mir von der flachen Hand. Es verschwand zwischen seinen vielen Armor, kam aber ganz wieder hervor. Erst als ich es etwas zerbrach, fraß er es auf.

Am dritten Tag schien es mir, als wurde ich schon erwartet. Ich durfte ihn vorsichtig anfassen, spürte die sich verfärbenden Knoten unter seiner Haut und er zeigte mir wohl alle seine Farb- und Formveränderungen deren er fähig war. Er konnte richtig warzig werden mit weißen Knoten überall am Körper. Einmal hatte ich ihn richtig auf dem Arm und einige seiner großen Saugnäpfe saugten sich an meiner Schulter fest und hinterließen kreisrunde, blutunterlaufene, ungefähr markstückgroße Flecken. Leider war der Urlaub zu Ende.

Unmittelbar danach kaufte ich mir meine erste Nikonos V.

Stamm. Weichtiere Molusca P

Klasse Kopffüßer Cephalopodea P

Ord. Achtarmige Kraken Octopoda P

Fam. Kraken Octopodidae T

Gat. Kraken Octopus B

Art Warziger Krake Octopus rugosus Robson, 1929 O

Art Gemeiner Krake Octopus vulgaris Cuvier,1797 C

Art Krake Octopus sp. T

Ord. Kalmare Teuthoides P

Fam. Kalmare Loliginidae T

Gat. Sepoioteutis B

Art Maledivenkalmar Sepoioteutis sp. O

Ord. Tintenschnecken Sepiodea P

Fam. Tintenschnecken Seoiodae T

Gat. Sepia Sepia B

Art Pharaonen-Tintenschnecke Sepia pharaonis Ehrenberg, 1831 O

Ord. Perlboote Nautiloidea P

Fam. Perlboote Nautilidae T

Gat. Nautilus Nautilus B

Art Nautilus, Perlboot Nautilus pompilius Linnaeus, 1758 O

Familie Kraken - Octopus
Warziger Krake  Octopus rugosus Robson, 1929

E: Octopus

Größe: 70 cm, Tiefe: 1 m      Meedhuffushi, Süd-Nilandu-Atoll, 1999

Warziger Krake  Octopus rugosus Robson, 1929

Größe: 60 cm, Tiefe: 1 m      Meedhuffushi, Süd-Nilandu-Atoll, 1999

Größe: 60 cm, Tiefe: 1 m      Meedhuffushi, Süd-Nilandu-Atoll, 1999

Diese warzigen Kraken sind die häufigsten Kopffüßer an den Riffen der Malediven und im Roten Meer. Eigentlich sind sie überall - man muss nur zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein. Wenn es dunkel wird, kommen sie hervor und gehen auf Jagd nach Krebsen und schlafenden Fischen - und werden selber erbarmungslos gejagt. Haie, Rochen und jeder große Fisch schätzt sie als Leckerbissen.

Größe des Kopfes: ca. 45 cm, Tiefe: 2 m

 Meedhuffushi, Süd-Nilandu-Atoll, 1999

Da das Lebensalter aller Octopoden nicht sehr hoch ist - sie leben nur 2 oder 3 Jahre - sie selbst zur Nahrungskette aller großen Tier gehören, muss ihre Fortpflanzung sehr effizient sein. Da diese klugen und großen Kletterkünstler nur schlecht in Gefangenschaft gehalten werden können, ist nur wenig über sie bekannt. Einer der acht Arme der maskulinen Kraken hat reduzierte Saugnäpfe und dafür Querrillen, in den endie Spermien an die Weibchen übergeben werden. Die Größe ist schwer zu schätzen. Hat ein ausgewachsener Krake seine Arme ausgebreitet, überbrückte 2 - 2,5 m mühelos - aber wann sieht man ihn schon so. Der Kopf auf dem Bild oben hat vielleicht eine Höhe von 50 - 60 cm.

Größe des Kopfes: ca. 45 cm, Tiefe: 2 m Meedhuffushi, Süd-Nilandu-Atoll, 1999

Könnte das Militär ihre Panzer so perfekt tarnen, müssten sie noch jahrelang nach den Dingern suchen...

Größe des Kopfes: ca. 30 cm, Tiefe: 2 m  Embudu, Süd-Male-Atoll, 2003

Ungeärgert und nicht bedrängt, sich in Sicherheit wiegend: Warzenkrake mit "eingezogenen" Warzen.

Größe des Kopfes: ca. 45 cm, Tiefe: 2 m  Meedhuffushi, Süd-Nilandu-Atoll, 1999

Gemeiner Krake  Octopus vulgaris Cuvier, 1797

E:  Octopus

Spannweite: ca. 1,50 m, Tiefe: 1 m      Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1988

Zu den drei Bildern:

Die kleine Höhle neben dem Bootssteg von Kuramathi war bekannt. Dort wohnte der junge Krake. Nachts hatten wir ihn dort immer gesehen, aber wir waren ja auf größere Tiere aus.

Aber jetzt sollte er sich mal am Vormittag fotografieren lassen. Mit der linken Hand sollte er aus seiner Höhle herausgezogen werden. Er war aber nicht zu fassen, glitt immer wieder zwischen den Fingern hindurch.

Spannweite: ca. 1,50 m, Tiefe: 1 m     Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1988

Dann wurde es ihm doch zu eng und er kam heraus. Noch ein bisschen ärgern und er ließ die Tinte ab und schoß davon.

Wir waren zufrieden, hatten ja prima Bilder auf dem Dia und schwammen nach Rasdhoo rüber.

Als wir zurück kamen, hing der Krake tot am Steg. Ewig hungrige Bauarbeiter aus Bangladesh hatten unser Spiel mit dem Kraken beobachtet und ihn sich geholt.

Wie alle Küstenbewohner schlugen sie das tote Tier wieder und wieder auf festen Untergrund, um es für den Kochtopf weich zu bekommen.

An diesem Abend schmeckte uns das Bier an der schönen Bar im Südseestil von Kuramathi nicht so richtig.

Spannweite: ca. 1,50 cm, Tiefe: 1 m        Kuramathi, Rasdoo-Atoll, 1988

Gemeiner Krake  Octopus vulgaris Cuvier, 1797

Größe des Kopfes: ca. 30 cm, Tiefe: 2 m      Embudu, Süd-Male-Atoll, 2003

Gerade wenn die Sonne untergegangen ist, kommen sie hervor. Sie haben Hunger. Der Tag wurde in einem Versteck verdöst und nun brauchen sie etwas zwischen ihrem kräftigen Schnabel, nicht unänlich einem Papageienschnabel mit vielen Kilogramm Biss pro Quadratzentimeter.

Das Pilotlicht der EOS im Subalgehäuse erschreckte den Kerl. Verblüffend aber war, dass er sich an der doch ziemlich stark nesselnden Plattenfeuerkoralle festhielt. Ihm schien das nichts auszumachen.

Größe des Kopfes: ca. 30 cm, Tiefe: 2 m          Dhigufinolhu, Süd-Male-Atoll, 1991

Größe des Kopfes: ca. 30 cm, Tiefe: 2 m       Dhigufinolhu, Süd-Male-Atoll, 1991

Größe des Kopfes: ca. 30 cm, Tiefe: 2 m      Dhigufinolhu, Süd-Male-Atoll, 1991

Größe des Kopfes: ca. 30 cm, Tiefe: 2 m  Dhigufinolhu, Süd-Male-Atoll, 1991

Größe des Kopfes: ca. 30 cm, Tiefe: 2 m   Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Kanibalenkrake

Wie der Krake zu Tode kam, war nicht zu beobachten. Wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben. Kraken haben eine kurze Lebenserwartung von nicht einmal 2 oder maximal 3 Jahren.

Aber dass ein Gemeiner Krake einen Artgenossen auffrisst, war noch nicht zu sehen. Er tat es offentsichtlich mit großem Appetit. Schließlich kann man so einen nahrhaften Eiweißbrocken nicht einfach liegen lassen.

Zwischen dem ersten und dem fünten Bild lagen nicht einmal 5 Minuten. Alle Bilder entstanden 1999 im Südnilandu-Atoll im Jahr 1 nach dem plötzlichen Absterben der Korallen, was auf den Bildern deutlich zu erkennen ist.

An der Insel gab es außergewötfhnlich viele Kraken und fast keine Inertebraten, der Nahrungsgrundlage der Kraken. Nicht ein Krebs konne in den 3 Wochen aufgenommen werden. Denen fehlten die Korallen als Versteckmöglichkeiten.

Noch etwas anders fällt bei dieser Bilderserie auf: Es kommt kein anderer Fisch, keine Muräne um sich einen Anteil an der Beute zu holen. Der Geruch der Beute und die Freßgeräusche locken sonst sofort die Haie und alle ewig hungrigen Raubfische an.

Diese Raubfische aber schwammen mit dicken Bäuchen sichtlich wohlgenährt ruhig vor der Riffkante. Sie hatten sich gründlich 1 Jahr lang an den vielen Korallenfischen sattgefressen weil diese keine Versteckmöglichkeiten mehr hatten.

Nie wieder gab es Pferde- und Stachelmakrelen mit so fetten Bäuchen auf den Malediven wie im Jahr 1 nach dem Korallensterben,

Alle 5 Bilder: Tiefe: 1 m          Meedhuffushi, Süd-Nilandu-Atoll, 1999

Krake  Octopus sp.